Inmitten von Vasen, drehenden Töpferscheiben und unverarbeiteter Tonmasse wirbelt Mathies Schwarze umher. Er verteilt handwerkliche Tipps und führt auch mal vor, wie man am schwingenden Ton richtig Hand anlegt. Der 73-jährige Keramikermeister leitet gerade einen Kurs für ein paar seiner über 70 Schüler, die er an seiner eigenen Keramikschule in Oeschgen unterrichtet.

In der Werkstatt laufen gerade die letzten Vorbereitungen für das Keramikfestival, das am kommenden Wochenende zum 16. Mal anlaufen wird. Es ist das letzte Mal, dass Schwarze und fünf weitere Mitglieder des Organisationskomitees den Anlass auf die Beine stellen. «Das Keramikfestival war immer eine gute Sache. Doch nun sind wir am Höhepunkt angelangt, es hat sich etwas totgelaufen», sagt Schwarze.

Festival mit dreiteiligem Programm

Seit der Erstaustragung 2002 hat sich das Keramikfestival als fixer Bestandteil des Oeschger Dorfprogramms etabliert. Mittlerweile setzt sich der Anlass aus mehreren Teilen zusammen: Der erste und längste Part startet am kommenden Samstag mit einer Eröffnungsfeier: Während dreier Wochen hat der Keramikweg geöffnet. An verschiedenen Posten an der Mitteldorf- und Binzstrasse werden 35 Objekte wie Skulpturen oder Brunnen aus der Keramikschule präsentiert. Die meisten davon können käuflich erworben werden.

Am Wochenende vom 26. und 27. Mai präsentieren und verkaufen Schüler von Mathies Schwarze selbstgetöpferte Produkte am Keramikmarkt. Zudem läuft am 26. Mai mit dem Entzünden von Feuerschalen bei Einbruch der Dunkelheit noch das Feuerspektakel.

Auf die Idee, das Keramikfestival ins Fricktal zu bringen, kam Schwarze, als er vor rund 20 Jahren in Japan zu einem grossen Keramikfestival eingeladen war. «Ich wollte so etwas im kleineren Rahmen auch hier auf die Beine stellen», sagt er. Der Rahmen wurde von Jahr zu Jahr grösser. Die Männerriege und der Frauenverein sind jedes Jahr in die Anlässe eingespannt, sie helfen beim Aufstellen und Abräumen und führen die Wirtschaften. Zudem stellen mittlerweile fast 40 Töpfer am Keramikermarkt aus.

Obwohl er die Arbeit für das Keramikfestival immer sehr engagiert angegangen sei, werde er es in Zukunft nicht gross vermissen. «Ich weine ihm nicht hinterher. Es war ja auch immer eine enorme Belastung und mit viel Vorbereitung verbunden», sagt Schwarze. Es habe immer mehr Energie gekostet, die Schüler für die Durchführung zu motivieren und sich jedes Mal neue Ideen für die Ausstellung auszudenken.

Sich auf Töpferschule fokussieren

Die Zeit, als Schwarze das Keramikfestival ins Leben rief, war auch jene, als er seine Keramikschule gründete. Zuvor arbeitete der Töpfermeister schon fünf Jahre als selbstständiger Keramiker in seiner Werkstatt in Oeschgen. «Ich habe gemerkt, dass es immer weniger Plätze gab, an denen man das Töpfern professionell erlernen konnte. Also wollte ich das Handwerk selber weitergeben», sagt er. Mittlerweile kämen die Leute von weit her, um an seiner Töpferschule einen Kurs zu belegen. Es seien so viele, dass er sogar eine Warteliste führen müsse.

Auf seine Ausbildungsstätte möchte sich Schwarze nach der Derniere des Keramikfestivals noch intensiver konzentrieren. In seiner Zeit als Töpfermeister hat er neben unzähligen Schülern, die das Töpfern als «ernstes und intensives Hobby» ausführen, auch über 20 Schüler zum eidgenössichen Abschluss ausgebildet.

Auch an die Töpferscheibe möchte er sich selber wieder vermehrt setzen. «Ich stelle meine Arbeit an etwa zwei bis drei Ausstellungen im Jahr in Galerien und Museen aus», sagt er.

Neue Lehrlinge bildet Schwarze zwar keine mehr aus. «Ich muss vernünftig sein, ich bin ja schon 73 Jahre alt», sagt er. Doch die Füsse hochlegen und seiner Töpferscheibe den Stecker zu ziehen, kommt für ihn nicht infrage. «Das wäre unvorstellbar. Ein Töpfer hört nie auf zu töpfern.»