Da ging die Post genauso ab wie bei seiner Musik und seinen Gigs: Der Artikel, dass Deep-Purple-Bassist Roger Glover mit seiner Familie im Fricktal lebt, riefen innert Stunden über 40'000 az-Leser auf. Sie erfuhren, dass der begnadete Musiker mit seiner Freundin und den beiden Kindern, 5 und 7, bereits seit acht Jahren im Fricktal lebt – und dies weitgehend inkognito. Genau dies sei, so der 71-Jährige, ein Grund, weshalb er gerne hier lebe. «Ich bin froh, dass ich in einer Gemeinde als normaler Bürger leben kann», sagte er zur az.

So sind wir Fricktaler eben! Unvoreingenommen, offen selbst gegenüber Jetset-, Cervelat- und anderen Promis. Gut, bisweilen mögen wir etwas unterkühlt und distanziert wirken. Auf jeden Fall aber respektieren wir die Privatsphäre und bekommen keine Kreisch- und Herz-Anfälle, wenn wir einen Prominenten oder einen Ich-möcht-so-gerne-prominent-sein-Boy sichten. Wenn da die «Weltwoche» im letzten Jahr zum Wohnort von Roger Glover schrieb, «das Aargauer Dorf mit seinen rund 5000 Einwohnern ist bislang nicht bekannt für seine Prominentendichte», rufen wir zurück: Aber sicher doch! Nur schweigen und geniessen wir. In der Regel. Heute machen wir eine Ausnahme und präsentieren die Fricktaler Promis im Schnelldurchlauf.

Dasselbe Dorf, in dem Glover «das Landleben geniesst», kürte auch Mundart-Pop-Barde Baschi mit seiner damaligen Partnerin Katy Winter zu seiner Rückzugs-Oase. Seit die Beziehung mit Katy Winter 2013 auseinanderging, wurde der 30-Jährige kaum mehr im Fricktal gesichtet – bis vor einigen Monaten. Nun habe er im unteren Fricktal ein Atelier gemietet, wo er seine Hits schreibe, berichten mehrere Quellen. Man kann auch sagen: Die Musik «bringt en hei» ins Fricktal.

Auf Inkognito bedacht wie Baschi, Glover oder auch Ex-Mister-Schweiz Adel Abdel-Latif, den «die Fricktaler Natur inspiriert», sind längst nicht alle Promis. FCB-Star Luca Zuffi spricht offen über seinen Wohnort Rheinfelden – und postet auf Facebook und Twitter immer wieder Bilder aus seiner Wahlheimat. Vom Dinner im «Feldschlösschen» etwa oder vom «Afternoon walk in Rheinfelden» mit seiner Freundin. Hier gleich noch ein Tipp für alle Promi-Aspiranten: Ab und zu einen Tweet auf Englisch absetzen zeigt den Mann von Welt. Aber Achtung: Das Englisch sollte makellos und nicht von Google-Translate sein.

Xherdan Shaqiri kauft Wohnungen

Gerade im unteren Fricktal versenken FCB-Spieler den Wohn-Ball immer wieder gerne. Aktuell wohnt Michael Lang in der Region und tut dies äusserst steuergünstig. Im selben Dorf wohnte Xherdan Shaqiri, als er in Rot-Blau auflief. Der 26-jährige Ausnahmekönner kickt heute in England; in Kaiseraugst besitzt er nach wie vor zwei Wohnungen, in denen Familienangehörige leben.

Die Steuern sind ein zweiter Grund, weshalb es prominente Zeitgenossen ins Fricktal zieht. Läckerli-Huus-Chefin Miriam Blocher lebt mit ihrer Familie in Rheinfelden und gestand der «Basler Zeitung» einmal: «Ich wohne gerne etwas abseits und im Grünen, und ganz ehrlich ist es auch ein bisschen eine Steuerfrage.» Die 42-jährige Unternehmerin und Tochter von SVP-Übervater Christoph Blocher geht sehr offen mit ihrem Wohnort um; man findet sie im Telefonbuch. Dass dies auch ärgerlich sein kann, erlebte Blocher im Sommer 2015: Da stand unvermittelt ein JusoTrüpplein vor ihrer Wohnungstüre und wollte ihr einen übergrossen Einzahlungsschein übergeben – eine PR-Aktion für eine Volksinitiative der Juso. «Zuerst schien sie sehr sympathisch», schrieb Co-Präsidentin Mia Gujer nach erfolgter Klingelei. «Doch als ich mich vorstellte, machte sie schnell kehrt und blockierte unfreundlich ab.»

Sol Gabetta richtet gross an

Wie Sol Gabetta die Jungsozialisten empfangen würde, nur vermuten kann man es: mit einem virtuosen Cello-Solo. Die 35-jährige Musikerin lebt in Olsberg, wenn sie denn nicht gerade auf Welttour ist. Schon das eine oder andere Mal tönte sie in Interviews an, dass sie ein «wunderbares Haus» habe, es aber viel zu wenig geniessen könne. Dafür hat sie im kleinen Olsberg etwas ganz Grosses geschaffen: Das SolsbergFestival, an dem Jahr für Jahr die Crème de la Crème der Klassikmusik auftritt.

Einen leisen Auftritt pflegt Bernhard Burgener, Filmvermarkter und designierter FC -Basel-Präsident. «Kaufmann» steht bei seinem Telefonbucheintrag in Zeiningen. Wer dann nach Zeiningen fährt und vor seinem Anwesen steht, denkt: Puh!

Ähnliche Geräusche mag Otto Normalverbraucher absondern, wenn er das Bilanz-Ranking «Die 300 Reichsten» liest. Auf Platz 282 taucht hier Hubertine Underberg Ruder auf, die mit ihrer Familie im Fricktal lebt. Ihr Unternehmen ist bekannt für den legendären Kräuterbitter. Bitterer Ernst ist es der Familie mit dem Fricktal: Sie engagiert sich ausgesprochen stark in der Wohngemeinde.

Gelandet ist vor vielen Jahren auch Ex-Crossair- und Ex-Swiss-CEO André Dosé in Münchwilen; er sass eine Zeit lang sogar in der Finanzkommission.

Anflug auf das Fricktal. Was macht den Reiz aus? Die schönen Wohnlagen, die moderaten Steuern, die Natur, die Nähe zu Basel und Zürich mit ihren Flughäfen, klar. Aber vor allem: Sonne pur. Denn wenn vielerorts der Nebel auf die Psyche drückt, sonnen wir uns im Leben. Man sieht sich. Im Fricktal.