Sie sind manch einem Fricker ein Dorn im Auge – oder treffender: ein Baum zu viel vor Augen, wenn er durch den Gänsacker fährt. Seit die Strasse 2010 saniert und ausgebaut wurde, sorgen fünf mit Bäumen bepflanzte Ausbuchtungen dafür, dass der Verkehr «verlangsamt» und «beruhigt» durch das Quartier fährt, wie der Gemeinderat Sinn und Zweck der Baumpflanzungen 2009 in der Botschaft zur Gemeindeversammlung umschrieb.

Die Verkehrsberuhigungsmassnahme war nicht zuletzt der in jener Zeit landauf, landab grassierenden Tempo-30-Welle geschuldet. Auch in Frick hatte man bereits in mehreren Quartieren Erfahrungen mit Tempo 30 gemacht – gute, wie der Gemeinderat befand, und deshalb sollte auch das Gebiet Gäns-
acker/Rain zur Tempo-30-Zone werden.

Einen entsprechenden Antrag stellte der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung im Sommer 2012. Auf dem mitgelieferten Plan, der das ganze Gebiet von den Schulanlagen im Ebnet über den Rain und das Schwimmbad bis hin zum Gänsacker als rote Zone – sprich als Tempo-30-Gebiet – markierte, waren mehrere weitere solcher «situativen Einengungen» eingezeichnet.

Der Gemeinderat brachte die Tempo-30-Zone an der Gmeind zwar durch, doch umgehend machte ein Referendumskomitee Tempo gegen den Entscheid und sammelte über 500 Unterschriften. An der Urnenabstimmung im September 2012 wurde die Tempo-30-Zone dann mit 857 gegen 360 Stimmen klar bachab geschickt. Dies sei kein grundsätzliches Nein zu Tempo 30, sagten viele, die Nein stimmten, «wir wollen einfach keine Begleitmassnahmen mit Gestaltungselementen».

Drei Fahrstrategien

Zurück blieben die bereits realisierten Buchten am Gänsacker. Hier sind seither drei Fahrstrategien zu beobachten:

Der In-sich-Ruhende: Er nimmt es, wie es kommt. Er biegt im Kreisel in den Gänsacker ab, schaut, ob ein Auto entgegenkommt. Wenn nicht, zieht er die Fahrt durch; wenn schon, fährt er eben in eine der Buchten, was solls auch, einige Sekunden sind ja schliesslich nicht die Welt.

Der Ängstliche: Ihn erkennt man schon am Kreisel-Fahrstil. Er zieht seine Kreise langsam (man lese: laaaangsam), blinkt zu früh, bremst noch weiter ab, verlässt den Kreisel – und heftet seinen Blick gebannt an das andere Ende des 270 Meter langen Strassenabschnitts. Und wehe, wenn er an selbigem ein entgegenkommendes Auto ausmacht. Dann nimmt er die erstbeste Bucht, auch wenn es ihm noch längst in die nächste oder sogar übernächste Bucht gereicht hätte. «Sicher ist sicher», denkt er sich. «So etwas von unsicher», ärgert sich der Fahrer im Auto hinter ihm.

Der Gaspedal-Drücker: Dieser Typus befährt den Kreisel tendenziell eher rassig, biegt in den Gänsacker ein, blickt ans Strassenende, sieht kein Fahrzeug entgegenkommen, strahlt über das ganze Gesicht – und gibt so richtig Gummi, damit es ja in einem Zug bis zum Königsweg reicht. Ob er dabei stets das Tempolimit von 50 einhält, niemand weiss es so genau. Kommt ihm jedoch ein Fahrzeug entgegen, so sieht man, wenn man gerade zu Fuss dem Gänsacker entlang schlendert, wie sich seine Augen verengen und sich sein Mund unablässig und heftig bewegt. Verstehen, welche Worte er benutzt, möchte man gar nicht erst.

Zwei Buchten kommen weg

Nun aber kommt wohl alles etwas anders: Links und rechts der Strasse entstehen derzeit über 90 Wohnungen; die ersten werden Anfang Dezember bezogen. Das bringt gut 120 zusätzliche Fahrzeuge in den Gänsacker. Damit die Erschliessung der Einstellgaragen und der Parkplätze gewährleistet werden kann, muss die Gemeinde «voraussichtlich zwei» der Buchten wieder entfernen. Das bestätigt Bauverwalter Harri Widmer auf Anfrage.

Dass es immer wieder Opposition gegen die Einengungen gibt, weiss auch Widmer. Die Gemeinde hat deshalb eine Umfrage im Quartier gemacht. «Diese zeigt in differenziertes Bild», sagt Widmer. Neben skeptischen Stimmen gebe es auch eine Mehrheit, welche die verkehrsberuhigenden Massnahmen befürworten. Ganz zur Disposition stehen die Buchten deshalb nicht.

Und Tempo 30? «Auch das bleibt für den Gemeinderat unter dem Titel ‹Sicherheit für den Langsamverkehr› ein Thema», sagt Widmer. Ein aktuelles Projekt gebe es allerdings nicht.