Die Meldung hat die Fricktaler Grossräte aufgeschreckt: Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind lässt bis im Sommer die zukünftige Organisationsstruktur der Gymnasien ausarbeiten. Ein Szenario dabei: Das Gymnasium Muttenz wird nach 2028 geschlossen – ausgerechnet jene Schule also, die bei Fricktaler Gymnasiasten äusserst beliebt ist. Von den rund 800 Schülern stammen aktuell 257 Gymnasiasten und 46 FMS-Schüler aus dem Fricktal. Dies entspricht 38 Prozent und liegt damit im langjährigen Mittel.

Eine Schliessung der Schule hätte somit massive Auswirkungen auf die Fricktaler Gymnasiasten. Sie müssten in eine andere Schule – entweder im Baselbiet, was laut dem heutigen Vertrag zwischen den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft möglich wäre, in Basel-Stadt oder im Aargau. Wobei die Aargauer Tagesmittelschulen «heute nicht die räumliche Kapazität» hätten, um die Fricktaler Schüler aufzunehmen, wie Simone Strub, Mediensprecherin des Aargauer Bildungsdepartements, jüngst gegenüber der AZ sagte.
Zudem müssten die Schüler bei allen Varianten (deutlich) längere Schulwege in Kauf nehmen.

«Eine Einschulung an anderen Standorten würde die teils schon heute sehr langen Schulwege um mindestens zweimal 15 Minuten pro Tag verlängern», halten 14 der 17 Grossräte aus dem Fricktal in einer gestern eingereichten Interpellation fest. «Dies ist in unseren Augen problematisch, da kürzlich publizierte Studien zum Schluss kamen, dass sich lange Schulwege negativ auf die Leistungen auswirken.»

Wie der Regierungsrat «ganz grundsätzlich» zu den Baselbieter Ideen stehe, wollen Andreas Fischer (Grüne), Initiant der Interpellation, und seine Grossratskollegen wissen. Weiter wollen die Politiker detailliert Auskunft über die Kostenentwicklung der letzten Jahre, über die Wohngemeinden der Schüler aus dem Fricktal sowie eine Übersicht darüber, wie viele Fricktaler welches andere Gymnasium oder welche Fachmittelschule besuchen.

Frage nach den Alternativen

Auch das «Wie weiter?» beschäftigt die Grossräte – gerade auch vor der Aussage von Strub, dass die Aargauer Mittelschulen derzeit die Kapazität nicht hätten, alle Fricktaler aufzunehmen. «Welche Alternativen betrachtet der Regierungsrat als annehmbar», wollen die Interpellanten wissen und bringen, in Frageform, ein altes Fricktaler Anliegen vor: «Wäre der Regierungsrat bereit, seine Ablehnung eines eigenen Mittelschulstandortes im Fricktal zu überdenken?»

Es ist, so viel steht fest, eine «affaire à suivre», wie man im Französischunterricht lernt – in Muttenz ebenso wie im Aargau.