Lisa Holer ist viel unterwegs dieser Tage. Mitte Februar ist sie von ihrem Auslandsemester in Göteborg in die Schweiz zurückgekehrt. Wenig später stand das Trainingslager mit dem Orientierungslauf-Nationalkader in Portugal auf dem Programm. Neun Tage lang feilte die 24-jährige Möhlinerin zusammen mit ihren Kader-Kolleginnen an der OL-Technik.

Heute Samstag ist sie dann nochmals ohne OL-Karte unterwegs: Am Kerzerslauf testet sie ihre Form ehe dann in einer Woche die Orientierungslauf-Saison mit der Nacht-OL-Schweizer Meisterschaft startet. «Die wichtige Phase beginnt dann für mich Anfang Mai», sagt Holer. Ab dann kann sie sich an nationalen Wettkämpfen für Weltcup-Selektionen empfehlen. «Dort kann ich in die Top-25 laufen», ordnet Holer ihr aktuelles Leistungsvermögen ein.

Erster OL mit acht Jahren

Bislang sei es in ihrer Karriere stetig aufwärtsgegangen, blickt Holer auf die letzten Jahre zurück. Angefangen hat diese in den Fricktaler Wäldern und – wie so oft im Orientierungslauf – durch familiäre Einflüsse. «Meine ganze Familie machte OL», sagt Lisa Holer. «Sie haben mich mitgenommen, ich habe es ausprobiert und dann selber weitergemacht.»

Im Alter von acht Jahren lief die Möhlinerin ihren ersten Orientierungslauf alleine. Mit 15 folgten erste Medaillen an Jugend-Europameisterschaften. Weiter ging es mit Einsätzen an internationalen Junioren-Titelkämpfen, an Weltcuprennen, Europa- und Weltmeisterschaften bei der Elite. Letztes Jahr erreichte sie an der Heim-EM im Tessin in der Langdistanz Rang 17. «Ich bin eine Athletin, die sich Schritt für Schritt der Weltspitze nähert», fasst sie ihre bisherige Karriere zusammen. Was noch fehle, sei der absolute Durchbruch. Es bleibe aber auch noch etwas Zeit, sagt Holer. «Orientierungslauf ist ein Ausdauersport. Viele Top-Athleten sind zwischen 27 und 35 Jahre alt.»

Zuversicht für die neue Saison

Um diesen möglicherweise schon in der bevorstehenden Saison zu schaffen, investiert Holer täglich rund zwei Stunden in Kraft- und Lauftrainings. In den Trainingslagern wird der Umfang dann jeweils noch gesteigert. Da gilt es, die Zeit gut einzuteilen, macht die 24-jährige Mathematikstudentin doch derzeit einen Master in Statistik. «Deshalb muss ich mich immer gut organisieren und meine Zeit gut einteilen», so Holer. Gerade im Frühjahrssemester ist dies – wegen vielen Absenzen für Trainingslager und Wettkämpfe – besonders schwierig. Im laufenden Semester wird sie etwa einen Drittel der Veranstaltungen verpassen. «Den Stoff muss ich dann natürlich selbstständig nachholen.»

Das letzte Semester hat Holer in Göteborg studiert und trainiert. Die Sprache ist für sie, dank ihrer Mutter, die Schwedin ist, kein Problem. Der Fokus habe dabei mehr auf dem Sport gelegen, gibt die Möhlinerin mit einem Lachen zu. Sie schwärmt vom höheren Stellenwert, den der OL-Sport in Skandinavien habe und davon, wie sie aufgenommen worden sei. «Ich konnte sehr viel profitieren», ist sie überzeugt. Und so geht sie zuversichtlich in die neue Saison, deren Höhepunkt die Weltmeisterschaften in Norwegen bilden. Im vergangenen Jahr verpasste Holer die Selektion. Dieses Jahr will sie wieder dabei sein.

Einfach zu erreichen, sei dieses Ziel jedoch nicht, nur drei Läuferinnen sind pro Nation und Rennen zugelassen. «In der Schweiz haben wir eine breite Spitze mit starken Athletinnen.» Holer hofft, dass sie sich mit ihrem Schweden-Semester einen kleinen Vorteil verschafft hat. Denn: Die Weltmeisterschaften und auch die nationalen Selektionsläufe finden in Norwegen statt. «In Skandinavien ist das Gelände anders als bei uns», erklärt Holer. «Das Relief ist feiner, es gibt weniger Wege. Man braucht ein gutes Gefühl fürs Gelände.»

Potenzial im läuferischen Bereich

Dieses habe sie nach ihren Schwedenaufenthalten – Holer besuchte 2010 bereits ein Jahr das Gymnasium in Eksjö –, ist die Möhlinerin überzeugt. Technisch sei sie sicherlich nicht schlecht, sagt sie. «Das grösste Verbesserungspotenzial habe ich noch im läuferischen Bereich.» Daneben arbeitet sie auch im mentalen Bereich an sich. «Früher hatte ich manchmal das Problem, dass ich in wichtigen Wettkämpfen meine Leistung nicht abrufen konnte», sagt sie. In der letzten Saison habe sich dies verbessert. «Ich erreichte meist mein normales Niveau.» Dieses will sie nun weiter anheben, um im August in den Wäldern Norwegens an den Weltmeisterschaften dabei zu sein. Und noch ein weiteres Ziel hat Holer im Kopf: «Der Weltcup-Final. Er findet dieses Jahr in China statt.»