Das erste schöne Frühlingswochenende hat nicht nur viele Velo- und Töfffahrer nach draussen gelockt. Auch auf dem Laubberg zwischen den Gemeinden Mettauertal und Gansingen herrschte Hochbetrieb – bei den Gleitschirmfliegern. Ein Pilot erwischte dabei allerdings keinen guten Tag.

Gleitschirm-Pilot hängt 4 Stunden lang in Baum fest

Gleitschirm-Pilot hängt 4 Stunden lang in Baum fest

Der Gleitschirmabsturz ereignete sich in Gansigen. Passiert ist dem Piloten zum Gück fast nichts.

Kurz nach dem Start klappte der linke Flügel seines Schirms ein, was zu «einem unkontrollierten Absturz» geführt habe, wie es in der Mitteilung der Aargauer Kantonspolizei hiess. In 25 Meter Höhe blieb der Schirm in einer Baumkrone hängen. Fast vier Stunden lang hing der Gleitschirmpilot da, bis ihn die Rettungskräfte bergen konnten. Der 49-jährige Pilot habe sich beim Vorfall leicht verletzt, schrieb die Kantonspolizei.

Durchgefroren, aber unverletzt

Etwas anders sieht es ein langjähriger Kollege des betroffenen Piloten. Er ist ebenfalls ein erfahrener Gleitschirmflieger und war am Samstag selber vor Ort. «Ein grosses Lob gehört den Rettungskräften. Sie haben einen grossartigen Job gemacht. Das möchte ich betonen», sagt er. Es sei ihm aber ausserdem ein Anliegen, etwas klarzustellen: «Von einem Absturz kann nicht die Rede sein», sagt er. «Der Pilot ist nirgends runtergefallen.»

Vielmehr habe es sich um eine «kontrollierte Baumlandung» gehandelt. «Der Pilot ist wenige Meter über den Baumkronen geflogen, als ein Teil seines Schirms eingeklappt ist», so der Kollege. «Er konnte den Schirm kontrollieren und im Baum notlanden.» Solche Manöver seien in der Regel «völlig unproblematisch» – so auch am Samstag: «Der Pilot hatte nach seiner Rettung zwar ziemlich kalt, war aber ansonsten unverletzt.»

Auch ein anderer Gleitschirmpilot, der regelmässig am Laubberg fliegt, betont, «dass eine kontrollierte Baumlandung kaum ein Risiko birgt». Die Gleitschirmpiloten würden in der Ausbildung unter anderem sogar dahingehend geschult, in kritischen Situationen eine Notlandung in einem Baum durchzuführen.

In der Ausbildung geübt

In der Ausbildung würden sogenannte «Klapper» – also dass wie beim Vorfall vom Samstag ein Teil des Gleitschirms einklappt – bewusst herbeigeführt. «Unter Anleitung der Lehrer lernen die Gleitschirmpiloten den Umgang mit dieser Situation. Etwa, wie wieder Luft in den eingeklappten Teil des Schirms kommt», sagt der Pilot, der Mitglied in der Fluggemeinschaft Laubberg ist.

Am 649 Meter hohen Laubberg gehen seit über 25 Jahren regelmässig Gleitschirmflieger in die Luft. Es gibt mehrere Start- und Landeplätze, die je nach Windbedingungen genutzt werden. Die Fluggemeinschaft verteilt jedes Jahr rund 30 Flugkarten als Bewilligung. «Mit dem Erlös der Karten werden die Landwirte entschädigt, auf deren Kulturflächen die Starts und Landungen durchgeführt werden», sagt das langjährige Mitglied der Fluggemeinschaft. 28 Flugkarten wurden dieses Jahr bislang verteilt, allesamt an Piloten aus der Region, «die sich im Gelände auskennen», so das Mitglied.

Vorfälle sind selten

Unter der Woche sei am Laubberg meist nicht viel los, aber am Wochenende werde fast immer geflogen. «Es kommt häufig vor, dass gleichzeitig mehrere Schirme in der Luft sind.» Vorfälle habe es in den 25 Jahren dabei kaum je gegeben. Bei einem Unfall vor einigen Jahren habe sich ein Pilot ernsthaftere Verletzungen zugezogen. «Damals handelte es sich um einen Absturz. Grund dafür war ein Flugfehler des Piloten.» Daneben habe es knapp ein halbes Dutzend Vorfälle gegeben, die aber «allesamt glimpflich» ausgegangen seien, so der Pilot. Unter den Vorfällen seien auch weitere Baumlandungen.

Zuletzt musste vor knapp sechs Jahren ein Pilot in einem Baumwipfel notlanden und von Rettungskräften befreit werden. Auch damals blieb der Flieger unverletzt. «Die Vorfälle sind in Relation mit der Anzahl an Flügen als Einzelfälle zu taxieren», sagt der Gleitschirmpilot.