Hanf ist in aller Munde: Die Nachfrage nach legalen Hanfprodukten ist auch im Fricktal hoch. Das zeigt das Beispiel der Pure Production AG, die in Zeiningen seit diesem Jahr auf über 23'000 Quadratmetern eine Hanfgärtnerei mit Shop und Erlebnishof betreibt.

Erst im Frühjahr gestartet, gehört das Unternehmen heute bereits zu den grossen Playern auf dem Schweizer Hanf-Markt. 26'500 Hanfpflanzen wachsen in der ehemaligen Gärtnerei, 14 Mitarbeiter sind hier inzwischen für CEO Stevens Senn tätig.

«Es ist wahnsinnig, was in der Branche abläuft», sagte Geschäftsführer Stevens Senn Ende September gegenüber der AZ. «Derzeit wollen ganz viele Akteure am Hanf-Geschäft partizipieren.» Ein Grund dafür: Legale Hanfprodukte – sie sind aus Pflanzen mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent hergestellt – seien «salonfähig» geworden, sagt Stevens. Unter den Kunden habe er auch viele ältere Menschen und keineswegs nur Jugendliche.

«Quittung auf sich tragen»

Auf den'auch René Diem: Der 25-Jährige eröffnet am 25. November in Frick einen Hanfladen. Anbieten wird er zum einen CBD-Hanf. CBD ist eines von über 80 Cannabiodinen, das die Hanfpflanze enthält; das bekannteste ist THC. CBD habe, so Diem, im Unterschied zu THC keine berauschende Wirkung und wirke sich nicht auf die Psyche aus. Ihm wird im Gegenteil eine positive Wirkung auf die Gesundheit nachgesagt.

Anbieten wird Diem den CBD-Hanf als Tropfen und zerkleinerte Hanf-Rispen in mehreren Sorten. Dass man die Rispen von Auge kaum vom illegalen Cannabis unterscheiden kann, weiss Diem, erachtet es aber nicht als Problem. Sein Tipp: «Einfach die Quittung auf sich tragen. So ist man in einer Polizeikontrolle auf der sicheren Seite.»

Neben den CBD-Produkten führt Diem in seinem Shop auch Biskuits, Schokolade, Bier, Eistee, Energiedrinks, Teigwaren, Kosmetikprodukte – alle auf Hanfbasis, «aber natürlich ohne CBD, wie es das Gesetz verlangt».

Diem bezieht seine Produkte nicht direkt von der Pure Production AG, sondern als Franchisingnehmer von «Green Diamond», einem Anbieter aus Baden, der seinerseits Produkte von der Pure Production AG bezieht. «Das hat den Vorteil, dass ich auf eine eingeführte Marke zurückgreifen kann und mir das Mobiliar gestellt wird», so Diem.

Der Jungunternehmer ist überzeugt, dass das Geschäft in Frick funktionieren wird. «Das Einzugsgebiet ist gross genug für einen Hanfshop und ich weiss aus vielen Gesprächen, dass eine Nachfrage nach legalen Hanfprodukten besteht.»

Auf den Hanf gekommen ist Diem «durch Gespräche mit Kollegen». Er habe sich schon eine Zeit lang überlegt, wie er sich beruflich positionieren wolle. Klar war für den gelernten Montageelektriker dabei: «Ich will künftig mein eigener Chef sein.» Und klar war für ihn auch: «Ich werde mich nicht im angestammten Beruf selbstständig machen.» Denn dies wäre im Elektro-Bau «zu riskant», so Diem. «Die Preise sind hier gehörig unter Druck.»

Neuer Lebensabschnitt

Diem fokussierte deshalb auf einen Laden, überlegte sich, was in der Region noch fehlt – und kam bei einem Besuch bei der Pure Production AG auf den Hanf-Geschmack. Den Standort an der Widengasse hat Diem gewählt, weil er zentral sei – «und die Miete bezahlbar».

Bislang habe er nur positive Rückmeldungen erhalten, freut sich Diem. Etwas nervös vor dem 25. November ist er aber trotzdem. «Es ist ein grosser Schritt für mich. Es fängt ein neuer Lebensabschnitt an, von dem ich nicht weiss, wie er sich anlässt», sagt er. «Das verursacht schon auch ein flaues Gefühl in der Magengegend.» Er blickt sich in seinem Laden an der Widengasse um, der noch eine einzige Baustelle ist, zeigt, wo in wenigen Tagen der Tresen stehen wird, wo die Regale. «Aber ich bin optimistisch, dass alles gut kommt.»