Es sind trotz der Kälte heisse Tage: In den Fasnachtshochburgen im Fricktal laufen die letzten Vorbereitungen auf die fünfte Jahreszeit. Noch eine Woche – dann übernehmen die Narren für fast drei Wochen das Zepter. Die Guggenmusiken geben ihren Stücken den letzten, schrägen Schliff, die Schnitzelbänkler spitzen ihre Pointen noch etwas zu, die Cliquen bauen an ihren Mobilen für die grossen Fasnachtsumzüge in Laufenburg, Kaiseraugst, Kaisten, Möhlin und Rheinfelden.

Es herrscht allenthalben Vor-Fasnachts-Vorbereitungs-Stimmung im Fricktal. Und all jene, die partout nicht bis zum 1. Faisse warten können, um sich ins närrische Treiben zu stürzen, können bereits heute ein erstes Mal eintauchen: In Oberhof findet um 18.30 Uhr beim Kappellenplatz die «Kinder-Tschätteri» statt. Alle anderen nehmen wir mit auf unserer Abc-Reise, die heute von M nach R führt.

M wie Motto.

Neiaberau, wird nun der eine oder andere Basler unter Ihnen, der im Fricktal seine neue Heimat gefunden hat, aufstöhnen. Wie kann man das M nur so verwenden. Für ihn, den Basler, ist das M sakrosankt und kann nur eines bedeuten: Morgestraich. Das wäre ein veritabler Streich, kontert da der waschechte Fricktaler zu Recht, wenn das M zur Basler Dependance würde. Das M wie Motto dagegen passt zu jeder Fasnacht. Beim Suchen nach geeigneten Sujets und Sprüchen für ihre Fasnachtswagen sind die Cliquen frei – und zeigten sich in den letzten Jahren überaus kreativ. Auf die Kreationen 2019 darf man bereits gespannt sein.

Und, aller guter M sind schliesslich drei, sei hier auch noch jenes M angefügt, für das jeder Fasnächtler nur einen verächtlichen Blick übrig hat: den Muffel. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er um jede schräg-schön aufspielende Formation einen weiten Bogen macht und dem Treiben, dem närrischen, aus sicherer Distanz mit einem Gesichtsausdruck zuschaut, der irgendwo zwischen perplex und verzweifelt hin und her mäandert.

N wie Narrolaufen.

Halt, halt, ruft nun der Kaister, das heisst Narrenlaufen. Recht hat er – und recht hat der Laufenburger, wenn er zurückruft: Nöö, das muss schon Narrolaufen heissen. Beide Worte stimmen – und meinen, zumindest in der Grundanlage, den gleichen Brauch. Er ist Höhepunkt und Trauerpunkt zugleich: Denn mit dem Narro*enlaufen, um es gendergerecht zu formulieren, geht die närrische Zeit am Fasnachtsdienstag bereits wieder seinem Ende entgegen. Das Narrolaufen – also jenes in Laufenburg – ist «einer der wichtigsten Bräuche», schreiben die Laufenburger Narronen auf der StädtleFasnachts-Website. An ihrem grossen Tag ziehen die Narronen rückwärts durch die alten Gassen, schwer beladen mit Orangen, Wecken und Würsten. Hinter ihnen – oder vor ihnen, je nach Perspektive – läuft eine nicht kleine Schar Kinder und schreit sich, alte Verse aufsagend, fast die Lunge aus dem Leib. Der Lohn für den Stimmakt: Die Würstchen lernen fliegen.

O wie Orden.

Sie haben sich nicht verlesen, auch Orden haben durchaus ein fasnächtliches Potenzial. Einer der bekanntesten ist der «Orden wider den tierischen Ernst», den der Aachener Karnevalsverein alljährlich verleiht, im letzten Jahr an den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann. Er kam zu der Ehre, weil er ein «überzeugter Narr und überzeugender Landesvater» sei. Ein Schelm ist, wer nun die beiden Attribute zu einem zusammenzieht und daraus einen närrischen Landesvater macht.

