Er ist der stille Star an Weihnachten: der Tannenbaum. Mit Kugeln, Kerzen, Lametta und anderem bestückt sorgt er in den Stuben für festliche Stimmung. Der Trend zum Baum ist dabei ungebrochen. Entsprechend werden die Verkaufsstellen in den nächsten Tagen hochgefahren.

Neben kommerziellen Anbietern und Forstbetrieben bieten auch Gemeinden, deren Ortsbürger oft viel Wald besitzen, ihren Einwohnern Tannenbäume zu oft günstigen Konditionen an. In 24 der 32 Gemeinden im Fricktal gibt es heute noch die Möglichkeit, einen Tannenbaum von der Gemeinde oder vom lokalen Forstbetrieb zu bekommen. Dies zeigt eine Umfrage der AZ unter den Gemeinden. Die Preise reichen dabei von 0 bis 160 Franken – je nach Gemeinde, Tannenart und Baumgrösse. In den meisten Gemeinden kosten die Tannen zwischen 20 und 50 Franken.

Besonders glücklich schätzen kann sich, wer in Laufenburg, Zeihen, Mettauertal, Hellikon, Herznach oder Schupfart lebt. Hier werden die Bäume – zumindest die Rottannen respektive Fichten – kostenlos an alle Einwohner abgegeben.

«Die Ortsbürgergemeinde übernimmt grosszügigerweise die Finanzierung», sagt Marco Waser, Stadtschreiber von Laufenburg. Pro Jahr werden in Sulz und Laufenburg rund 400 Bäume abgeholt. «Die Rückmeldungen sind sehr positiv», so Waser. «Die Einwohner schätzen es, einen kostenlosen Weihnachtsbaum zu bekommen.» In Herznach wird die Abgabe ebenfalls «geschätzt und ist beliebt», wie Gemeindeschreiber Harry Wilhem sagt. Zum Baum gibt es für den, der will, noch ein Gläschen Glühwein dazu.

Glühwein und Gebäck

Auch in anderen Gemeinden wird die Baumabgabe versüsst. «Während des Weihnachtsbaumverkaufs schenkt die Ortsbürgerkommission Getränke aus und bietet Weihnachtsgebäck an», sagt der Wallbacher Gemeindeschreiber Thomas Zimmermann. Rund 120 Bäume wechseln jeweils für 20 bis 50 Franken den Besitzer. In Sisseln kann man sich mit einem Gläschen Glühwein stärken, bevor man den Baum schultert. Der Ausschank-Erlös kommt laut Gemeindeschreiber Heribert Meier einer sozialen Institution zugute.

Von «durchweg positiven» Rückmeldungen weiss auch Jacqueline Stöcklin, Gemeindeschreiberin in Schupfart, zu berichten. Auch hier werden die Bäume von der Ortsbürgergemeinde «gesponsert». Im letzten Jahr nahmen 167 Schupfarter Haushalte am Sponsoringprogramm teil.

Ein «teilweise gratis» vermeldet Hellikon. Hier werden Rottannen kostenlos abgegeben, «Nordmanntannen sind vergünstigt zu einem Preis von 20 Franken erhältlich», sagt Gemeindeschreiber Severin Isler. In Mettauertal und Zeihen wird eine Rottanne pro Haushalt gratis abgegeben. «Die Rückmeldungen sind positiv», sagt auch der Zeiher Gemeindeschreiber Gianni Profico. Die Aktion stösst mit rund 170 abgegebenen Rottannen auf ein «reges Interesse».

450 Bäume werden abgegeben

In Rheinfelden kommen die Ortsbürger in den Genuss einer Gratis-Fichte; die Nordmanntannen können sie zu einem reduzierten Preis erwerben, wie Silvia Hasler von der Stadtverwaltung sagt. Abgabe und Verkauf sind auch hier beliebt: An die 450 Bäume werden herausgegeben, rund 170 davon kostenlos an die Stadt für die Dekoration in den Gassen und auf den Plätzen, an Schulen, sozialen Institutionen und öffentliche Einrichtungen.

Für einen symbolischen Fünfliber können die Einwohner von Ueken ihren Weihnachtsbaum beziehen. Die Rückmeldungen seien «sehr positiv», sagt Gemeindeschreiberin Sereina Müller. Pro Jahr werden rund 200 Bäume abgeholt.

In Möhlin werden jedes Jahr zwischen 600 und 800 Bäume «zu handelsüblichen Preisen» verkauft, wie Förster Urs Steck sagt. Bei einer Vollkostenrechnung decken die Erlöse die Kosten laut Steck in der Regel zwar nicht. «In Möhlin erachten wir den defizitären Verkauf als eine Art Dienstleistung an die Einwohner, die einen ökologisch produzierten Christbaum aus der Region wollen», so Steck. Mit dem gleichen Grundgedanken, ein Baum aus der Region für die Region, bieten auch diverse Forstbetriebe Bäume unter dem Label des Juraparks Aargau an.

Nicht in allen Gemeinden läuft der Baumverkauf allerdings so bäumig wie in Möhlin. In Wegenstetten werden aktuell noch rund 30 Bäume für je 20 Franken verkauft. «Das Interesse ist nicht mehr sehr gross, weil Nordmanntannen bevorzugt, aber von uns nicht angeboten werden», sagt Gemeindeschreiberin Brigitte Schmid. Oberhof und Wölflinswil haben ihre Baumabgabe zusammengelegt, nachdem in Oberhof 2016 nur noch sechs Stück verkauft wurden. Und Mumpf hat die Abgabe vor drei Jahren sogar ganz eingestellt. «Die Bestellungen gingen immer mehr zurück», sagt Gemeindeschreiber Reto Hofer. «Am Schluss waren es noch drei bis vier Tannenbäume, die bestellt wurden.»

Früher gab es den Bürgerchnebel

Auch andere (Holz-)Bräuche gab es früher – und sie sind inzwischen weitgehend verschwunden. «Es gab früher, vor etlichen Jahrzehnten, noch den sogenannten ‹Bürgerchnebel›», erzählt Urs Treier, Gemeindeschreiber von Gipf-Oberfrick. Ortsbürger bekamen 1 Ster Holz kostenlos. In Möhlin gab es früher sogar 2 Ster Brennholz, den sogenannten Bürgernutzen. Halten konnte sich dafür ein anderer Brauch: die Holzgant. Sie wird jährlich beispielsweise in Hellikon durchgeführt. Da kann man nur sagen: O (Tannen-)Baum!