Mehr als jede zehnte Lehrstelle im Fricktal ist zum offiziellen Beginn des Lehrjahres 2017/18 noch frei. Das zeigt ein Blick in den Lehrstellennachweis des Kantons. Demnach sind von den 389 in der Region gemeldeten Lehrstellen 60 nicht besetzt.

Die tatsächliche Zahl der unbesetzten Lehrstellen dürfte zwar etwas tiefer liegen. Einerseits, weil nicht alle Unternehmen ihre besetzten Stellen aktualisiert haben. Andererseits, weil Lehrverträge noch bis zwei Wochen nach Lehrbeginn beim Berufsbildungsinspektorat eingereicht werden können. Dennoch ist klar: Es werden auch in diesem Jahr Lehrstellen frei bleiben.

Dabei zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen. Während etwa im kaufmännischen Bereich keine Lehrstelle mehr im Nachweis aufgelistet ist, sind es in der Baubranche noch 14; etwa als Maurer, Strassenbauer oder Metallbauer. Das sind rund 23 Prozent der total noch freien Lehrstellen.

Büro beliebter als Bau

«In der Beratung zeigt sich, dass das Interesse an Lehrstellen im kaufmännischen Bereich, im Gesundheitswesen, in der Informatik und gewissen Branchen des Detailhandels – gerade bei Elektronik und Lifestyle – grösser ist als im Bereich Bau», sagt Yolanda Métrailler von der Berufsberatung ask in Rheinfelden.

Das liege teilweise daran, dass in der Baubranche schlicht viele Lehrstellen auf dem Markt seien. «Teilweise dürfte es aber auch daran liegen, dass in der Baubranche viele Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten. Sie wünschen sich für ihre Kinder einen Beruf mit mehr Prestige und empfehlen ihnen eine Lehre in einem anderen Bereich. Dieser Effekt ist feststellbar», sagt Métrailler.

Beim Laufenburger Bauunternehmen Erne bestätigt man, dass es eine Herausforderung sei, sämtliche Lehrstellen zu besetzen. «Wir müssen Werbung machen und selber aktiv sein. Von alleine geht es nicht», sagt Marketing-Managerin Lydia Diesslin.

Die Perspektiven als Argument

Besonders von der Flaute betroffen ist der Maurer-Beruf. Neun Lehrstellen sind laut kantonalem Nachweis zu Lehrbeginn im Fricktal unbesetzt – und das trotz einem verhältnismässig hohen Lohn während der Ausbildung. Gemäss den vom Kanton Aargau publizierten «Lohnempfehlungen der Organisationen der Arbeitswelt» sollte der Lohn eines Maurer-Lehrlings im ersten Lehrjahr bei 930 Franken liegen. Das ist deutlich mehr als beispielsweise bei Informatikern (600 bis 650 Franken), im kaufmännischen Bereich (600 bis 650 Franken) oder in der Betreuung (700 Franken).

«Der Lohn eines Maurer-Lehrlings zieht als Argument schon», sagt Berufsberaterin Yolanda Métrailler. «Aber die Jugendlichen wissen auch um andere Argumente – etwa, dass Maurer bei Kälte, Regen und Hitze draussen körperlich schwere Arbeit verrichten müssen. Der guten Entwicklungsperspektiven nach der Lehre sind sie sich vermutlich zu wenig bewusst.»

Die Werbung beim Bauunternehmen Erne zielt daher vor allem auf diese Perspektiven ab: «Eine Lehre als Maurer bedeutet nicht, dass ein Mitarbeiter für immer Maurer bleibt. Es gibt verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten», so Lydia Diesslin. Bei Erne etwa gebe es Maurer-Lehrlinge, die den Sprung zum Hochbaupolier geschafft haben.