Der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi hätte eigentlich allen Grund zur Freude. Die Stadt kann, einmal mehr, ein «erfreuliches Rechnungsergebnis» präsentieren. Das sagte Mazzi am Mittwoch an einer Medienkonferenz zur anstehenden Gemeindeversammlung vom 19. Juni. Am Ende des vergangenen Jahres resultierte in der Erfolgsrechnung ein Plus von 12,2 Millionen Franken. Selbst das «für unsere Verhältnisse hohe Investitionsvolumen» von fast 19 Millionen Franken habe komplett durch die Selbstfinanzierung gedeckt werden können, so Mazzi. Das Finanzierungsergebnis zeigt somit eine schwarze Null. Budgetiert war ein Minus von gut 20 Millionen Franken.

Die Hauptgründe für das gute Ergebnis liegen zum einen beim Steuerertrag, genauer: beim Steuerertrag von Firmen. Dieser stieg 2018 auf 8,8 Millionen Franken an – gegenüber dem Budget ist das eine Erhöhung um sagenhafte 88 Prozent. Dies, weil Nachzahlungen aus vergangenen Jahren eingetroffen seien und die Steuerrechnungen mehrerer Firmen nach oben angepasst hätten werden können, erklärte Jürg Gasser, Leiter der Abteilung Finanzen.

Zum anderen sorgen auch (noch) nicht umgesetzte Investitionen für das gute Ergebnis. So etwa beim Schulhaus Engerfeld, wo noch nicht alle Rechnungen eingetroffen und bezahlt sind. «Bei den tiefer ausgefallenen Investitionen handelt es sich nicht um Einsparungen, sondern um einen Übertrag in die Folgejahre», so Franco Mazzi.

Kredit für den Rheinsteg

Eine Aussage, in der auch ein Stück Hoffnung mitschwingt. Hoffnung nämlich, dass jenes Geld, das im Budget für den Bau des neuen Rheinstegs eingerechnet war, doch noch gebraucht wird. Über den Bau stimmt die Gemeindeversammlung im Juni erneut ab. Das Traktandum ist der Grund, weswegen Mazzis Freude wohl etwas getrübt ist.

Zur Erinnerung: Bei der Ausschreibung im vergangenen Jahr gingen nur zwei Angebote ein – und beide lagen deutlich über den veranschlagten und bewilligten Projektkosten. Deshalb muss die Stadt der Gemeindeversammlung nun einen Zusatzkredit in der Höhe von 3,2 Millionen Franken vorlegen. «Die Mehrkosten waren auch für mich im ersten Moment erschreckend», gab Mazzi am Mittwoch ehrlich zu. Trotzdem hofft er auf eine «knappe Mehrheit» für das Projekt.

«Fokus neu ausrichten»

Es gelte nun, den Fokus neu auszurichten, so Mazzi. Er verwies auf die Themen Freizeitgestaltung und Naherholung und auf die touristische Ausstrahlungskraft eines solchen Bauwerks, aber auch auf die mögliche Entwicklung im Bereich der Industrie auf deutscher Seite, auf die Elektrifizierung der Bahnlinie, auf Pendlerströme. «Wir müssen den Blick weg von den Mehrkosten und stattdessen auf den Nutzen des Projekts richten», so Mazzi. «Der Steg ist eine Chance für die Zukunft, auch für die langfristige Zukunft.»

Die Finanzlage – immerhin so viel Freude bereitet sie dem Ammann – erlaube diese «längerfristige Perspektive. «Wenn wir eine Gemeinde wären, die am Hungertuch nagt, wäre das anders», so Mazzi.