Der grösste Nackenschlag, der ihm die Natur in seiner Karriere verpasst habe, sei es gewesen. Bio-Landwirt Bruno Wirth, 41, aus Olsberg erzählt von jener eisigen Nacht im April 2017, in der er mehrere Stunden gegen den Forst ankämpfte und um sechs Uhr in der Früh die Temperaturanzeige auf seiner Obstplantage kontrollierte.

«Es ging zehn Minuten, bis die Temperatur von minus zwei auf minus sechs Grad Celsius absank. Ich konnte nur zuschauen, wie sich die Polarluft über die Hänge mit den Reben und Obstanlagen wälzte und einen weissen Film auf den Blüten hinterliess.»

Der Schaden ist gewaltig: Der Frost vernichtet 50 Prozent der Kirschen und 70 Prozent der Zwetschgen. Bei den Aprikosen, Äpfeln und Trauben liegt der Ausfall zwischen 90 und 100 Prozent. Der Umsatzverlust liegt im sechsstelligen Bereich. Trost findet Wirth in den Tagen danach durch das Verständnis der Berufskollegen, mit denen er den Frust über den Frost teilt und am Anblick der Ackerlandkulturen, die heil geblieben sind.

«Manchmal bekommt man halt von der Natur einen auf den Deckel», sagt Wirth. Auch, weil ihm das Los des Landwirts bewusst ist, versucht er, Positives stärker zu gewichten und dem Negativen wenig Raum zu geben. «Ich rege mich nicht gross darüber auf, wenn ich bei der Aussaat der Erbsen eine Stelle vergessen habe, sondern freue mich darüber, wenn die Pflanzen im Juni wieder prächtig blühen.» Doch damals im April 2017 habe es schon ein paar Tage gedauert, bis er «wieder nach vorne schauen konnte».

Wie rund 450 seiner Berufskollegen hat auch Wirth bei «Fonds Suisse» einen Antrag auf Unterstützung eingereicht. Die Stiftung will den vom Frost gebeutelten Landwirten sogenannte «A-Fonds-perdu»-Beiträge gewähren – also finanzielle Hilfeleistungen, welche die Landwirte nicht zurückzahlen müssen. Der Bescheid der Stiftung steht zwar noch aus aber in Anbetracht der hohen Anzahl der Antragssteller erwartet Wirth, dass der ausgezahlte Beitrag nicht sonderlich üppig ausfallen wird.

Grosse Investition verschoben

Eine zweite Möglichkeit der finanziellen Unterstützung sind Überbrückungskredite durch den Kanton. Solch einen wird Wirth jedoch nicht beantragen. «Die Liquidität des Betriebs ist durch den Ernteausfall nicht gefährdet», begründet er dies. Kleine betriebliche Anschaffungen, wie der Ersatz des Güllerührwerks oder eines in die Jahre gekommenen Fahrzeugs für einige tausend Franken sind kein Problem.

Auch deshalb, weil er die Personalkosten im vergangenen Jahr beinahe auf null gesenkt hat und andere landwirtschaftliche Zweige wie die Tierhaltung und der Ackerbau gute Erträge abgeworfen haben. Grössere Investitionen wie der Bau eines neuen Betriebsgebäudes müssen jedoch ein bis zwei Jahre zurückstehen.

Eine Frage, die für Wirth nach dem Frostschock des letzten Jahres virulenter denn je ist, ist diejenige nach dem passenden Risiko-Management. Mitinbegriffen ist hier die Frage des Versicherungsschutzes. So bietet die Schweizerische Hagel-Versicherung neu eine Möglichkeit, sich gegen Frost abzusichern. Die Versicherung garantiert bei Frühlingsfrostschäden einen Ertrag von mindestens 55 Prozent.

Zwar habe er sich eine Offerte zukommen lassen, eine Versicherung jedoch nicht abgeschlossen, weil die Wahrscheinlichkeit eines Frostschadens und die Höhe der jährlichen Prämie für ihn in keinem angemessenen Verhältnis stehen.

Eine zweite Versicherungsmöglichkeit bietet Celsius Pro, einer Spezialistin für Wetterzertifikate, von der Wirth jüngst eine Offerte angefordert hat. «Dieser Anbieter zahlt eine Entschädigung, sobald die Temperatur unter eine gewisse Marke fällt – und zwar unabhängig davon, ob es zu einem Schaden gekommen ist», erklärt er.

Mindestens genauso wichtig ist es für Wirth jedoch, seine Vorkehrungen gegen den Frühlingsfrost zu optimieren. Hierzu gehört zum Beispiel, die Anschaffung von Frostkerzen. «Über 30 Jahre habe ich keine grossen Frostschäden gehabt. Deswegen hatte ich keine Frostkerzen vorrätig. Als ich welche vor Ostern bestellen wollte, waren sie europaweit ausverkauft», erzählt Wirth.

Auch andere Überlegungen, wie das Decken seiner Aprikosenbäume stellt er derzeit an. Generell sei das Abdecken der Obstbäume eines der besten Mittel, um Frostschäden zu verhindern. Dies zeigte sich auch an den zwei Kirschbaumanlagen von Wirth. Während es in der gedeckten Anlage keine Schäden gab, kam es in der ungedeckten Anlage zu einem Totalausfall.

Nicht alles wird geschützt

Welche Schutzmassnahmen er künftig ergreifen wird, entscheidet Wirth wie bei der Frostschutzversicherung anhand einer Kosten-Nutzen-Rechnung: «Es würde sich für mich nicht rechnen alle Obstsorten einzudecken, weil beispielsweise bei den Äpfeln und den Zwetschgen der Produzenten-Preis viel zu gering ist», erklärt er. Zudem sei ein einhundertprozentiger Schutz bei den heutigen Wetterkapriolen unrealistisch.