Man kann kaum glauben, dass die Badenfahrt und mit die hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad erst drei Wochen zurückliegen. Auch in der Stadt selbst sind fast alle Spuren des grossen Volksfestes verschwunden. Die meisten der knapp 100 Vereine dürften in diesen Tagen ihre letzten Rechnungen begleichen und ihr Projekt finanziell abschliessen.

Die Frage steht im Raum: Hat das Badenfahrt-OK so gut abgeschlossen, dass es wie vor fünf Jahren am Stadtfest den Vereinen einen Teil der Umsatzabgaben zurückzahlen kann? 2012 zahlte das OK den Vereinen die Hälfte ihrer Umsatzabgaben zurück – total 230 000 Franken. Zusätzlich erhielt die Stadt Baden einen Beitrag von 50 000 Franken für die Kulturförderung.

OK-Präsident Adi Hirzel macht den Vereinen – ohne konkret zu werden – Hoffnung: «Nicht zuletzt dank des Wetters lief es tatsächlich sehr gut.» Noch sei es zu früh, genaue Zahlen zu nennen, da auch noch viele Verpflichtungen offen stünden. «Aber so viel kann man sagen: Wir werden ganz bestimmt kein Minus schreiben», verrät Hirzel. Sollte wie beim Stadtfest ein anständiger Gewinn resultieren, sei eine Teil-Rückzahlung der Umsatzabgaben und ein Beitrag an die Kulturförderung denkbar. Aber erst müsse man jetzt sauber abrechnen und abschliessen.

Diverse Spenden-Ideen

Doch sind die Vereine überhaupt auf eine Teil-Rückzahlung angewiesen? Oder anders gefragt, wie gut haben die Vereine abgeschlossen? Das «Badener Tagblatt» hat alle Vereine um Auskunft gebeten. Das Resultat: Die grosse Mehrheit schreibt wohl nicht zuletzt wegen des perfekten Wetters schwarze Zahlen. Viele Vereine überlegen sich darüber hinaus, einen Teil ihres Gewinns – nach erfolgten Helferesten – für einen wohltätigen Zweck zu spenden.

Die Idee mit einer Spende fände man sehr schön und werde sicher auch im OK diskutiert», heisst es bei den Quartiervereinen Meierhof und Altstadt, welche die «HAltBar Fabrigg & Cie» geführt haben. «Am Liebsten würde ich eine Spende Schutz und Rettung zukommen lassen für deren unermüdliche Arbeit zur Sicherstellung von Ordnung und Gesundheit. Die Tatsache, dass unsere Polizei hier in Baden bei Verhaftungen regelmässig vom Mob angegriffen wurde, gibt mir sehr zu denken», sagt Lukas Frey.

Von Anfang an einem guten Zweck hat sich die Beiz Favela auf dem Bahnhofplatz verschrieben. Die Einnahmen kommen Kindern mit Gehbehinderungen und Amputationen in Brasilien und Vietnam zugute. «Sollte das OK noch etwas zurückzahlen, würden auch diese Gelder zu 100 Prozent gespendet.»

Abschlussfeuerwerk der Badenfahrt 2017

Abschlussfeuerwerk der Badenfahrt 2017

Auch die «Integrierbar» des Lion Clubs Baden war der Wohltätigkeit verpflichtet. So habe man drei soziale Projekt verfolgt, indem afghanischen Flüchtlingen in der Beiz mitgeholfen hätten, Essen von der Arwo angeboten wurde und die Hängematten aus Bali stammten. «Ein allfälliger Gewinn werden wir wie jedes Mal spenden. Da wir mit Flüchtlingen zusammengearbeitet haben, wird eine Spende auch in diese Richtung gehen, gemäss dem Motto unserer Beiz», sagt Philipp Wyss.

Auch Rotaract, die Jugendorganisation von Rotary, tut Gutes und spricht darüber. «Wir spenden unseren Überschuss zu 100 Prozent für einen Guten Zweck. Der Gewinn geht an die Stiftung Vision Himalaja aus Brugg, welche in Zusammenarbeit mit einer nepalesischen Augenklinik mobile Augenoperationscamps in abgelegenen Gebieten im Himalaja ermöglicht», sagt Rouven Grünig. Da man für einen Guten Zweck arbeite, würde man es natürlich sehr begrüssen, wenn das Badenfahrt-OK im Fall eines Überschuss diesen an die Vereine rückerstattet.

«Diese Rückerstattung würden wir ebenfalls vollumfänglich spenden.»
Auch bei «Le Durt» geht man von schwarzen Zahlen aus. «Unser Vereinskonzept ist ja schon dahingehend ausgelegt, dass bei einem Überschuss der Gewinn einer gemeinnützigen Organisation zugesprochen wird. So spendeten wir nach dem Stadtfest 15 000 Franken der Organisation Hope», sagt Frank Boller.

Auch bei der Beiz «Change» findet man Gefallen an der Idee einer Spende, aber: «Wir finden, das Badenfahrt-OK soll von seinem erwarteten Gewinn etwas im Namen aller Festbeizen für wohltätige Zwecke oder Kulturförderung spenden», sagt Arthur Hardmeier. Ebenfalls eine klare Botschaft an das OK hat der Verein SC Siggenthal mit seiner «Fassbar». «Wir hoffen schon, dass da auch an die Beizenbetreiber etwas zurückfliesst. Schliesslich lebt das Fest von der Vielseitigkeit, und man konnte ja immer wieder lesen, wie erfolgreich das Fest war», sagt Rafael Anderes. Speziell mit dem Verkauf von Tagespässen sei das Budget wohl mehr als nur erreicht.

Zum Teil hohe Auslagen

Nebst vielen Gewinnern gibt es aber auch Beizen, die offen kommunizieren, dass es hätte besser laufen können. So etwa bei der «Fahrbar» des Stadtturnvereins Baden. «Trotz guter Vorbereitung, Sicherheitskonzept und Absprache mit OK und der Polizei, wurde uns am ersten Samstagabend ein grosser Strich durch die Rechnung gemacht», sagt Hansruedi Hagen. Weil die Hochbrücke gesperrt wurde, sei der gesamte Festbesucherstrom aus Richtung Wettingen direkt in das Festgebiet Obere Halde/Weite Gasse gegangen. «Mit dem Umsatz der Festbeiz können wir daher nicht zufrieden sein. Ob es eine schwarze Null gibt oder nicht, werden wir erst nach dem Erhalt aller Rechnungen wissen.» Sollte wider Erwarten ein Gewinn herausschauen, würde in die Jugendförderung fliessen.  STV-Präsident Hagen: «Wie bekannt ist, wird vonseiten der Stadt und des Sponsoring der Sport in Baden nicht gross gefördert.»

Auch der Verein Agnes 2.0 – gegründet durch den Kantonsspital Baden in Kooperation mit dem Regionalen Pflegezentrum – präsentiert eine durchzogene Bilanz: «Obwohl das Wetter perfekt war und die Umgebung am Kirchplatz als eine der schöneren Festplätze galt, werden wir wohl nicht mit positiven Zahlen glänzen», sagt André Leimgruber. Der Umsatz sei zwar deutlich höher als geplant ausgefallen, ebenso aber die Auslagen. «Sollte doch noch ein Gewinn erzielt werden, werden wir ihn intern verwenden. Eine Teilrückzahlung an unseren Verein würden wir begrüssen, um zumindest das Defizit ausgleichen zu können.»