Gestern vor genau einem Jahr ging in Herznach der Pedibus zum ersten Mal auf Tour. Doch dieser Bus fährt nicht, er geht. Die Erwachsenen, quasi die Chauffeure der Busse, holen die Primarschüler an den Pedibus-Haltestellen ab und begleiten sie über zwei Fussgängerstreifen – beim Volg und an der Kreuzung zur Burghaldenstrasse – über die stark befahrene Hauptstrasse. Der Begleitdienst soll nicht nur die Sicherheit der Kinder gewährleisten, die Kinder sollen auch lernen, später den Weg selbstständig zurückzulegen.

«Bei einigen Eltern bestand zunächst Skepsis gegenüber dem Projekt», sagt Schulleiterin Ruth Kohler. Dies auch, weil das Begleit-Konzept bisher vornehmlich in der Romandie und im Tessin praktiziert wird und Herznach die erste Fricktaler Gemeinde war, die den Pedibus eingeführt hat. «Doch mittlerweile hat sich das System etabliert», schiebt Kohler nach. Derzeit nutzen rund 30 Kinder den Pedibus – vornehmlich aus dem Kindergarten und den unteren Klassenstufen. «Aber auch einige ältere Kinder haben ihre Scham abgelegt und nutzen inzwischen das Angebot», sagt Kohler. Mit dem Pedibus sei die Sicherheit auf dem Schulweg klar erhöht worden.

Der Pedibus wird von Montag bis Freitag an den Vormittagen bei Schulbeginn durchgeführt. Zudem steht die Dienstleistung an zwei Nachmittagen zur Verfügung. Sieben Personen, welche die Polizei geschult hat, stehen derzeit im Einsatz. «Bisher ist noch nie eine Schicht ausgefallen», sagt Kohler. So stehen die Pedibus-Chauffeure in einer Whatsapp-Gruppe in Kontakt und suchen über diese bei Krankheit Ersatz.

Für einen Pedibus wird weniger Personal als für einen gewöhnlichen Lotsendienst benötigt. «Dies, weil man aufgrund der Mittelinseln zwei Lotsen pro Fussgängerstreifen benötigt», sagt Kohler. Dadurch profitiert auch die Gemeinde, deren Kasse geschont wird. «Hochgerechnet auf ein Jahr, betragen die Personalkosten für den Pedibus rund 6000 Franken, sagt Gemeindeschreiber Harry Wilhelm. Hinzu kämen noch Materialkosten von unter 100 Franken für die gelben Leuchtwesten.

Ursprünglich hat der Gemeinderat die Idee gehabt, einen herkömmlichen Lotsendienst einzuführen. Hierfür genehmigte der Souverän vor rund zweieinhalb Jahren einen Kredit von 18'000 Franken. Weil sich jedoch zu wenige Freiwillige meldeten, entschied man sich für die Pedibus-Lösung.

Trotz des Erfolgs des Projektes haben sich noch keine anderen Gemeinden aus dem Fricktal bei der Gemeindeverwaltung über den Begleitservice informiert, sagt Wilhelm.