Es sind zum Teil grosse Fussabdrücke, welche die Fricktaler Ammänner, die Ende Jahr abtraten, hinterlassen haben. In Zuzgen etwa, wo Heinz Kim 16 Jahre lang dafür sorgte, dass die Kirche im Dorf bleibt.

Das Dorf sei gut aufgestellt, sagte Kim beim Abschiedsspaziergang. «Was kommen wird, ist die Wasserversorgung.» Sie sei 60 Jahre alt und müsse sukzessive erneuert werden. Dies sieht auch Daniel Hollinger so.

Er ist Kims Nachfolger und amtet seit Anfang Jahr als Ammann im 900-Seelen-Dorf. Seine Bilanz nach den ersten 100 Tagen fällt – wie bei allen acht Fricktaler Ammännern, die ihr Amt Anfang Jahr frisch angetreten haben – positiv aus.

Herr Hollinger, welche Bilanz ziehen Sie nach 100 Tagen?

Daniel Hollinger: Es war eine kurze, aber bereits intensive Zeit. Viele laufende Aufgaben mussten aufgrund der neuen Ressortverteilung übergeben oder übernommen werden. Einige Problemfelder waren bekannt, andere kamen unvorhergesehen neu dazu. Ich habe den Zeitaufwand etwas unterschätzt, ziehe jedoch bis heute eine positive Bilanz.

Sie haben also noch nicht genug und bereuen Ihren Entscheid, kandidiert zu haben?

Nein. Nach nur 100 Tagen wäre dies ein Zeichen dafür, dass der Entscheid zu kandidieren, unüberlegt war.

Der Gemeinderat muss als Kollegium zusammenwachsen, um optimal zu agieren. Wie weit ist dieser Prozess?

Dieser Prozess ist gut fortgeschritten und wir verstehen uns bereits sehr gut. Die neuen Gemeinderäte haben sich sehr gut ins Kollegium integriert.

Wie führen Sie?

Ich pflege einen zielgerichteten, kollegialen Führungsstil. Die Gemeinderatsmitglieder wie auch die Gemeindeschreiberin und die Leiterin Finanzen sollen sich zu Themen äussern können. Wichtig ist dabei, dass wir die Zielrichtung nicht verlieren.

Was hat Sie in den ersten 100 Tagen im Amt am meisten überrascht?

Als Gemeinderat bekommt man zwar einiges mit, was in der Verwaltung abläuft, aber nun als Gemeindeammann sehe ich praktisch alle Tätigkeiten. Die Fülle dieser Arbeiten und Aufgaben hat mich doch ein wenig überrascht.

Was war der grosse Aufsteller in den ersten drei Monaten?

Dass wir im Kollegium zusammen mit der Verwaltung bestens harmonieren.

Was haben Sie so nicht erwartet?

Die Fülle der Aufgaben und Tätigkeiten.

Wie wurden Sie im Dorf als neuer Gemeindeammann aufgenommen?

Bis heute habe ich nur positive Glückwünsche erhalten, aber es sind ja auch erst 100 Tage seit Amtsbeginn.

Viele langjährige Ammänner sagen, der Respekt vor Amtspersonen lasse zu wünschen übrig. Haben Sie diese Erfahrung auch bereits gemacht?

Nein.

Gab es schon negative Erlebnisse?

Die eine oder andere kritische Äusserung oder Frage kam schon auf mich zu. Da diese sachbezogen waren, nahm ich sie als konstruktive Kritik auf. Aber negative Erlebnisse – nein.

Sie werden auch mit schwierigen und aufbrausenden Mitbürgern umzugehen haben. Was ist Ihr (Geheim-)Rezept?

Wenn ich ein Geheimrezept hätte, würde ich es nicht verraten, es wäre ja dann nicht mehr geheim. Als Rezept würde ich eher bezeichnen, dass ich versuche, die Dinge aus der Sicht der anderen zu sehen, um mich so besser in ihre Lage zu versetzen, und das nötige Verständnis aufbringe.

Mit dem Innenblick der ersten 100 Tage: Wie ist Ihre Gemeinde aufgestellt?

Die Gemeinde Zuzgen ist gut aufgestellt. Natürlich kämpfen wir wie alle kleineren Gemeinden mit den Finanzen. In den nächsten Jahren warten einige Projekte auf uns, die wir angehen möchten.

Wo orten Sie den grössten Handlungsbedarf?

In der Erneuerung der Infrastrukturanlagen; die Wasserleitungen sind 60 Jahre alt.

Was sagen Sie einem potenziellen Zuzüger, der Sie fragt: Was hebt Ihre Gemeinde von anderen ab, weshalb soll ich in Ihre Gemeinde ziehen?

Wenn ich mit Einwohner von Zuzgen rede, dann ist es ihnen hier sehr wohl. Gute öffentliche Verkehrsanbindung, Einkaufsmöglichkeit, viele kulturelle Anlässe, Vereine und vor allem eine intakte Natur. In Zuzgen lässt es sich gut leben, wir schätzen einander und haben Respekt vor einander. In Zuzgen ist man jederzeit willkommen.