Es ist Mittwochmorgen kurz vor halb zehn Uhr. Am Brückengeländer an der Dorfstrasse stehen ein paar Velos. Vor der «Bachstube am Bach» sitzen bereits ein paar Stammgäste am Tisch und unterhalten sich bei Kaffee, Tee und Gebäck. Im Innern des ehemaligen Salzhüslis ist die syrische Asylbewerberin Haifaa Rajab (36) damit beschäftigt, den Teig für englische Scones fertig zu verarbeiten. Barbara Schütz vom Betreuerteam Asyl steht ihr zur Seite. Haifaas Ehemann Jamal (39) begrüsst die Besucherin und fragt nach dem Getränkewunsch. Die Stimmung ist locker. Man ist sofort per Du und spricht Hochdeutsch. In der Ecke steht ein Kinderwagen, aus dem die sechs Monate alte Maria das Geschehen zufrieden beobachtet. Die beiden älteren Mädchen der Familie Rajab, Nourhat (10) und Rawan (8), sind noch zu Hause und schauen später in der Bachstube vorbei.

Die 15 Brotlaibe im Backofen in der Ecke bekommen allmählich eine braune Kruste. Schütz hat den Brotteig von zu Hause mitgebracht, ebenso das Wurzelbrot, das schon auf den Tischen verteilt wurde. Ein Blick ins Bachstube-Buch zeigt, dass die 15 Brote jeweils am Mittwochmorgen im Nu verkauft sind.

Gäste können Teiglinge bringen

Die Idee zur «Bachstube am Bach» als interkultureller Treffpunkt hatte Bäuerin Barbara Schütz. Sie stiess damit beim Betreuungsteam Asyl und der Gemeinde Effingen auf offene Ohren. Das marode Häuschen am Bach wurde daraufhin in stundenlanger Fronarbeit und mit viel Liebe zum Detail saniert. Aus dem Swisslos-Fonds gabs für dieses Projekt im Bereich Flüchtlingswesen einen Beitrag von 30 000 Franken.

Die Gemeinde beteiligt sich ausserdem mit 10 000 Franken. Seit dem 2. Mai steht die Bachstube nun jeweils am Mittwoch von 9 bis 11.30 Uhr offen. Auf Voranmeldung steht der Backofen ab 10 Uhr für mitgebrachte Teiglinge zur Verfügung. Wenn möglich, werden immer wieder verschiedene Rezepte ausprobiert. So gab es in der Vergangenheit auch schon Tomatenbrot oder finnisches Knäckebrot. Haifaa Rajab bringt jeweils zusätzlich ein syrisches Süssgebäck mit. Diesen Mittwoch waren es Baklava – das sind kleine Häppchen mit Strudelteig und Pistazienfüllung.

Manchmal kommen neben den Gästen aus dem Dorf auch Asylbewerber aus Oeschgen, Frick oder Bözen vorbei. Da es in Effingen schon seit einiger Zeit kein Restaurant mehr gibt, ist die Bachstube eine gute Gelegenheit, damit sich Asylbewerber und Schweizer austauschen können. «Das ist doch in allen Kulturen so: Über das Essen kommen die Menschen einfach miteinander in Kontakt», stellt Barbara Schütz fest. Sie steckt viel Herzblut in dieses Projekt. Das Angebot kommt bei den Besuchern gut an. Auch die Lebensmittelkontrolle hatte bei der Überprüfung nach einigen Wochen nichts zu beanstanden.

Buffet für Daheimgebliebene

Vor seiner Flucht betrieb Jamal Rajab in Syrien eine eigene Firma für Klimatechnik: «Wir warten jetzt seit zwei Jahren und zwei Monaten auf einen Asylentscheid.» In Effingen ist die Familie dank dem Betreuungsteam gut integriert. Zu Beginn lebte sie isoliert in der Vorstandswohnung bei der Station Effingen. Seit man für sie im Dorfzentrum eine geeignete Wohnung gefunden hat, können die Kinder selbstständig zur Schule. Für alle Daheimgebliebenen gibts in der Bachstube diesen Samstag auf Initiative von Mutter Haifaa ein syrisches Buffet ab 16 Uhr.