Einst, als die «Tagesschau» noch in Schwarzweiss über den Bildschirm flackerte, war schon das Eintreffen mit der Tierparade durch das Dorf das Ereignis des Jahres. Heute ist der Zirkus nur noch ein Angebot unter vielen anderen. Dies spürt auch der Circus Nock, der nächstes Jahr sein 160-Jahr-Jubiläum feiert. «Die vergangene Saison war schwer für uns», sagt Zirkusdirektorin Franziska Nock.

Der Trend der rückläufigen Besucherzahlen konnte nicht gestoppt werden. Nachdem der älteste Zirkus der Schweiz in der Saison 2017 einen Rückgang der Besucherzahlen von rund fünf Prozent verzeichnen musste, suchten in der vergangenen Saison abermals fünf Prozent an Besuchern weniger das Chapiteau auf.

«Es ist schwierig geworden, die Leute für Zirkus zu begeistern»: die Nock-Chefinnen im Interview

«Es ist schwierig geworden, die Leute für Zirkus zu begeistern»: die Nock-Chefinnen im Interview

Die Schwestern Alexandra und Franziska Nock leiten gemeinsam den Zirkus Nock. Im SommerTalk mit Luca Laube sprachen sie über Herausforderungen im Zirkusalltag. (Video am 27. Juli 2018 veröffentlicht)

Dies und die Suche nach neuen Ideen für die Jubiläums-Tournee 2020, die bei einer breiteren Masse wieder die Lust am Zirkus wecken soll, hat Konsequenzen für die Saison 2019. «Wir werden unsere kommende Tournee leider verkürzen müssen», sagt Franziska Nock. «Wir bitten unsere Fans und langjährigen Supporter um Verständnis.» Dauerte die Tournee in der Vergangenheit für gewöhnlich von März bis November an, so wird der Circus Nock in diesem Jahr nur von Juni bis Oktober mit seinen Artisten und Tieren die Schweiz bereisen.

«Wir konzentrieren uns bei unseren Tournee-Orten auf unseren Heimatkanton Aargau, angrenzende Orte sowie das Engadin, in dem wir liebevoll als ‹Engadiner Nationalzirkus› bezeichnet werden», sagt Franziska Nock. Bisherige Auftrittsorte in der West- und Innerschweiz sowie im Tessin werden nur in diesem Jahr nicht bereist.

Verkürzung nur vorübergehend

Der Entscheid, die Tournee um vier Monate zu verkürzen, sei ihr nicht besonders schwergefallen, so Franziska Nock. «Wir machen dies, weil wir einfach die finanziellen und zeitlichen Ressourcen brauchen, um für die Jubiläumstournee ein hochkarätiges Programm auf die Beine zu stellen.» Zudem – als positiver Nebeneffekt – tue es nach all den Jahren auch mal gut, sich ein wenig länger ausruhen zu können.

Doch bereits im Jubiläumsjahr 2020 wolle man wieder die regulären acht Monate auf Tournee gehen, sagt Franziska Nock. Erst für das Jahr 2021 sind weitere Veränderungen hinsichtlich des Terminkalenders angedacht. «Denkbar wäre es, im Sommer eine vierwöchige Pause während der Tournee einzulegen.»

Franziska Nock probt mit ihren Pferden.

Franziska Nock probt mit ihren Pferden.

Video am 9. März 2018 veröffentlicht.

Diese Überlegung findet vor dem Hintergrund statt, dass gerade die vielen heissen Nachmittage im letzten und vorletzten Sommer die Besucher vom Zirkuszelt ferngehalten haben. «Das ist schade, wenn man die Manege betritt und auf leere Ränge blickt. Es tut auch ein wenig weh, schliesslich stecken wir viel Arbeit und Herzblut in die Zusammenstellung unserer Show», so Franziska Nock. Sie betont dies auch, weil der Circus Nock im letzten Jahr vom Kanton 70'000 Franken aus dem Swisslos-Fonds erhielt – Geld, das ausschliesslich für die Zusammenstellung des damaligen Programmes der Show «bravo bravissimo» investiert wurde.

Die Tradition verpflichtet

Franziska Nock, die zusammen mit ihrer Schwester Alexandra in siebter Generation an der Spitze des ältesten Zirkus der Schweiz steht, kann nicht verhehlen, dass sie zuweilen den Druck verspürt, das Familienunternehmen erfolgreich durch das nächste Jahrzehnt zu führen. Einen Zweifel daran, dass ihr das gelingt, hat sie jedoch nicht: «Der Circus Nock wird auch in zehn Jahren als kulturelle Institution sein Publikum begeistern, wenn vielleicht auch in anderer Form», ist sie sich sicher.

Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich mit Franziska und Alexandra Nock vom Sommer 2018 in voller Länge:

Familienunternehmen Circus Nock

Familienunternehmen Circus Nock

Gemeinsam leiten Franziska und Alexandra Nock den ältesten Zirkus der Schweiz. Doch das Klima ist rauer geworden: Die Platzgebühren werden teurer, die Zuschauer bleiben aus.