Eine ziemlich anspruchsvolle logistische Herausforderung ist es schon, zwei verheiratete Liebhaber sowie eine Alibi-Mama zeitlich derart geschickt zu koordinieren, dass keiner etwas vom anderen ahnt, sie sich niemals begegnen und stets in grosszügiger Spendierlaune bleiben.

So wie in der Komödie «Schlüssel für zwei» von John Chapman/Dave Freeman, die der Theaterverein Stein im Saalbau zur Aufführung brachte am Wochenende. Das Premierenpublikum amüsierte sich köstlich, applaudierte immer wieder auf offener Szene. Trockener englischer Humor, doppelbödiger Witz, hintersinnige Wortspielereien und herrlich brisante Situationen liessen die Zeit wie im Fluge vergehen. Nicht wirklich auszumachen an diesen Abend war, wer dabei den grösseren Spass hatte – die Zuschauer oder das gesamte Darstellerteam auf der Bühne. Lustvoll präsentierten sie dieses pikante Spektakel.

Um sich ihren Lebensstil auf hohem Niveau finanzieren zu können, hat die attraktive, geschiedene Harriet (Katrin Gisler) gleich zwei verheiratete, zahlungskräftige Liebhaber: Gordon (André Schnider), Besitzer einer Werbeagentur, und Alec (Markus Hofmann), Inhaber einer kleinen Fischereiflotte. Um den beiden ihren zeitlich strengen Besuchsplan plausibel zu machen, hat Harriet eine Mama erfunden, die viel präsent sei und hohe moralische Wertvorstellungen habe.

Geld geht vor Moral

Doch Harriet findet: Geld geht vor Moral und versteht es immer wieder hervorragend, ihre Bettgenossen zum Begleichen ihrer ausstehenden Rechnungen zu animieren. Dabei stört sie das Jammern der beiden Männer nicht im Geringsten, dass sie mehr Geld von ihnen bekäme, als ihre eigenen Ehefrauen. Unerwartet bekommt Harriet Besuch von ihrer schönen neuseeländischen Freundin Anne (Christel Wernli), die vor ihrem saufenden Ehemann Richard (Peter Dietwyler) davongelaufen ist.

Und dann kommt es doch zu dem, was eigentlich nie passieren sollte: Beide Liebhaber tauchen gleichzeitig auf. Gordon rutscht in der Wohnung von Harriet aus, verstaucht sich den Fuss, kann deshalb nicht zur Geburtstagsparty seiner Ehefrau Magda (Sabine Serschen). Annes rechtmässig angetrauter Mann erscheint, säuft wie gewohnt, macht Harriet unzweideutige Angebote. Anne, kein Kind von Traurigkeit, wirft ihre Anker in Richtung Gordon aus, was wiederum nicht auf Zustimmung bei Harriet stösst. Mildred (Claudia Rehmann) erscheint, will ihren Ehemann Alec heimholen.

Unter bewährter Regie

Wie dieses grandiose Durcheinander managen? Mit schlagfertigem Temperament und einer umwerfenden Mimik versuchen Harriet und Anne, das Chaos zu meistern.

In diesem Jahr begeisterte der Theaterverein Stein bereits zum 37. Mal sein Publikum, zum 26. Mal unter der Regie von Esther Ammann. Neu im Ensemble ist bei dieser Aufführung André Schnider als Gordon. Seine schauspielerischen Erfahrungen erwarb er sich bei den «Impronauten» in Basel.

Weitere Vorstellungen im Saalbau Stein: Freitag, 18. Januar, 20 Uhr; Samstag, 19. Januar, 20 Uhr; Sonntag, 20. Januar, 14 Uhr.