Um kurz vor 13 Uhr fährt ein weisser Bus beim Bezirksgericht Laufenburg vor. Mehrere Beamte steigen aus, öffnen die Hecktüre - für den Brandstifter von Laufenburg. Er hatte im Januar 2018 den Gasthof Schützen angezündet. Als er die wartenden Journalisten entdeckt, hebt er seine Hände, zeigt in Handschellen das "Victory"-Zeichen. Auf die Frage eines Reporters, warum er den "Schützen" anzündete, antwortet er nicht, fragt stattdessen zurück: "Komme ich jetzt im Fernsehen?"

Der heute 24-jährige Schweizer hatte an jenem Montagmorgen im Januar 2018 gemeinsam mit einem Kollegen an einer Tankstelle einen 10-Liter-Kanister Benzin gekauft. Kurz nach 17 Uhr setzte er mit dem Benzin sein Zimmer in Brand – wissend, dass sich im Gasthof zu diesem Zeitpunkt mehrere Personen in ihrem Wohnungen aufhielten. Sechs Personen erlitten leichte Rauchgasvergiftungen, eine Frau musste mit einer schweren Rauchgasvergiftung ins Spital geflogen werden. 

Verdacht auf Brandstiftung

15.1.2017: Sieben Verletzte forderte der Brand in Laufenburg.

Mit Anschlag gedroht

Bereits am Freitag vor der Brandstiftung war der Angeklagte wegen renitenten Verhaltens bei einer regionalen Verwaltungsbehörde polizeilich weg-gewiesen worden. Daraufhin setzte er bei der Notrufzentrale einen anonymen Anruf ab. "Es wird Tote geben, es wird ein Mord geschehen, das Hotel Schützen wird in die Luft gesprengt", wird er in der Anklageschrift zitiert. Der Mann konnte vorübergehend festgenommen werden. Weil er aber glaubhaft darlegen konnte, den Anruf aus Frustration über einen Konflikt mit der lokalen Behörde abgesetzt zu haben und auch bei einer Durchsuchung der Wohnung nichts Verdächtiges gefunden werden konnte, wurde er wieder aus der Haft entlassen. 

Beachtliches Straftatendossier

Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht zeigt sich, dass der junge Mann auch neben der Brandstiftung ein beachtliches Straftatendossier aufzuweisen hat – wenn auch keine schwerwiegenden Delikte darunter sind. Unter anderem klaute er einem Nachbarn die Kreditkarte, in einem Laden ein Sandwich und Kopfhörer, anderenorts ein Velo, das er wenig später weiter verkaufte. 

Der Angeklagte einigte sich bereits vor der Verhandlung mit der Staatsanwaltschaft auf ein abgekürztes Verfahren sowie das Strafmass. Vor Gericht äussert er sich nicht weiter zu seinen Taten. Im Publikum sitzen auch Personen, die beim Brand verletzt wurden. Ihnen widmet er keinen Blick. Auf die Frage von Gerichtspräsident Beat Ackle, ob er vor der Urteilsverkündung noch etwas anzufügen habe, antwortet der Angeklagte ohne zu zögern: "Nein."

«Ich hatte Todesangst»: Stimmen zum Fall im Beitrag von «Tele M1»:

Prozess um Brandstifter von Laufenburg

Opfer erhalten Genugtuung

Das Gericht verurteilt den 24-Jährigen schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und zwei Monaten unbedingt, einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken sowie einer Busse in der Höhe von 500 Franken. Auf den Angeklagten kommen weiter Schadenersatzzahlungen in der Höhe von über 600'000 Franken zu. Drei beim Brand verletzten Personen spricht das Gericht ausserdem eine Genugtuung von 7000 Franken zu. 

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und der Beschuldigte in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen. Er wird noch diese Woche dorthin verlegt. Ackle sagt am Ende, es sei nun "der letzte Zwick an der Geisel". Die stationäre Massnahme sei eine letzte Chance für den Angeklagten, an sich zu arbeiten – auch wenn dies hart werde. "Aber wenn Sie die Chance nutzen, können Sie in absehbarer Zeit au eigenen Beinen stehen. Die Voraussetzungen für ein Leben ohne Kriminalität sind intakt", so Ackle.