Im Rahmen der Diskussionsreihe «Focus Fricktal» referierten in der Stadtbibliothek Rheinfelden Architekt Pierre de Meuron sowie der Facharzt für Psychotherapie und Psychiatrie Hanspeter Flury zum Thema «Bringt uns verdichtetes Bauen weiter – oder verbauen wir uns die Zukunft». Moderatorin Gaby Gerber führte dabei durch den Abend. Das Interesse dafür war gross. Pierre de Meuron setzt seit 40 Jahren mit seinen teils spektakulären, markanten Bauwerken weltweit Akzente. Er entwarf mit seinem Partner den Roche Tower in Basel, die Elbphilharmonie in Hamburg oder auch das Olympiastadion in Peking.

«Die intensive Bautätigkeit sorgt immer wieder für Diskussionen, die Bevölkerung ist stark gestiegen, ebenso wie die Mobilität», eröffnete Moderatorin Gerber den Abend. Der Kanton Aargau sei dabei einer der Kantone, in dem dieses Wachstum mit am stärksten ist. Wie also soll es mit dem Wachstum ohne einen Verlust an Lebensqualität weitergehen?

Architekt de Meuron erläuterte dazu seine Vorstellungen. Ganz wichtig seien stets Begegnungen mit den Menschen. Architekten dürften nie im Elfenbeinturm arbeiten. Gebäude sind für Menschen da, deshalb muss präsent sein, in welchem Umfeld sie von Menschen wahrgenommen und genutzt werden. Daraus entstehe eine hohe Verantwortung für anspruchsvolles, durchdachtes Bauen. Raum und Zeit, Mensch und Umwelt, Stadt und Land, Funktionalität, Ästhetik und Natur stehen in direkter Wechselwirkung.

Ideenreichtum ist gefragt

De Meuron beschrieb die Schweiz wie eine Persönlichkeit mit ihrer Baudichte, den Verkehrswegen und der Natur. Anhand des Verkehrsknotenpunktes Basel zeichnete er ausführlich ein Bild für einen unbedingt notwendigen, interdisziplinären Ansatz zwischen Architektur und Politik. Als multinationaler Verkehrsknotenpunkt müssen durch kluge Verdichtung des Verkehrs und städtebaulichen Ideenreichtum diese Anforderungen vereint werden. Und das, so seine Aussage, sei durchaus möglich.

Auf die Frage eines Besuchers, was er in diesem Spannungsfeld unter verdichtetem Bauen verstehe, antwortete de Meuron: «Baue möglichst auf schon Gebautem, gehe sehr sorgsam mit der Natur um, schaffe öffentliche, ansprechende Begegnungsplätze.» Jedoch sagte er auch, dass verdichtetes Bauen nur eine Option sei. Für zukünftiges Bevölkerungswachstum reichen die verfügbaren Nutzungsreserven ohne Ausdehnung der Bauzonen aus. Im internationalen Vergleich stehe die Schweiz sehr gut da. Im Land leben zum Beispiel auf einem Quadratkilometer 200 Bewohner, in den Niederlanden sind es 408. In Zürich leben 70 Einwohner pro Hektar, in Paris 212.

Hanspeter Flury brachte zu diesem Thema die wichtigen gesundheitlichen Aspekte ein, unterstrich nachdrücklich die grosse Bedeutung von Umwelt und Natur. Er ging auf den Stressfaktor ein, der in einer Stadt hoch sein kann, zum Beispiel durch soziale Probleme, laute Umgebung, Einsamkeit. Darum sei es wichtig, menschen-und umweltgerecht zu bauen, überschaubar, sicher, beseelt und mit Zugang zur Natur. Dies sei auf alle Fälle in der Schweiz möglich durch wohldurchdachte Architektur und gute Politik.