Der Kanton Aargau führt in allen Kantonsteilen – ausser dem Fricktal – eine oder zwei Mittelschulen. Es handelt sich um die Alte Kantonsschule Aarau, die Neue Kantonsschule Aarau, die Kantonsschulen Baden, Wettingen, Wohlen und Zofingen. Mit Ausnahme der Kantonsschule Zofingen sind alle Schulen räumlich ausgelastet respektive überlastet.

Von insgesamt rund 6'000 im Aargau wohnhaften Mittelschülerinnen und -schülern besuchen derzeit rund 5'500 eine Kantonsschule im Aargau. Rund 500 Fricktaler Schülerinnen und Schüler besuchen heute ausserkantonale Mittelschulen in den beiden Basler Halbkantonen.

Nur ein kleinerer Teil, primär aus dem oberen Fricktal, besucht die Kantonsschulen in Aarau, Baden oder Wettingen. Die interkantonale Zusammenarbeit funktioniert gut und hat sich in der Praxis bewährt, schreiben die Kantone Aargau und beide Basel in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Allerdings stehen der Aargau und die Partnerkantone vor grossen demografischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, welche auch das Mittelschulangebot betreffen.

Einzugsgebiete der Aargauer Mittelschulen

Einzugsgebiete der Aargauer Mittelschulen

So wird die Anzahl Mittelschülerinnen und Mittelschüler aufgrund der Bevölkerungsentwicklung zwischen 2020 und 2040 um rund 20 Prozent wachsen. Aufgrund dieser Ausgangslage ist für den Aargauer Regierungsrat der richtige Zeitpunkt gekommen, um die Ausgestaltung der künftigen Mittelschullandschaft im Aargau an die Hand zu nehmen und insbesondere die Situation im Fricktal unter Einbezug der Nachbarkantone zu überdenken.

Die Frage nach einer Mittelschule im Fricktal ist nicht neu: Bereits 1975 wurde Stein als Standort für eine Mittelschule im Fricktal vom Grossen Rat festgelegt und 1981 im Schulgesetz aufgenommen. Lange war das Schülerinnen- und Schülerpotenzial aber nicht gegeben. Zudem konnte mit den Basler Halbkantonen eine gute Lösung gefunden werden. Nun stellt sich die Frage neu, ob im Fricktal eine Tagesmittelschule eröffnet werden soll. Die am 29. September 1968 vom Aargauer Stimmvolk abgesegnete Mittelschulkonzeption würde damit fertig umgesetzt und die bestehenden Tagesmittelschulen im Aargauer Mittelland könnten leicht entlastet werden.

Auch der Kanton Baselland plant langfristig

Auch der Kanton Baselland beschäftigt sich mit Standortfragen. Er strebt im Zeitraum von rund zehn Jahren sowohl örtlich wie organisatorisch eine erhöhte Konzentration der Bildungsangebote an. Dabei spielt die Entwicklung der Anzahl Mittelschülerinnen und -schüler eine entscheidende Rolle. Sollte der Kanton Aargau eine Mittelschule im Fricktal aufbauen, entstünde eine veränderte Ausgangslage für die Mittelschullandschaft im Baselbiet. Eine bedarfsgerechte und langfristige Planung ist nur möglich in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Partnerkantonen.

Folgen für Basel-Stadt

Gegenwärtig besuchen knapp 150 Schülerinnen und Schüler aus dem Fricktal Mittelschulen im Kanton Basel-Stadt. Mit einem Mittelschulstandort im Fricktal ist davon auszugehen, dass diese Jugendlichen zukünftig nicht mehr an ein Basler Gymnasium oder an die Fachmaturitätsschule FMS gehen würden. In Anbetracht der auch in Basel-Stadt zu erwartenden steigenden Schülerzahlen entstünden dadurch voraussichtlich aber keine Überkapazitäten an Schulraum, zumal die Errichtung eines neuen Mittelschulstandorts mehrere Jahre Planungs- und Umsetzungszeit benötigt.

Engpässe im Aargauer Mittelschulsystem

In den letzten zehn Jahren ist die Schülerzahl an den Aargauer Tagesmittelschulen bei nahezu gleich bleibender Mittelschulquote insgesamt um 20 Prozent gewachsen. Die Folge waren Zumietungen von Schulräumen in Wettingen und Aarau sowie der Bau von Schulprovisorien in Baden und Wohlen. Einzig die Kantonsschule Zofingen ist nicht voll ausgelastet, da ihr Einzugsgebiet kleiner und weniger bevölkerungsstark ist.

Mit Blick auf die nächsten 25 Jahre akzentuieren sich die Engpässe im Aargauer Mittelschulsystem, und es zeigt sich ein weitreichender Handlungsbedarf für zusätzliche Tagesmittelschulen. Die Prognosedaten von Statistik Aargau und dem Bundesamt für Statistik für die Bevölkerungsgruppe der 15- bis 19-jährigen lassen aufgrund stärkerer Jahrgänge ab Beginn der 2020er Jahre einen stetigen Anstieg der Abteilungszahlen erwarten. Damit gibt es unabhängig von der Entwicklung im Fricktal auch im Aargauer Mittelland weiteren Raumbedarf, sei es an bestehenden Standorten oder an einem neu aufzubauenden Standort.

Planungsbericht bis Mitte 2019 verabschieden

Zuletzt wurden Mitte der 70er-Jahre in Wohlen, Wettingen, Aarau und Zofingen neue Kantonsschulen gegründet. Neue Vorhaben und insbesondere neue Standorte erfordern einen langen planerischen Prozess, der mit vielfältigen gesellschaftlichen, raumplanerischen und politischen Interessen abgeglichen werden muss. Deshalb ist es aus Sicht des Regierungsrats zwingend notwendig, die Gestaltung der Aargauer Mittelschullandschaft für die kommenden Generationen jetzt an die Hand zu nehmen. In einem Planungsbericht sollen die Entwicklungsabsichten für die Mittelschullandschaft im Kanton Aargau für die nächsten 25 Jahre aufgezeigt werden. Dieser soll bis Mitte 2019 vorliegen und dem Grossen Rat zu Beratung und Beschlussfassung unterbreitet werden