«Für mich geht heute mit der Vernissage meines ersten eigenen Buchs eine Reise zu Ende, die vor drei Jahren begonnen hat», sagte Historiker Rolf Tanner am Mittwochabend im Odeon Forum in Brugg. Das Interesse an der Biografie über die in Windisch aufgewachsene Margrit Fuchs, die dieses Jahr den 100. Geburtstag hätte feiern können, war so gross, dass die bereitgestellten Stühle nicht ausreichten.

Tanner, 1962 geboren, war der Gottenbub von Fuchs. Als 17-Jähriger wurde er von ihr zu einer dreiwöchigen Reise nach Ruanda eingeladen. Mit dem Gedanken, ein Buch über das bewegte Leben von Margrit Fuchs zu schreiben, beschäftigte er sich schon seit längerem, dachte aber an die Zeit nach seiner Pensionierung. «Während eines Ferienaufenthalts in Südafrika merkte ich, dass ich nicht warten sollte, denn sonst sind alle tot, die meine Gotte kannten», erzählte Tanner. Er reduzierte sein Arbeitspensum und machte sich ans Werk. Rund 70 Interviews führte er mit Weggefährten von Margrit Fuchs.

Nach einer schweren Lebenskrise verliess Margrit Fuchs, die in der Schweiz als kaufmännische Angestellte gearbeitet hatte, mit 53 Jahren die Schweiz und engagierte sich in Ruanda zunächst als Hausmutter von Kabgayi. Dann baute sie ein katholisches Zentrum auf, lancierte Hilfsprojekte für Arme und Strassenkinder und gründete nach dem Völkermord ein eigenes Hilfswerk, das in ihrem Sinne weitergeführt wird. Ihr Leben zeige, dass man nie zu alt für einen Neuanfang ist, bilanzierte Tanner. Das 334-seitige Buch ist im Verlag Hier und Jetzt erschienen.