Im Mai 2013 wurde der heute 35-jährige Pablo S. vom Bezirksgericht Bremgarten zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt. Es wurde ausserdem eine Verwahrung angeordnet. In der Berufungsverhandlung vom Donnerstagnachmittag vor Obergericht versuchte Pablo S. die Verwahrung aufzuheben und stattdessen eine vollzugsbegleitete ambulante Massnahme anzuordnen. Weiter beantragte sein Anwalt, das Strafmass auf 6 evt. 7 Jahre zu senken.

"Ich bin nicht untherapierbar"

Pablo S. wird in psychiatrischen Gutachten als sehr manipulativer Mensch beschrieben. Ihm wird eine hohe Rückfallgefahr für schwere Gewaltverbrechen attestiert. Seine Therapierbarkeit wird als marginal eingestuft. Er selber sagte vor Obergericht: «Ich bin nicht untherapierbar.»

Er hoffe auf eine Chance, auf eine Therapie, verwahrt werden könne er ja immer noch, falls die Fachleute nach der Therapie sagten, er stelle noch immer eine Gefahr dar. Er sagt auch: «Ich habe etwas Furchtbares getan.» Er verstehe, dass sich die Leute vor ihm fürchteten. Er aber fürchte sich davor, auf unbegrenzte Zeit weggesperrt zu werden, nie zu wissen, ob er wieder rauskommen oder «ob es das nun einfach gewesen ist».

20. November 2014: Der Vergewaltiger und Entführer Pablo S. kämpft vor dem Obergericht erfolglos gegen seine Verwahrung.

Der Vergewaltiger und Entführer Pablo S. kämpft vor dem Obergericht erfolglos gegen seine Verwahrung.

Obergericht bestätigt Verwahrung

Das Obergericht stützte das erstinstanzliche Urteil vom Bezirksgericht Bremgarten. Die Rückfallgefahr könne laut Gutachten durch eine Therapie nicht merklich vermindert werden. Pablo S. sei weit weg von einer guten Prognose.

«Man kann das Ganze nicht viel schlimmer machen, als Sie es gemacht haben», sagt der Oberrichter zu Pablo S. Es sei nun aber nicht so, dass er bis an sein Lebensende weggesperrt werde. Ob die Voraussetzung für eine stationäre therapeutische Massnahme bestehe, werde nach Verbüssung der Freiheitsstrafe regelmässig geprüft.

Pablo S. nahm das Urteil ruhig entgegen.

Die Tat

Ende 2011 holte Pablo S. sein damals 15-jähriges Opfer M. ab und fuhr mit ihr in seine Wohnung nach Wohlen – zum angeblichen Probe-Babysitting. Er hatte sie zuvor auf einer Online-Babysitting-Plattform unter dem Vorwand, eine Babysitterin für die Tochter seiner Schwester zu suchen, kontaktiert.

Bei sich zu Hause bedrohte er das Mädchen mit einer Waffe und befahl ihr, sich auszuziehen. Er fesselte und knebelte M., missbrauchte und vergewaltigte sie. Pablo S. machte Fotos und Videos von seinem Opfer.

«Es war eine Fantasie, die sich in mehreren Variationen in meinem Kopf abgespielt hat.» Sein Hauptbild sei eine Lolita, ein Mädchen in Schuluniform gewesen. Pablo S. hatte diese Fantasien schon über Jahre, auch die einer Vergewaltigung. Vor dem Bezirksgericht Bremgarten sagt er damals: «Irgendwann hat die Fantasie nicht mehr gereicht», sagte er vor Gericht. Er habe nur noch aus Trieb gehandelt. «Ich sah M. nicht mehr als Menschen, sondern nur noch als Objekt.»

Nach der Vergewaltigung fuhr er mit seinem Opfer ins Tessin. Die Koffer gepackt hatte er bereits Tage zuvor. Im Tessin hielt er sein Opfer zwar nicht mehr physisch fest, sagte M. sogar, sie dürfe ihn verlassen. Diese war aber so eingeschüchtert, dass sie die Flucht nicht wagte. Nach einer Übernachtung brach Pablo S. sein Vorhaben ab und wollte M. zurückbringen. Auf der Rückfahrt wurde er dann von der Polizei gestellt und verhaftet.