Die Tagesklinik des Spitals Muri hat den traditionellen Handschlag zwischen Mitarbeiter und Patient abgeschafft. Die Massnahme wird in einer Patienteninformation damit begründet, dass gemäss Weltgesundheitsorganisation (WHO) 80 Prozent aller Infektionskrankheiten über die Hände weitergegeben werden. Nun gilt in der Tagesklinik das Motto «Lächeln statt Händedruck», wie "20 Minuten" berichtet. 

Sprecherin Martina Wagner begründet die Massnahme damit, dass in der Tagesklinik eine spezielle Vorsicht wegen Patienten mit unterschiedlichen Krankheiten gelte. "Patienten, die zur Chemotherapie ins Spital Muri kommen, sind besonders gefährdet und bedürfen eines besonderen Schutzes", sagt sie. Die Reaktionen seien überwiegend positiv. Während man in der Tagesklinik schon seit März nicht mehr einander die Hand schüttelt, wird im Spital Muri auf diese Massnahme verzichtet. "Die Idee entstand in der Tagesklinik im Zuge der ständigen Weiterentwicklung der Patientensicherheit", erklärt Martina Wagner auf Nachfrage der AZ. Sie fügt an: "Die Hygienemassnahmen im Spital werden regelmässig überprüft. Es ist grundsätzlich möglich, dass zukünftig 'Lächeln statt Händedruck' diskutiert wird." Sie erklärt, dass der Handschlag ein Element des Arzt-Patienten Vertrauensverhältnisses sei und man im Spital eine für Patienten ungewohnte Situationen wie der Ausfall des Handschlags vermeiden wolle. 

Muri ist nicht das einzige Spital, dass diese Massnahme eingeführt hat. Die August Klinik in Bochum (DE) verzichtet seit drei Jahren auf den Handschlag. Für die meisten Spitäler ist die Abschaffung des Händedrucks kein Thema. Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), sagt zu "20 Minuten", dass dies ein Novum sei. Dem BAG sei keine entsprechende Richtlinie bekannt. Auf den Handschlag zu verzichten sei sicherlich nicht falsch, aber auch nicht die Lösung aller Probleme. «Der grösste Teil der Krankheitsübertragungen passiert bei der Pflege und nicht bei der Begrüssung.» Das Universitätsspital Zürich begründet die Beibehaltung mit der in der Tradition verankerten Form der Kontaktaufnahme und des gegenseitigen Respekts. Hauptaugenmerk liegt bei der Handhygiene des Spitalpersonals, welches jeweils vor und nach dem Kontakt mit einem Patienten die Hände desinfiziert. Die korrekte Händedesinfektion sei die wichtigste, einfachste, schnellste und kostengünstigste Standardmassnahme zur Verhinderung der Übertragung von Keimen.

Rund 6 Prozent aller Patienten in der Schweiz erleiden während ihres Aufenthalts im Spital eine Infektion (Healthcare-Assozierte Infektionen, HAIs), womit die Schweiz genau im europäischen Mittel liegt. Das zeigt eine Studie des Swissnoso, welches 1994 auf Anregung des Bundesamts für Gesundheit entstand und Empfehlungen und Richtlinien zur Bekämpfung von HAIs ausarbeitet. Die Untersuchung ergab, dass unter anderem rund 30 Prozent aller Spitalinfektionen nach chirurgischen Eingriffen geschehen. 

Ob die von der Tagesklinik eingeführte Massnahme zu einer Verringerung der Spitalinfektionen geführt hat, ist noch unklar. Eine statistische Auswertung liegt noch nicht vor.