Wenn die Tochter Nacktbilder via WhatsApp verschickt und Sohnemann mit Papas Kreditkartennummer zusätzliche Waffen bei Fortnite kauft, dann sind das keine herzigen Kinderstreiche, sondern kann das der Auftakt zu strafbaren Handlungen mit weitreichenden Konsequenzen sein. Diesem brisanten und höchst aktuellen Themenfeld widmete sich die Veranstaltung «Kinder im Netz – gefangen?», die am Dienstagabend im Berufsbildungszentrum bbz Freiamt in Wohlen über die Bühne ging. Dazu eingeladen hatten die Bezirksparteien der CVP Bremgarten und Muri. Hauptreferent des Abends war Patrick Stangl, Schulinstruktor für Verkehrs- und Kriminalprävention bei der Stadtpolizei Zürich, Fachgebiet Cybercrime und Social Media. Sein Referat unter dem Titel «Schwerpunkt der Erziehungsarbeit im Umgang mit Social Media» liess aufhorchen.

Mit gutem Beispiel voran

Seine Kinder ohne Handy und Computer aufwachsen zu lassen, ist in der heutigen Zeit nicht mehr möglich. Der Umgang mit diesen Informations- und Kommunikationsmitteln gehört zur Allgemeinbildung. Stangl wies in seinem Vortrag darauf hin, dass das Schulfach Medien und Informatik zwar wohl im Lehrplan 21 vorgesehen sei und von vielen Schulen auch schon eingeführt wurde, dass diese Lektionen aber die Kinder nicht vor den Gefahren im weltweiten digitalen Netz bewahren können. «Die Kinder zu schulen in Bezug auf die Risiken im Internet oder im Umgang mit dem Handy, das ist Elternarbeit», hielt der zweifache Vater in aller Deutlichkeit fest.

Auf Primarschulstufe gehe es noch vornehmlich darum, die Kinder dafür zu sensibilisieren, wie man mit persönlichen Daten umzugehen hat, vor allem auch, was und wen man fotografieren dürfe. Sie müssen lernen, was ja und nein heisst im Internet und welche Anstandsregeln in der digitalen Kommunikation gelten, Stichwort: Netiquette. Von Anfang an gehe es darum, gemeinsam mit den Kindern Regeln aufzustellen und deren Einhaltung zu überprüfen. «Zeigen Sie Interesse an der Mediennutzung und entdecken Sie mit Ihrem Kind zusammen die Möglichkeiten des Netzes», riet Stangl. «Seien Sie dabei aber immer ein Vorbild. Halten Sie sich selber auch an die Regeln. Legen Sie die Nutzungszeiten fest und sorgen Sie unbedingt für gemeinsame, medienfreie Mahlzeiten.»

Alle Betroffenen ins Boot holen

Je älter die Kinder werden, desto wichtiger ist ihnen die Zugehörigkeit zu angesagten Gruppen, die sich via Handy und Computer austauschen. Dabei lauern Gefahren wie Cyber-Mobbing, Belästigung, sexuelle Ausbeutung, aber auch diverse Kostenfallen und Internetbetrug. Über solche Fälle von Netzkriminalität diskutierten im Anschluss Hans Melliger, Leiter Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau, und Martin Schneider, Leiter Kompetenzzentrum Schulsozialarbeit Muri, mit dem Referenten. Die Gesprächsleitung übernahm CVP-Ständeratskandidatin Marianne Binder. Aus der Diskussion ging klar hervor, dass es bei strafrechtlichen Vergehen von Jugendlichen im Netz nicht darum gehen kann, die Schuldigen anzuprangern, sondern dass solche Fälle immer mit den Eltern und allen vom Vorfall Betroffenen gemeinsam verarbeitet werden. Martin Schneider mahnte die Zuhörer: «Suchen Sie früh den Kontakt mit uns, bevor aus einer kleinen Sache eine grosse wird.»