«Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten», sagte einst der deutsche Fussballtrainer Sepp Herberger. In Zeiningen dauerte am Dienstagabend nicht das Spiel 90 Minuten, sondern die Diskussion um die Sanierung des Fussballplatzes an der Gemeindeversammlung. Gemeinderat Ralf Wunderlin vertrat den traktandierten Bruttokredit von knapp 1,3 Millionen Franken und verwies auf die Vorgeschichte. «Bereits 2015 reichte der FC einen Antrag für die Sanierung des Platzes ein. Dieser wurde vom Gemeinderat zurückgestellt, um ein Gesamtkonzept zu erarbeiten», so Wunderlin.

Nun sei das Geschäft traktandiert, da vor einem Jahr ein Überweisungsantrag des Fussballclubs angenommen worden war. Der Platz, so Wunderlin weiter, sei 36 Jahre alt und entspreche «nicht mehr den Anforderungen für den Trainings- und Spielbetrieb». Landschaftsarchitektin Paula von Boletzky von der Wolf Hunziker AG, die sich mit dem Zeininger Fussballplatz beschäftigt hat, sagte es in der Diskussion so: «Die Ansprüche an einen Fussballplatz haben sich geändert. Der Platz entspricht nicht mehr dem heutigen Standard.»

Finanzielle Bedenken

Vizeammann und Finanz-Gemeinderat Fredy Studer gab einen Einblick in den vom neuen Gemeinderat überarbeiteten Finanzplan. Unter der Annahme, dass bis 2028 alle Investitionsanträge angenommen werden und sich Aufwand und Ertrag ähnlich verhalten wie 2017, steige die Netto-Schuld pro Einwohner bis 2028 bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 112 Prozent von derzeit 2837 auf 3634 Franken, so Studer. Bei einem Steuerfuss von 115 Prozent wären es noch 2925 Franken, bei 120 Prozent noch 1739 Franken rechnete Studer vor. Der Richtwert, der laut Kanton nicht überschritten werden sollte, liegt bei 2500 Franken.

Die Finanzen waren dann auch das Hauptargument der Gegner der Fussballplatzsanierung. Werner Gerber vom neu gegründeten Komitee für eine ausgewogene Finanzpolitik in Zeiningen griff Studers Zahlen in einer eigenen Präsentation auf. «Gemäss Kanton sind wir schon heute überschuldet», sagte er, dabei sollte man in der Hochkonjunktur für die Zukunft vorsorgen. Zusammen mit den geplanten Parkplätzen und dem Südzubringer (vgl. Box) kosteten die Projekte rund um den Fussballplatz drei Millionen Franken, rechnete er vor. «Viel Geld für einen 4.-Liga-Verein mit 20 Kadermitgliedern in einer Aktiv-Liga.»

Andere Votanten schlugen in die gleiche Kerbe. Werde das Geld jetzt in den Fussballplatz investiert, fehle es später für andere Projekte. Genannt wurden etwa der Kindergarten und insbesondere eine neue Mehrzweckhalle. Auch der «Bönigeischt», der jeweils an der Fasnacht als Schnitzelbank auftritt, kritisierte – verkleidet – das Sanierungsprojekt. Er bezeichnete den FC als «Jommeribuebe» und warf ihm Egoismus vor. Zudem appellierte er an die Versammlung, andere wichtige Interessen nicht zu vergessen.

Ein Votant stellte schliesslich einen Rückweisungsantrag. «Es ist ein gutes Projekt zum falschen Zeitpunkt», sagte er. Es liege derzeit finanziell nicht drin. Man solle das Projekt deshalb zurückweisen und wieder vorlegen, wenn die nahegelegene Bachbrücke erstellt ist. Zudem solle der Gemeinderat in seinem Finanzplan andere wichtige Projekte aufzeigen.

Eigenleistung des Fussballclubs

Der Auftritt des «Bönigeischts» brachte wiederum FC-Exponenten auf die Palme. «Wo sind wir denn hier, dass man unter der Larve solche Vorwürfe äussert», enervierte sich einer. Ein anderer sprach von einem «Affront». Zudem wiesen sie auf die schlechten Platzbedingungen hin. Ein bisschen Regen verwandle den Platz in eine Sumpfwiese. Anfang Woche etwa sei der Platz gesperrt gewesen. «Unsere Junioren spielen teilweise in Wallbach.» Bei einer Ablehnung sehe er schwarz für die Zukunft des Vereins mit seinen über 100 Junioren aus der ganzen Region.

Zu den Finanzen wiesen die Befürworter darauf hin, dass es sich bei den 1,3 Millionen um einen Brutto-Kredit handle. Der Swisslos-Sportfonds übernehme 250 000 Franken und der FC selber zahle 100 000 Franken an die Sanierung. Das sei viel Geld für den Verein und beweise, wie wichtig ihm das Anliegen sei, so ein Votant.

Ihre Argumente verfingen bei den 224 anwesenden von total 1585 Stimmberechtigten nicht. Der Rückweisungsantrag wurde mit 126 Ja- gegenüber 85 Nein-Stimmen angenommen.