Beim Thema Einfahrtsbremsen tritt Roger Fricker, Postauto- und Carchauffeur, verbal gehörig aufs Gaspedal. Es sei «hirnwütig», was da zum Teil an den Dorfeingängen gebaut werde, findet der Gemeindeammann von Oberhof und verweist als Negativbeispiel auf die Eingangspforten in Sisseln und Schupfart. Gerade am Sonntag sei er mit dem Postauto wieder einmal den Kurs durch Sisseln gefahren. «Ich musste auf 35 km/h abbremsen, damit die Passagiere auf den Sitzen nicht hin- und hergeschüttelt werden.» Das könne es nun wirklich nicht sein. «Mit diesen Einfahrtsbremsen werden wir Nutzfahrzeuglenker ausgebremst, nicht die Automobilisten», echauffiert sich Fricker.

Er findet, solche «baulichen Schikanen» gehören verboten. Eine Einfahrtsbremse müsse so ausgelegt sein, dass man sie auch mit dem Car mit 50 km/h durchfahren könne – «ohne dass die Passagiere durchgeschüttelt werden». So aber müsse er den Bus stark abbremsen, um ihn danach wieder auf 50 km/h zu beschleunigen. «Das ist auch aus Umweltschutzgründen nun wirklich ein Witz.»

Kein Witz findet Rainer Schaub, Gemeindeammann von Sisseln, die Eingangspforte am östlichen Dorfeingang. Sie wurde auf Wunsch der Gemeinde 2011, als die Kantonsstrasse K 293 zwischen Kreisel Hardwald und dem Dorfeingang von Sisseln saniert wurde, eingebaut. Die Gemeinde hat auch die Kosten von rund 100'000 Franken übernommen.

Den Ärger von Fricker und anderen Chauffeuren kann Schaub zwar nachvollziehen, sagt aber: «Das Ziel der Eingangspforte ist es ja gerade, das Tempo beim Dorfeingang zu drosseln – und dieses Ziel haben wir erreicht.» Er ist denn auch «zufrieden mit der Wirkung» der Einfahrtsbremse. Früher, so erinnert sich Schaub, hätten viele Automobilisten ihr Fahrzeug einfach ausrollen lassen und die Dorfeinfahrt zum Teil deutlich schneller als mit 50 km/h passiert. «Gerade auch Nutzfahrzeuglenker waren bei uns das Problem.»

Verstärkt wurde die Problematik dadurch, dass die Strecke zwischen Kreisel und Sisseln «schon etwas einer Autobahn» gleicht. Sprich: Viele Fahrzeuge fuhren mit 80 km/h bis ans Dorf heran – und näherten sich den 50 km/h nur gemächlich. Dieses Ausrollenlassen sei auch deshalb heikel gewesen, weil kurz nach dem Dorfeingang eine sensitive Kreuzung komme, die auch Schulkinder benützen.

Abbremsen in Kauf nehmen

Rückmeldungen bekommt Schaub heute keine mehr. Am Anfang habe es die eine oder andere gegeben – positiver Natur. «Die Einwohner waren froh, dass etwas unternommen worden ist.» Auch beim Kanton gibt es laut Kai Schnetzler, Sektionsleiter Verkehrssicherheit im Baudepartement, zu den Eingangspforten nur wenige Rückmeldungen aus der Bevölkerung. «Direktanstösser nehmen die Massnahme sehr gut auf, weil sich die tieferen Fahrgeschwindigkeiten innerorts positiv auswirken», sagt Schnetzler. Bei Fahrzeuglenkenden von Schwerverkehr und Landwirtschaft gebe es natürlich auch kritische Stimmen, weil es sich für grosse Fahrzeuge um ein bauliches Engnis handle, das präzise durchfahren werden müsse. «Wir führen jedoch mit dem schweizerischen Nutzfahrzeugverband regelmässig Gespräche und können uns über allfällige Schwierigkeiten austauschen.»

Bei der Frage, ob Eingangspforten, wie sie in Sisseln oder Schupfart anzutreffen sind, nicht zu stark ausgefallen seien, verweist Schnetzler darauf, dass bei einem kleineren Anteil der Verkehrsteilnehmer deutlich überhöhte Geschwindigkeiten feststellbar seien. Hauptsächlich seien diese bei Personenwagen zu verzeichnen. «Um diesen Fahrzeuglenkenden eine angemessene Geschwindigkeit aufzuzwingen, müssen die Eingangstore entsprechend stark ablenkend ausgebildet werden», hält Schnetzler fest. Nur so könne das Ziel einer angepassten Geschwindigkeit aller Verkehrsteilnehmer erreicht werden. Der Schwerverkehr, inklusive Bus, mache insgesamt nur einen kleinen Anteil des Gesamtverkehrs aus. «Zugunsten einer angemessenen Geschwindigkeit wurde die Konsequenz einer deutlich tieferen Fahrgeschwindigkeit für den Schwerverkehr abgewogen», so Schnetzler.

Rainer Schaub würde die Einfahrtsbremse heute wieder so bauen – sie allenfalls aber noch etwas näher ans Baugebiet heranrücken. «Jetzt gibt es einige, die nach der Pforte nochmals beschleunigen.» Mit der Pforte in Sisseln ist man auch beim Kanton zufrieden. «Aufgrund der Anlage gehen wir von einer klaren Geschwindigkeitsreduktion aus», sagt Schnetzler.

Gegen vorzeitiges Beschleunigen

Auch anderenorts im Fricktal sind in den letzten Jahren Einfahrtsbremsen entstanden. In Mumpf etwa bremst eine begrünte Mittelinsel den Verkehr, in Hornussen der Kreisverkehrsplatz und in Möhlin eine Baumbepflanzung neben der Strasse.

Zwei ähnliche Eingangspforten wie in Sisseln bekommt Schupfart. Hier sind es allerdings nicht nur Einfahrts-, sondern gleichzeitig auch Ausfahrtsbremsen. Die eine Doppelpforte, jene beim Dorfeingang von Eiken her, ist bereits erstellt; die andere, jene von Wegenstetten her, ist im Bau. Auch im Fall von Schupfart wurden die Pforten auf Wunsch der Gemeinde erstellt – und werden auch von ihr bezahlt. Für beide Pforten holte sich der Gemeinderat 2015 beim Souverän einen Kredit von 173'000 Franken.

Gemeindeammann René Heiz ist mit den bisherigen Erfahrungen mit der ersten Eingangspforte zufrieden. «Die Wirkung gibt uns recht», sagt er. Zum einen hätten früher etliche Fahrzeuge, die dorfauswärts fuhren, noch im Dorf beschleunigt. «Das fällt nun weg.» Zum anderen bewirke die Pforte auch, dass man das Fahrzeug dorfeinwärts nicht einfach ausrollen lasse. Das war früher anders, wie der Gemeinderat 2015 in der Botschaft an die Stimmberechtigten beim Einholen des Kredites schrieb. «Durch das starke Gefälle zum Dorfzentrum wird auch oft unbeabsichtigt mit erhöhter Geschwindigkeit die Dorfeinfahrt passiert – man lässt das Fahrzeug ausrollen.» Jetzt hat es sich ausgerollt.