4300 Franken beträgt der durchschnittliche Einstiegslohn für einen ausgelernten Forstwart im Kanton Aargau. Nicht gerade viel für eine körperlich anspruchsvolle Tätigkeit, bei der die Forstwarte Wind und Wetter trotzen müssen. Zum Vergleich: Der Einstiegslohn für einen ausgelernten Maurer liegt bei rund 5500 Franken. Haben die Fricktaler Forstbetriebe aufgrund des tiefen Lohnniveaus wie andernorts in der Schweiz Probleme, genügend Fachkräfte zu finden?

«Nein», sagt Stefan Landolt, Leiter des Forstbetriebs Thiersteinberg. «Wir haben derzeit drei Lehrlinge und werden voraussichtlich nächstes Jahr wieder zwei bekommen», schiebt er nach. Generell hat das Fricktal im Gegensatz zu anderen Regionen den Vorteil, dass es wenige, dafür aber grosse Forstbetriebe gibt: «Damit ist gleichzeitig auch der Konkurrenzkampf um Lehrlinge und Fachpersonal geringer als anderswo», erklärt Landolt.

Anforderungen sind gestiegen

Auch ein Grund, weshalb der Forstbetrieb Thiersteinberg keinen Fachkräftemangel zu verzeichnen hat, ist die überdurchschnittliche Bezahlung: «Bei uns erhalten die Mitarbeiter einen Stundenlohn von rund 30 Franken. So kann auch ein Forstwart direkt nach der Ausbildung auf einen Monatslohn zwischen 5000 und 5500 Franken kommen.» Dieser Lohn sei gerechtfertigt, da die Anforderungen an den Beruf gestiegen sind: «Heute hat ein Forstwart nach seiner Ausbildung mehr Kenntnisse als der Gewerbeschullehrer vor 40 Jahren», sagt Landolt. Das Beherrschen verschiedener Arbeitstechniken und -maschinen, das Koordinieren von anspruchsvollen Arbeitssequenzen und ein ausgeprägtes Verständnis über die Abläufe in der Natur nennt der Förster als Beispiele.

Sein Amtskollege Sebastian Meier, Leiter des Forstbetriebs Laufenburg/Elfingen, hat ebenfalls keinen Grund, über einen Fachkräftemangel zu klagen: «Die Forstwarte, die wir beschäftigen, haben alle bei uns die Ausbildung absolviert.» Für die Rekrutierung des letzten Lehrlings verzichtete er darauf, die Stelle auszuschreiben: «Wir mussten nicht suchen, weil wir die Stelle an einen Schnupperlehrling vergeben konnten», so Meier.

Die Holzpreise sind im Keller

Schuld für die tiefen Löhne sind seiner Ansicht nach die extensiven Sparmassnahmen in der Forstbranche: «Durch den Holzpreisverfall fehlen unserem Betrieb pro Jahr rund 200 000 Franken an Verkaufserlösen. Um dies zu kompensieren, gibt es verschiedene Spar-Methoden wie beispielsweise das Lohnniveau tief zu halten», erklärt Meier.

Einen Ansatz, um dem Defizit aus dem Holzverkauf entgegenzuwirken, sieht Meier in der Abgeltung von Dienstleistungen für die Allgemeinheit: «Wir halten beispielsweise Waldwege instand, die von Spaziergängern oder Joggern genutzt werden. Es wäre deswegen fair, wenn wir dafür eine Entschädigung erhalten», sagt Meier und verweist auf die aargauische Volksinitiative «Ja für euse Wald».

Auch Förster André Schraner vom Forstbetrieb Mettauertal-Schwaderloch findet Gefallen an dieser Initiative. «Mit den jährlichen Finanzzuschüssen des Kantons könnten beispielsweise Projekte für Schüler lanciert werden, durch welche die Kinder und Jugendlichen ohne Bezug zum Wald ein Bewusstsein für diesen natürlichen Lebensraum entwickeln können», sagt Schraner.