Trotz Augenringen und zehn Tagen Badenfahrt in den Knochen: In vielen Beizen läuft der Abbau am Morgen nach dem Ende des Festes auf Hochtouren. Bei vielen schwingt leise Wehmut mit. «Trotz Müdigkeit ist es schade, dass wir unsere Beiz schon wieder abbauen müssen», sagt etwa Johannes Haslimeier von der Kubb-Beiz «Zum chliine Björn». Dennoch sind viele auch froh, kehrt der Alltag und somit wieder etwas Ruhe zurück. Alexandra Wiegand vom «SchreBarGarten» sagt lachend: «Ich fühle mich nach diesen zehn Tagen 20 Jahre älter.» Und Renato Schneeberger und drei seiner Kollegen vom «Tanzverbot» gönnen sich nach dem Trubel kurzerhand eine Auszeit in China.

Schluss-Feuerwerk und andere Badenfahrt-Höhepunkte

Schluss-Feuerwerk und andere Badenfahrt-Höhepunkte

Mit einem bombastischen Spektakel verabschiedete sich das Festival in die 10-jährige Pause. Aber was hat den Besuchern am besten gefallen?

Bis Samstagabend haben die Vereine Zeit, die 90 Festbeizen wieder abzubauen. Die Hochbrücke soll ab Freitag für die Autos wieder befahrbar sein. Die meisten Vereine setzen sich aber eine kürzere Frist. Die Hafenkneipe «Herr Schmidt» auf der Hochbrücke und die Bar «Malt’n’Smoke» sollen bis Dienstagabend verschwinden.

Und der Verein Leviathan will seine «Parzelle 5554», die steilste Beiz der Badenfahrt, bis Mittwoch abbauen. «Sanitäranlagen und sonstiges Material wollen wir möglichst schnell zurückgeben, da es uns jeden Tag Miete kostet», sagt Didier Balissat. Viele Beizen werfen das verwendete Material nicht weg, sondern es wird wiederverwendet. «Dandy Shack» kann die 550 gemieteten Holzpaletten wieder zurückgeben. Die zweieinhalb Lastwagenladungen Stroh vom «StrohWerk» landen auf dem Feld. Und den Gartenzaun des «SchreBarGartens» erhält ein Kinderhort.

Chaos wegen Besucherandrang

Für viele Beizen waren die ersten beiden Festabende ein Stresstest. Am Freitag, kaum waren die Böllerschüsse verhallt, fegte ein Sturm über das Festgelände. Kevin Benz von «Dandy Shack»: «Wir haben Blut geschwitzt, ob unsere Bar dem Wind standhält. Doch die Konstruktion hielt.» Auch das Segelboot auf dem Container von «Herr Schmidt», die Bücher der Gewinnerbeiz «UsVers» oder die Kartonröhren von «LeKartoon» hielten dem Unwetter stand.

Einige Beizen wurden aber nicht nur vom Sturm, sondern auch vom grossen Besucherandrang überrascht. Johannes Haslimeier vom «Chliine Björn»: «Es herrschte das völlige Chaos, vor allem mit dem Essen. Das Taschenbrot mit Lachs oder Poulet war jeweils schnell vergriffen.» Am zweiten Wochenende habe dann aber alles geklappt. Auch das fünfköpfige Team von «Dandy Shack» verrechnete sich zu Beginn etwas. Sie rechneten mit 70 italienischen Piadine pro Abend, verkauften aber 300, weshalb sie im Coop Nachschub an Zutaten kaufen mussten. Und «LeKartoon» und das «Polygon» halfen sich gegenseitig mit Eiswürfeln oder Pommes frites aus.

Abschlussfeuerwerk der Badenfahrt 2017

Abschlussfeuerwerk der Badenfahrt 2017

«Die Badenfahrt war für das ganze Team eine Grenzerfahrung», sagt Kevin Benz von «Dandy Shack». «Wir sind alle am Ende unserer Kräfte – aber glücklich.» Vor allem dank der Gäste, die für eine gute Stimmung sorgten, auch wenn zeitweise die Bar bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen sei. Auch für Andrés Höchli, den Frittenkönig von «LeKartoon», gehören die Gäste zu den Highlights. So hätten viele alte Schulfreunde oder Pfadi-Kollegen für schöne Momente gesorgt, als sie für einen Schwatz vorbeikamen und für die Badenfahrt zum Teil sogar aus Berlin oder den USA anreisten. Oder als am letzten Tag Kinder die Kartonröhren bemalten und die Beiz somit in ein farbiges Kunstwerk verwandelten. Für Alexander Marty von «UsVers» waren der Aufbau und die ganze Vorbereitung die schönste Zeit. «Ein Jahr lang haben meine Kollegen und ich diese Bücher gesammelt und danach zusammen das Projekt auf die Beine gestellt», sagt er, während er Frittier-Öl in Plastikflaschen abfüllt.

Viel Arbeit wegen Betrunkenen

Viel Arbeit wegen Betrunkenen

Am letzten Badenfahrt-Wochenende hatten die Samariter nochmals alle Hände voll zu tun. Die alkoholisierten Besucher verlangen ihnen besonders viel ab.