700 Millionen Kilowattstunden Strom für rund 200 000 Haushalte produziert das Rheinkraftwerk Laufenburg heutzutage. Die historische Fassade aus dem Baujahr 1914, in dem das Kraftwerk nach fünf Jahren Bauzeit fertiggestellt wurde, ist noch heute erhalten. Es war damals das erste Kraftwerk, welches quer zur Flussrichtung errichtet wurde und galt mit einer Leistung von 40 Megawatt als leistungsstärkstes Wasserkraftwerk in Europa.

«In der Zeit der Industrialisierung und Elektrifizierung war das Rheinkraftwerk Laufenburg ein Quantensprung», erläutert Jochen Ulrich, Leiter des Asset Management der «Energiedienst Holding AG», welche das Rheinkraftwerk unter dem damaligen Namen «Kraftwerk Laufenburg» entwickelt und errichtet hat. Von 1988 bis 1994 fand die erste umfangreiche Sanierung und Modifizierung des Kraftwerks statt. Die bis dahin den Betrieb am Laufen haltenden Francis-Maschinengruppen wurden durch modernere Straflo-Turbinen ersetzt. Bei ihnen handelt es sich um Propellerturbinen, bei denen Turbine und Generator eine kompakte Einheit darstellen und damit einen höheren Wirkungsgrad ermöglichen.

Zehn Turbinen als Herzstück

Heute sind zehn dieser Turbinen das Herzstück des Kraftwerks. Seine Funktion ist dabei leicht verständlich: Das einströmende Wasser setzt die Laufräder der Turbinen in Bewegung und treibt die Generatoren an. Die dabei entstehende Bewegungsenergie wird von einem Dynamo in elektrische Energie umgewandelt und das Wasser über ein Saugrohr abgeleitet. Fertig ist der Strom. 60 Prozent des schweizerischen Strombedarfs wird aus der Wasserkraft gewonnen, wodurch das Rheinkraftwerk Laufenburg nicht mehr wegzudenken ist. Hierbei wird besonderen Wert auf klimaschonende Wasserkraft und den Naturschutz rund um das Kraftwerk gelegt.

Seit 1914 gibt es bereits sogenannte Fischtreppen, die dafür sorgen, dass Fische das Kraftwerk passieren können. Zusätzlich ermöglichen drei Biberrampen diesen Tieren, das Kraftwerk auf dem Landweg zu überqueren. Auch die Ufer vom Kaisterbach bis kurz unterhalb der Albmündung werden von Mitarbeitern des Energiedienstes ökologisch gepflegt. Etwa 14 Mitarbeiter sind derzeit für das Rheinkraftwerk Laufenburg zuständig und erledigen Aufgaben wie die Wartung und Kontrolle der Maschinen, die Überprüfung der Werte und Leistung und Reparaturarbeiten. Mindestens einmal am Tag wird eine Rechenreinigung vorgenommen. Ansonsten reguliert sich das System des Rheinkraftwerkes weitgehend selbst und läuft automatisiert.

250 Schleusungen im Jahr

Jochen Ulrich spricht auch über die Vorteile der Wasserkraft: «Die Stromgewinnung über die Wasserkraft ist am effizientesten unter den erneuerbaren Energien, da man durch wenig Input den höchst möglichen Ertrag erzielen kann. Zudem handelt es sich um einen gleichmässigen, regenerativen und verlässlichen Ertrag mit nur geringen saisonalen Schwankungen.» Das mache das Rheinkraftwerk zu einer wichtigen Konstante, gerade für die Region.

Neben der Stromgewinnung gehört die Schleusung zu einer der anfallenden Tätigkeiten im Kraftwerkbetrieb. Etwa 250 von ihnen werden etwa pro Jahr durchgeführt. Die Boote fahren dabei auf einem Wasserniveau ein und werden dann dem anderen angeglichen. Der untere Wasserspiegel liegt bei rund 290 Metern und der obere bei knapp 300 Metern. Diese Niveaus werden stetig gehalten.

Auf Stromausfall vorbereitet

Bei Hochwasser hat das Rheinkraftwerk eine Ausbauwassermenge von 1370 Kubikmeter pro Sekunde. Sollte diese überschritten werden, wird das Stauwehr geöffnet. Die Herausforderung liegt dann beim Treibgut. Auch auf Stromausfall ist das Kraftwerk vorbereitet: Sobald es keinen Abnehmer mehr für den produzierten Strom findet, kommt es zu einem Stillstand der Turbinen und die Notstromanlage springt an, um das Stauwehr weiterhin zu betreiben.

Dass das Rheinkraftwerk eine komplexe Anlage ist, wird bei der Besichtigung der Anlage deutlich. Zu sehen gibt es neben den Aussenanlagen auch den gewaltigen Maschinenraum, der zeigt, wie die Kraftwerkstechnik aufgebaut ist. Führungen gibt es hierfür von Montag bis Freitag auf Anfrage.