Mittwoch, kurz nach 11 Uhr, Einkaufszentrum Laufenpark. Die Suche nach einem freien Parkplatz dauert Minuten. Vor einem Lebensmittelgeschäft beschwert sich eine junge Frau lauthals bei einem Herrn, weil dieser ihr den freien Platz geklaut habe. «Ich warte schon seit zehn Minuten. Das geht einfach nicht, dass Sie sich dann hier so reinquetschen.» Ihm scheint das egal zu sein. Er zuckt mit den Schultern und steckt eine Münze in den Einkaufswagen. Sie verwirft die Hände, steigt dann – immer noch schimpfend – wieder in ihren Nissan und reiht sich in die Schlange der kreisenden Autos. Die Abgaswolken vermischen sich mit den Nebelschwaden.

Deutsche in der Unterzahl

Im Laufenpark in Laufenburg (D), kaum einen Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, herrscht um die Festtage Hochbetrieb. Ein Blick auf die Kennzeichen der Autos verrät: Deutsche sind hier in der Unterzahl. Von 50 zufällig ausgewählten Autos haben nur 15 eine deutsches Nummer. Daneben sind es 21 Aargauer, je 4 Zürcher und Luzerner sowie je ein Solothurner, Zuger, Berner und gar Schwyzer, Nidwaldner und Glarner Kennzeichen.

Eines der Autos mit Aargauer Nummernschild gehört Marianne Reusser aus Windisch. Sie und ihr Mann schieben den vollen Einkaufswagen über den Parkplatz. Darin stehen Papiertaschen der Schweizer Grossverteiler – gefüllt mit Produkten aus Deutschland. «Wir kaufen normalerweise in der Schweiz ein», sagt Reusser. Heute aber hätten sie ein Paket in Deutschland abholen müssen und die Fahrt deshalb gleich mit dem Einkauf verbunden. In den Tüten sind vor allem Putzmittel, Haushalts-Papier und Kosmetik-Artikel. «Auf Fleisch und Käse aus Deutschland verzichten wir grösstenteils», sagen die Reussers. Nur die Speckwürfeli für das Silvester-Essen haben sie schon besorgt.

Über eine Stunde Fahrt

Von weiter her kommt ein junges Schweizer Paar, das einige Reihen weiter hinten parkiert hat. «Aus Zürich sind wir hierher gefahren», sagt sie. «Das ist für uns eine gerade noch akzeptable Distanz.» In ihrem Kofferraum landen vor allem Produkte für die kleinen Kinder: Cornflakes, Feuchttücher, Cracker, Shampoo, Chips. Ausgerechnet, ob sich die Fahrt für den Einkauf lohnt, hätten sie noch nie.

«Ich denke aber schon, weil viele Produkte hier doch massiv günstiger sind als in der Schweiz und wir jeweils auch gleich gross einkaufen», sagt er und lädt die letzte Tasche ins Auto. Danach fahren die beiden rund eine Stunde, bis sie die Einkäufe zu Hause ausladen können.
Darob nur den Kopf schütteln kann ein Ehepaar aus Sisseln. «Ich verstehe, dass Schweizer, die an der Grenze wohnen die Möglichkeit nutzen», sagt er. Sie selber kämen jeweils am Mittwoch in den Laufenpark, um den Wocheneinkauf zu erledigen. «Aber was heute los ist, das ist der Wahnsinn.»

«Kassen nur für Deutsche»

Inzwischen sind die Autos nicht nur auf markierten Parkplätzen abgestellt, sondern auch daneben. An den Kassen in den Läden bilden sich Schlangen. Ein älterer Mann kramt eine «Hampfle» Münz aus seinem Portemonnaie und reicht sie der Verkäuferin. «Hier, das Zählen geht bei Ihnen schneller.» 5,22 Euro kosten die drei Überraschungseier und zwei Nuggis.

«Wenn ich bestimmen könnte, würde ich drei Kassen für Schweizer einrichten und den Rest nur für Deutsche», sagt ein junger Vater lachend. Er wohnt mit seiner Familie in Laufenburg (D). «Freiwillig würde ich hier nicht einkaufen.» Seine Frau aber kann den Schweizern etwas Positives abgewinnen: «Würden sie nicht hier einkaufen, gäbe es auch nicht so ein grosses Angebot», sagt sie.