Die Gemeinderäte im Fricktal bleiben auch in der neuen Amtsperiode, die Anfang Jahr begonnen hat und vier Jahre dauert, eine männerdominierte Angelegenheit. Nur gerade 42 der 162 Gemeinderäte sind Frauen.

Damit liegt der Anteil bei gerade einmal 25,9 Prozent. Und er droht noch weiter zu sinken, denn die ersten beiden Rücktritte in der laufenden Legislaturperiode haben zwei Frauen eingereicht: Rosmarie Bühler aus Hornussen und Sibylle Lüthi aus Kaiseraugst. Werden an ihrer Stelle zwei Männer gewählt, so sinkt der Frauenanteil auf 24,7 Prozent.

Noch tiefer liegt der Frauenanteil bei den Gemeindeammännern. Aktuell werden 6 der 32 Kommunen von Frauen geleitet, was einem Frauenanteil von 18,8 Prozent entspricht. Erfreulich dabei: Zwei Frauen haben das Amt Anfang Jahr frisch übernommen: Gisela Taufer in Zeiningen und Barbara Fricker in Wölflinswil.

Während Fricker seit 2010 im Gemeinderat sitzt, gehört Taufer dem Kollegium bereits seit 2002 an. Nach dem Rücktritt von Gemeindepräsidentin Sabin Nussbaum entschied sie sich, für das Amt zu kandidieren.

Pikantes Detail: Kurz vor den Wahlen signalisierte der damalige Vizeammann Peter Frick, dass er eine Wahl zum Ammann annehmen würde. Das kam in Zeiningen nicht gut an – Frick wurde, als einziger amtierender Gemeinderat im Fricktal, abgewählt. Mehr noch: Er hat sich im Prinzip selber abgewählt, denn er gab dem neu als Gemeinderat kandidierenden Alfred Studer die Stimme – und dieser lag am Schluss eine Stimme vor ihm.

Frau Taufer, welche Bilanz ziehen Sie nach 100 Tagen?

Gisela Taufer: Die ersten 100 Tage waren intensiv. Es gibt mehrheitlich positive Rückmeldungen, zumal ich als langjährige Gemeinderätin im Dorf bekannt bin.

Sie haben also noch nicht genug und bereuen Ihre Kandidatur?

Nein, ich bereue meinen Entscheid nicht.

Der Gemeinderat muss als Kollegium zusammenwachsen, um optimal zu agieren. Wie weit ist dieser Prozess?

Um zu einem Kollegium zusammenzu- wachsen, benötigt es mehr Zeit als nur 100 Tage. Wir haben an unserer Klausur Werte festgelegt, nach denen wir zukünftig handeln wollen.

Wie führen Sie?

Kooperativ. Gemeinderat und Verwaltung arbeiten eng zusammen, damit die besten Lösungen und Ideen umgesetzt werden können.

Was hat Sie in den ersten 100 Tagen im Amt am meisten überrascht?

Die Arbeit ist umfangreicher und vielfältiger, als ich erwartet habe.

Was war der grosse Aufsteller in den ersten drei Monaten?

Es gibt keinen einzelnen speziellen Aufsteller. Es sind die vielen positiven Begegnungen und Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

Was haben Sie so nicht erwartet?

Da ich schon lange im Gemeinderat bin, war mir sehr wohl bewusst, was mich erwartet.

Wie wurden Sie im Dorf als neuer Gemeindeammann aufgenommen?

Die Reaktionen waren bis jetzt nur positiv.

Viele langjährige Gemeindeammänner sagen, der Respekt vor Amtspersonen lasse zu wünschen übrig. Haben Sie diese Erfahrung auch bereits gemacht?

Eine Tendenz in diese Richtung lässt sich nicht leugnen. Ich selbst habe bis jetzt noch keine negativen Erfahrungen erlebt.

Sie werden auch mit schwierigen und aufbrausenden Mitbürgern umzugehen haben. Was ist Ihr (Geheim-)Rezept?

Ruhe bewahren, das Gespräch suchen und die Anliegen der Mitbürger ernst nehmen.

Mit dem Innenblick der ersten 100 Tage: Wie ist Ihre Gemeinde aufgestellt?

Unsere Verwaltung ist im Moment im Umbruch, da langjährige Mitarbeiter in den wohlverdienten Ruhestand getreten sind.

Wo orten Sie den grössten Handlungsbedarf?

Eine grosse Herausforderung wird sein, die finanzielle Situation der Gemeinde in Zukunft ausgeglichen zu gestalten.

Was sagen Sie einem potenziellen Zuzüger, der Sie fragt: Was hebt Ihre Gemeinde von anderen ab, weshalb soll ich in Ihre Gemeinde ziehen?

Eine gute Infrastruktur wie Schule, Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten sowie eine sonnige Wohnlage mit einer ausgezeichneten Anbindung an den öffentlichen Verkehr.