Anfang Jahr hat der Kanton Aargau eine grosse Zählung durchgeführt: Freiwillige Helfer von Naturschutzvereinen und Jagd untersuchten in ihren Zuständigkeitsgebieten bis Ende März die Bibervorkommen.

Eine Auswertung der Zählung liegt noch nicht vor. In der Tendenz geht Andres Beck, Biberbeauftragter des Kantons, allerdings davon aus, dass sich die Bestände gegenüber der letzten Zählung von 2013 nicht gross verändert hätten. Das hat einen einfachen Grund: «Die besten Reviere sind bereits seit Jahren besetzt», sagt Beck. Der Biber weicht daher auf weniger ideale Gebiete auf – etwa kleinere Bäche.

«Eine dauerhafte Besiedelung ist dort allerdings kaum möglich», so Beck. Ein aktuelles Beispiel ist der Möhlinbach. Noch im Herbst zeigten Spuren an Bäumen in Ufernähe, dass ein Tier bis nach Zuzgen vorgedrungen war.

«Beim Monitoring nun waren aber keine Anzeichen mehr zu sehen», sagt Beck. Dafür gebe es wohl Reviere an der Sissle und am Etzgerbach im Mettauertal. In den neuen Revieren sorgen die Nager ab und zu für Probleme. So können Biberdämme zu Rückstaus in Entwässerungssystemen oder zur Vernässung von Kulturland führen.

Auch Frassschäden in Kulturland und Wald kommen vor. «Aktuell ist es im Fricktal aber relativ ruhig», sagt Christian Tesini von der kantonalen Abteilung Jagd und Fischerei. Lediglich in Frick und eben am Möhlinbach seien Frassschäden in einigen Privatgärten bekannt.

Grosse Schäden im Wald

Deutliche Spuren haben die Nager hingegen im Gebiet um den Schlossplatz am Möhliner Rheinufer hinterlassen. Der Forst in Möhlin und Wallbach gehört seit Jahren zu den Fricktaler Hotspots, was Biberschäden angeht.

Revierförster Urs Steck hat allein in diesem Winter gegen 30 Bäume gezählt, die vom Biber gefällt oder derart angenagt wurden, dass sie absterben. «Im Winter ernähren sich die Biber von Baumrinde», sagt Steck.

Ausserdem versuchen sie, Platz für Pflanzen zu schaffen, die sie als Nahrung bevorzugen. Im Forst machen die Nager das – zum Leid des Försters – auf Kosten von Wirtschaftswald. 2015 wurde hier daher ein sogenannter «Gewässerrandstreifen» erlassen.

50 Meter entlang dem Ufer soll der Biber uneingeschränkt nutzen und sich ein ideales Nahrungsangebot schaffen dürfen. In der Hoffnung, dass er andernorts die Bäume in Ruhe lässt. Nur zeigt sich drei Jahre später wenig Erfolg: «Der Biber nagt inzwischen mehrere hundert Meter vom Ufer entfernt an Bäumen», sagt Urs Steck.

Für die Vereinbarung gab es eine Abgeltung in der Höhe von 17 000 Franken. «Das reicht gerade, um beschädigte oder gefällte Bäume von den Waldwegen zu räumen», sagt Steck. Er plädiert für eine höhere Abgeltung.

Ein Anliegen, das auch Werner Körkel, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Wallbach, versteht. «Wollen wir den Biber wieder bei uns, müssen wir ihm seinen Lebensraum gewähren. Allenfalls gehört dazu auch, eine Abgeltung an die Waldeigentümer zu zahlen», sagt er.