Aber auch im Fricktal werden regelmässig fasnächtliche Orden verliehen, gerade auch bei den altehrwürdigen Zünften. Ein ganz besonderer Bund ist dabei jener der Hochrhein-Narrenzünfte der fünf Waldstädte Bad Säckingen, Laufenburg, Waldshut, Tiengen und Rheinfelden. Bei ihrem letzten Treffen im November 2018 in Bad Säckingen, wo vom 16. bis 17. Februar auch das grosse Hochrheinnarrentreffen mit rund 3000 Teilnehmern (ohne Zuschauer) über die Bühne gehen wird, bekamen gleich sechs Zunftbrüder und -schwestern für ihren Einsatz für die Fasnacht den Hochrhein-Verdienstorden: Daniela Wolkowski von den Katzenrölli Tiengen, Paul Kokoschka von der Ranzengarde Bad Säckingen, Silvia Führes von der Mohrenclique der Narrenzunft Rheinfelden, Mario Bagarella von der Narro-Altfischerzunft 1386 Laufenburg, Stephan Vatter von der Narrenzunft Waldshut, und Gregor Maier von der Narro-Alt-Fischerzunft 1386 Laufenburg.

P wie Plakette.

Ein richtiger Fasnächtler hat mindestens eine davon – und trägt sie stolz am Kleid. Denn: «Die Bsuecher wo Plakette und Pins händ kauft – händ g’würdigt euse Event. Sie wüssent, dass alles vel choschte duet und au die vel Arbet sie gsehnd», tönt es aus Laufenburg. Mit dem Geld finanzieren die Zünfte, Cliquen und Fasnachtsgesellschaften unter anderem die Fasnachtsumzüge. Gewarnt sei auch, wer denkt: Das merkt doch keiner, wenn ich am Umzug keine Plakette trage. Es wird in der Regel sehr wohl bemerkt – und zu Recht mit einer besonders grossen Ladung Konfetti bedacht, ganz nach dem Motto: Wer nicht zahlen will, bekommts zu spüren.

Traditionell werden in Kaisten das Fasnachtsmotto und die Plakette am 11.11. bei Sauschwänzli und Sauschnörrli enthüllt. In diesem Jahr steht der Haldejoggeli im Zentrum des fasnächtlichen Treibens, feiert er doch heuer seinen 40. Geburtstag. «Au nach 40 Joor Füür und Flamme» lautet das Motto, und auf der Plakette treibt der Haldejoggeli sein Unwesen.

Q wie quengeln.

Nicht nur die kleinen Narren können den Fasnachtsstart kaum erwarten und quengeln zu Hause herum, auch der eine oder andere Jungegebliebene soll, so hört man, seine bessere Hälfte mit der Fasnachtsvorfreude nerven, pardon: entzücken, muss es natürlich heissen. Oder, um es mit einem anderen Q zu formulieren: Die Wartezeit ist für ihn eine Qual – derweil für den Muffel (siehe unter M) die Zeit der Fasnachtszeit zur zeitlosen Zeit wird.

R wie Route.

Nein, ein Navigationsgerät braucht es für die Route, die hier gemeinte, nicht: Es ist die Strecke, welche die Narren in ihren bunten Gewändern und mit ihren originellen Gefährten am Fasnachtssonntag bei den traditionellen Umzügen zurücklegen. Es ist seit Jahren die gleiche Route. In Rheinfelden und in Laufenburg führt sie jeweils über die Landesgrenzen (keine Angst, es gibt da weder Gesichts- noch Alkoholkontrollen), in Möhlin vom Dorfteil Ryburg in Richtung Gemeindehaus. Eine Besonderheit hat der Mehlemer Umzug: Er findet stets zweimal statt, einmal am Sonntag und einmal am Fasnachtsdienstag. Wenn schon, denn schon lautet das Motto – eine Devise, die sich auch manch ein Fasnächtler zu Herzen nimmt, was dann bisweilen einen Rückgriff auf ein A nach sich zieht: ein Alka Selzer.