Heute ist Halbzeit in der 100-Tage-Bilanz-Serie der AZ: Mit Barbara Fricker, Gemeindeammann in Wölflinswil, zieht der vierte der acht neuen Ammänner Bilanz. Fricker hat ihr Amt, wie eine Kollegin und sechs Kollegen, Anfang Jahr angetreten. Alle acht sind sich einig: Die erste Zeit war intensiv, aber spannend. Und: Den Entscheid, kandidiert zu haben, hat bislang keiner der neuen Ammänner bereut.

Frau Fricker, welche Bilanz ziehen Sie nach 100 Tagen?

Barbara Fricker: Eine durchweg positive Bilanz darf gezogen werden. Bunt und vielfältig waren die vergangenen 100 Tage.

Sie haben also noch nicht genug und bereuen Ihren Entscheid, kandidiert zu haben?

Nein, im Gegenteil! Unser Gemeinderatsteam packt die Herausforderungen mit Elan an.

Der Gemeinderat muss als Kollegium zusammenwachsen, um optimal zu agieren. Wie weit ist dieser Prozess?

Wir haben uns als Team gefunden und es macht Freude, miteinander zu arbeiten.

Wie führen Sie?

Der Mensch steht im Vordergrund, wichtig ist die Kultur des gegenseitigen Respekts. Die Führung wird der Situation entsprechend angepasst, grundsätzlich gilt ein kooperativer Führungsstil.

Was hat Sie in den ersten 100 Tagen im Amt am meisten überrascht?

Die aussergewöhnliche Vielfalt der Geschäfte.

Was war der grosse Aufsteller in den ersten drei Monaten?

Wie schnell unser neu zusammengesetztes Kollegium zu einem Team zusammengewachsen ist.

Wie wurden Sie im Dorf als neuer Gemeindeammann aufgenommen?

Aus meiner Wahrnehmung heraus bis jetzt gut, ich fühle mich akzeptiert.

Viele langjährige Gemeindeammänner sagen, der Respekt vor Amtspersonen lasse zu wünschen übrig. Haben Sie diese Erfahrung auch bereits gemacht?

Nein, mit respektlosem Verhalten bin ich in meinen drei Monaten als Frau Gemeindeammann noch nie konfrontiert worden.

Gab es schon negative Erlebnisse mit Mitbürgern?

Nein, negative Erlebnisse gab es ebenfalls keine. Ich hoffe und vertraue darauf, dass sich Einwohner, die nicht zufrieden sind, direkt an mich wenden. Auch bin ich der Überzeugung, dass der Ton die Musik macht.

Sie werden auch mit schwierigen und aufbrausenden Mitbürgern umzugehen haben. Was ist Ihr (Geheim-)Rezept?

Unterschiedliche Meinungen dürfen und sollen durchaus sein, aber die Faust im Sack sollte niemand machen müssen. Ich würde versuchen, unvoreingenommen, neutral zu sein und mit offenem Ohr und sachlichem Ton das Gespräch suchen – und auf diese Weise vielleicht sogar den Grund herausfinden, warum jemand unzufrieden ist.

Mit dem Innenblick der ersten 100 Tage: Wie ist Ihre Gemeinde aufgestellt?

Wir sind grundsätzlich gut aufgestellt. Der Gemeinderat hat sich den verschiedenen Aufgaben – bekannten und neuen – zu stellen. Eine Herausforderung ist der beengte finanzielle Spielraum.

Wo orten Sie den grössten Handlungsbedarf?

Ein wichtiges Ziel des Gemeinderates ist es, unsere Infrastruktur, zu der auch ein Schwimmbad gehört, gut zu pflegen und zu erhalten.

Was sagen Sie einem potenziellen Zuzüger, der Sie fragt: Was hebt Ihre Gemeinde von anderen ab, weshalb soll ich in Ihre Gemeinde ziehen?

Wölflinswil ist und bleibt ein lebendiges, dynamisches Dorf. Aktive Vereine bieten eine breite Palette an Freizeitbeschäftigungen. Interessierte Zuzüger sind schnell in unsere Dorfgemeinschaft integriert. Ruhe und Erholung suchende Menschen haben die Natur der im Jurapark Aargau gelegenen Gemeinde vor der Haustür. Nicht zuletzt ist man mit öV oder eigenem Auto in Kürze in den grossen Zentren.