Männlich, zwischen 19 und 30 Jahre alt, mindestens 174 cm gross, voll militärdiensttauglich, katholisch und ledig muss man sein und dazu noch über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine Maturität verfügen. Die Anforderungen an Schweizer Gardisten sind nicht wenige. Dazu braucht es natürlich auch noch den Willen, sich fern der Heimat zu engagieren. 

Der Rheinfelder Romano Pelosi erfüllt alle diese Anforderungen und ist seit rund zwei Jahren Schweizer Gardist beim Vatikan. Sofort nach dem Abschluss des Gymnasiums und der Rekrutenschule hat er seinen Dienst angetreten. Anstatt unverzüglich mit dem Studium loszulegen, wollte der damals 19-Jährige zuerst etwas anderes machen und abwechslungsreiche Erfahrungen sammeln. 

Die Mutter sei seinen Zukunftsplänen beim Heiligen Stuhl zuerst «skeptisch» gegenüber gestanden, sagt er im TalkTäglich, moderiert von Rolf Cavalli. «Sie war etwas traurig, weil der Sohn so lange weg sein würde», erzählt Pelosi. «Es war nicht so einfach für meine Mutter, aber jetzt ist sie super stolz.» Die Möglichkeit, den Papst bei der Vereinigung ihres Sohnes als Schweizer Gardist persönlich zu treffen, sei für sie natürlich «ein einmaliges Erlebnis» gewesen. 

19-jähriger Schweizer Gardist erzählt von seinem Alltag

Schweizer Gardist erzählt von seinem Alltag

Zu Pelosis Aufgaben im Vatikan zählen Wachdienst, die Kontrolle von hereinkommenden Personen und Fahrzeugen und natürlich der bekannte Ehrendienst auf dem Petersplatz. Das Tragen der rot-gelb-blauen Paradeuniform im Renaissance-Stil sei aber «sehr gewöhnungsbedürftig», so Pelosi. Er sei am Ende des Dienstes jedesmal froh, wieder in legere Kleidung wechseln zu können. 

«Wir tragen aber auch oft Anzug und Kravatte», sagte Pelosi. Die berühmte bunte Uniform ist für den Ehrendienst, Empfänge, Festivitäten und andere repräsentative Anlässe bestimmt. Beim Wachdienst an weniger «prominenten» Ecken im Vatikan kommt eine schlichtere Uniform zum Einsatz. 

«Auch nach zwei Jahren noch nervös»

Die schönsten Erfahrungen, die er im Dienst gemacht hat, sind für den 21-Jährigen die persönlichen Begegnungen mit dem Papst. Diese laufen aber schon eher formell und professionell ab, so Pelosi. Die Gardisten grüssen den Papst und dieser grüsst dann «sehr freundlich» zurück und gibt den Soldaten die Hand. Manchmal bedanke er sich für den Dienst der Gardisten. Man merke schon, dass Papst Franziskus nicht eine Person sei, die «nicht unbedingt viel Wert» auf Formalitäten lege.

«Dem Papst die Hand schütteln zu dürfen, ist für uns Gardisten schon Lohn genug. Ich bin nach zwei Jahren immer noch nervös, wenn ich dem Papst begegne.» Er sei ihm aber so oft begegnet, dass man schon merke, wenn der Papst gut gelaunt und wann er eher etwas erschöpft sei.

Eine Freundin in Rom

Gardisten müssen zwar ledig sein, wenn sie den Dienst antreten. Eine Freundin dürfen sie aber haben. Während er Wachdienst an einem Seiteneingang zur Vatikanstadt geleistet habe, hätte ihn eines Tages eine Frau angesprochen und nach einer Information gefragt. Er sei mit der Römerin ins Gespräch gekommen... Und für etwa ein Jahr lang seien sie ein Paar gewesen, so Pelosi.

Der Rheinfelder möchte sicher nochmals ein Jahr bei der Schweizer Garde dienen. Danach strebt Pelosi ein Studium an. «Was mich sehr interessiert, sind diplomatische Dienste, wo man auch im Vatikan sehr präsent ist.» Er kann sich also durchaus vorstellen, noch länger in Rom zu leben. (cez)

Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich mit Romano Pelosi in voller Länge:

Schweizer Gardist Romano Pelosi