Badeentchen und Duftkerzen von Yankee Candle. Das bietet Claudio Meier aus Rheinfelden seit eineinhalb Wochen an der Basler Herbstmesse feil. Er hat seinen Stand auf dem Petersplatz und ist einer von mehreren Fricktalern, die hier ihre Waren an den Mann und die Frau bringen – oder es zumindest versuchen. Denn bislang laufe das Geschäft eher mässig, sagt Meier. Man kann auch sagen: Bislang quietscht nur das Badeentchen, Meier selber ist es nicht zum Quietschen zumute.

Das erste Wochenende sei wettertechnisch für die Marktfahrer «eine Katastrophe» gewesen, blickt Meier zurück. Und die Wochenenden seien matchentscheidend. «Das zweite Wochenende lief zwar gut, aber jetzt, unter der Woche, läuft wieder recht wenig.» Es habe zwar viele Leute an der Messe, auch auf dem Petersplatz, «aber die kaufen nur zurückhaltend ein.» Meier lacht, trocken. «Mit vollgepackten Taschen sieht man hier leider kaum jemanden herumlaufen.»

Basler Herbstmesse 2018: Wie isst man... einen Chäsbängel

Basler Herbstmesse 2018: Wie isst man... einen Chäsbängel

Eine Equipe der bz Basel macht sich auf, das Mysterium des Chäsbängels zu ergründen, der in Basel Kultstatus erlangt hat. Seit 13 Jahren wird er von der Wirtschaft Zihlmann in Biel-Benken produziert und angeboten, seit 13 Jahren ergründen die Basler: Wie isst man dieses Ding ohne Sauerei?

Mit einem Tagesumsatz von rund 500 Franken muss Meier schauen, dass er finanziell rauskommt. «Der Umsatz sollte bei rund 1000 Franken am Tag liegen», sagt er. Mit einem Gewinn rechnet er deshalb «eher nicht». «Ich bin froh, wenn es am Schluss eine schwarze Null gibt.» Das trifft Meier doppelt hart, denn während der Messe ist sein Laden in Rheinfelden, das Cameleon, geschlossen. «Eine Aushilfe einzustellen, käme mich zu teuer.»

Weniger verkauft als letztes Jahr

Meier hat für über 10'000 Franken Kerzen und Badeentchen für die Messe eingekauft. «Auf einem rechten Teil der Ware werde ich wohl sitzen bleiben.» Er wird die Duftkerzen und Badeentchen zwar nach der Messe in seinem Laden in Rheinfelden weiter anbieten. «Doch hier habe ich natürlich nicht die gleiche Kundenfrequenz.»

Dass er weniger Waren verkauft, als auch schon, liegt laut Meier zum einen daran, dass seine Kerzen auch bei mehreren Händlern in der Stadt und in der Region erhältlich sind. Zum anderen spüre er die zunehmende Konkurrenz aus dem Internet. «Viele bestellen lieber online, wo sie rund um die Uhr einkaufen können.» Die einen bestellen im Internet, weil es bequem ist. Andere, weil es günstiger ist. Dritte, weil es angenehmer ist, sich die Ware liefern zu lassen als sie mit sich herumzuschleppen.

Die Zurückhaltung bei den Kunden bekommen auch andere Marktfahrer zu spüren. «Viele jammern, dass die Umsätze in diesem Jahr tiefer sind als in den Vorjahren», weiss Meier aus Gesprächen. Man habe es untereinander gut und treffe sich am Morgen vor der Messeöffnung zum Kaffee. Hier hört er oft den Satz: «Ob ich nächstes Jahr nochmals teilnehme, weiss ich nicht.» Meier spricht von «zehn bis zwölf Händlern», bei denen eine erneute Teilnahme unsicher sei.

Meier ist sich durchaus bewusst, dass nicht jeder, der jetzt jammert, ernsthaft daran denkt, im nächsten Jahr nicht mehr zu kommen. «Aber die Sorgen haben sich in den letzten Jahren akzentuiert», ist er überzeugt. Früher habe man viele der angebotenen Produkte nur an Märkten bekommen – «heute findet man sie mit einem Mausklick und kann sie bestellen».

Teilnahme 2019 unsicher

Auch Meier, der in diesem Jahr zum vierten Mal dabei ist, überlegt sich, ob er nächstes Jahr noch einmal an der Herbstmesse teilnimmt. Derzeit lautet seine Antwort «eher nein». Wenn, dann wohl mit anderen Produkten, einem, das zieht. Wieder lacht er. «Das suchen aber alle.» Die Entchen liefen zwar «sehr gut», sagt er. «Aber von ihnen kann ich nicht leben.»

Seinen Humor hat der umtriebige Fricktaler nicht verloren. «Es macht mir trotz allem Spass», sagt er. Denn er komme mit vielen Menschen ins Gespräch. «Das geniesse ich und das macht die Tage auch abwechslungsreich.»

Die Tage. Sie sind für einen Ein-Mann-Betrieb lange. Meier ist jeweils vor zehn Uhr auf dem Platz, um den Stand bereit zu machen. Offen sind die Stände auf dem Petersplatz bis 20 Uhr. Dann heisst es: aufräumen und den Stand dichtmachen. «Die Tage sind lang und hängen an», sagt er. Wieder lacht er. «Ich bin halt auch nicht mehr der Jüngste.» Meier freut sich denn auch auf den nächsten Dienstag. Dann schliesst die Messe auch auf dem Petersplatz, zwei Tage nach den anderen Destinationen. 

Situation wird thematisiert

Meier ist nicht der Einzige, der diese Erfahrungen auf dem Petersplatz gemacht hat. Auch andere Standbetreiber beobachteten die Entwicklung der Verkäufe kritisch. So gelangten ähnliche Rückmeldungen an die Marktfahrer-Verbände. Deren Sprecher Oskar Herzig bestätigte bereits anlässlich der Ernennung des neuen Leiters Messen und Märkte des Kantons Basel-Stadt von Anfang Woche gegenüber der bz entsprechende Informationen. Zum einen seien die Platzverhältnisse an schönen Tagen sehr eng, zum anderen sei es auch eine Frage des Sortiments. «Aufenthaltsqualität und Angebot müssen gleichermassen stimmen», so die Erkenntnis.

Die Situation werde an Gesprächen mit dem neuen Herbschtmäss-Chef Manuel Staub sicher thematisiert, so Herzig. «Wir arbeiten daran und hoffen auf Gehör.» Bis jetzt sei er guter Dinge, dass die künftige Zusammenarbeit mit dem Kanton fruchtbar sei. Der Petersplatz ist dank seiner ruhigen Gestaltung einer der beliebteren Mäss-Plätze zum Flanieren und Verweilen. Das kann besonders an schönen Tagen zu regelrechten Druggedde führen.