«An Andreas Glarner. Hallo, der erste Kriminal-Willy lässt grüssen», steht im Brief, der der Aargauer SVP-Fraktionspräsident vor kurzen in seinem Briefkasten fand. «Demnächst entlassen mich die Staats-Schergen aus dem Kriminal-Käfig», schreibt der in Berikon als Behördenschreck bekannte Willy Sprenger und droht Glarner: «Ich dringe in dein Land ein, bewaffnet mit einer Eisenstange.»

Doch damit nicht genug: Dem Brief, der «Tele M1» vorliegt, ist ebenfalls ein Zeitungsausschnitt mit einer Todesanzeige beigelegt.

Kein unbeschriebenes Blatt

Glarner war zuerst einmal überrascht, als er den Brief fand. Dann sei er natürlich erschrocken. «Im Brief stehen ja massive Drohungen gegen Leib und Leben.» Da mache man sich schon Sorgen, meint der Gemeindeammann von Oberwil-Lieli. Er selbst kennt den Verfasser nicht.

Dieser ist jedoch kein unbeschriebenes Blatt. 14 Monate hat ihn der Richter hinter Gitter geschickt, weil er immer wieder Behördenmitglieder bedroht hatte. Sprenger hatte ausserdem 36 Scheiben des Beriker Gemeindehauses mit einer Eisenstange zertrümmert. Der Schaden damals: 55'000 Franken.

Keine Skizzen vom Gefängnis

Wie ist es möglich, dass ein solcher Drohbrief überhaupt erst das Gefängnis verlassen kann? Wie Pascal Payllier, Chef Amt für Justizvollzug in Aarau gegenüber «Tele M1» sagt, dürften Briefe, die an eine Amtsstelle oder einen Anwalt adressiert wären, nicht kontrolliert werden. Der Hauptfokus der Prüfung liege auf der Sicherheit. So würden beispielsweise Skizzen des Gefängnisses aussortiert. Ausserdem werde bei der Kontrolle auch auf die Sprache geachtet: Unanständige Ausdrucksweisen werden nicht toleriert.

Schlussendlich sei es aber immer der Vollzugsbeamte, der entscheide, so Payllier.

«Jetzt darf man sogar schon Drohbriefe verschicken»

Andreas Glarner befriedigt dies insgesamt nicht. «Ich frage mich einfach, was im Gefängnis alles möglich ist». Man wisse, dass Gefangene Fernsehen schauen und Krafttraining absolvieren dürften. «Man hat so ziemlich alles, wofür man draussen sparen müssen», resümiert Glarner. «Jetzt darf man sogar schon Drohbriefe verschicken.»

Der SVP-Fraktionspräsident will trotz Morddrohung auf eine Anzeige verzichten. Er will den Behördenschreck nicht weiter provozieren. (ldu)