Das Fricktal soll eine Mittelschule erhalten. Bis Mitte 2019 wird ein entsprechender Planungsbericht erarbeitet, wie der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler gestern bekannt gab (vgl. Artikel Seite 20). Fricktaler Politiker beurteilen diese Ankündigung positiv. «Es ist gut und vorausschauend, dass der Regierungsrat sich jetzt diese Überlegungen macht», sagt etwa der Rheinfelder Stadtammann und Grossrat Franco Mazzi (FDP). Und Grossrätin Tanja Primault-Suter (SVP, Gipf-Oberfrick) ergänzt: «Es ist erfreulich, dass der Regierungsrat eine Mittelschule in der Wachstumsregion Fricktal prüft.» Dies sei ein Anliegen, das viele Fricktaler «immer im Hinterkopf hatten».

Baselbieter Schüler im Fricktal?

Die Prüfung sei gerade auch deshalb wichtig, weil der Kanton Basel-Landschaft ebenfalls Standortfragen in puncto Gymnasien und Fachmittelschulen erörtere (die AZ berichtete), so Mazzi und Primault. Auf die strukturellen Überlegungen im Nachbarkanton verweist auch Alfons P. Kaufmann (CVP, Wallbach). Wenn man sehe, dass derzeit rund 500 der 660 Fricktaler Gymnasien in Basel und Muttenz besuchen, mache ein Fricktaler Gymnasium Sinn, so Kaufmann. Zumal auch im Zusammenhang mit dem Industriegebiet Sisslerfeld noch ein weiteres Bevölkerungswachstum zu erwarten sei. «Ich finde, das Fricktal darf sich für eine Mittelschule wehren», so Kaufmann. Und er bringt gleich noch ein weiteres Szenario ins Spiel: «Es wäre durchaus denkbar, dass Baselbieter Schüler künftig die Mittelschule im Fricktal besuchen.»

Kaufmann will sich jedenfalls für eine Kanti im Fricktal einsetzen. Unterstützung dürfte er dabei von Grossratskollege Andreas Fischer (Grüne, Möhlin) erhalten. «Im Sinne eines starken Fricktals» wolle er sich für ein Gymnasium in der Region einsetzen, sagt Fischer. «Ausser es wäre horrend viel teurer als die bisherige Lösung.»

Auch im Oberen Fricktal ist die Resonanz auf die regierungsrätliche Information positiv. «Die Kantis im Aargau stossen an ihre Kapazitätsgrenzen», sagt etwa SP-Grossrätin Colette Basler (Zeihen). «Ein neuer Mittelschulstandort müsste im Fricktal sein. Wir haben ja bisher noch kein Gymnasium.»

Leere Schulhäuser nutzen?

Wo die Kanti Fricktal dereinst entstehen soll, ist derzeit noch offen. Stein wurde bereits früher einmal als Mittelschul-Standort festgelegt, ist aber mittlerweile eher etwas in den Hintergrund gerückt.

Die befragten Fricktaler Grossräte nannten gestern alle ein Kriterium für den künftigen Mittelschul-Standort im Fricktal: die rasche Erreichbarkeit per öV. «Wichtig sind kurze Wege und eine gute Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr», sagte etwa stellvertretend Andreas Fischer. Weiter gelte es zu prüfen, ob allenfalls leerstehende Schulhäuser – eventuell mit einem Anbau – genutzt werden könnten, so Fischer.

Colette Basler hofft auf einen Standort, an einer zentralen Lage «eher in der Mitte des Fricktals» und für Tanja Primault sollte überdies gewährleistet sein, dass die Mittelschule auch aus anderen Bezirken des Kantons gut erreichbar ist, damit allenfalls auch von dort Schüler ins Fricktal kommen können.

Franco Mazzi sagt, es gelte zu prüfen, wo überhaupt ein Schulhaus mit der nötigen Kapazität errichtet werden könne. «Wenn die Planungen konkreter werden, würden wir uns in Rheinfelden gerne der Herausforderung stellen und schauen, ob das bei uns möglich wäre», so Mazzi.