Da liegt es, das Corpus Delicti. Mitten auf dem Trottoir. Ein Hundehäufchen. Oder besser: ein ordentlicher Haufen. Vom vierbeinigen Verursacher keine Spur und auch von seinem Menschen nicht, der das Häufchen, das stinkende, aufnehmen und in einem Robidog entsorgen sollte. So will es das Gesetz. Und so wollen es vor allem auch die Mitmenschen, die ungern in solche Hinterlassenschaften treten.

Was selbstverständlich tönt, ist es nicht immer. In regelmässigen Abständen müssen die Gemeinden ihre Hundebesitzer daran erinnern, den Hundekot nicht einfach liegen zu lassen. Aktuell richtet die Gemeinde Zuzgen einen «Appell» an die Hundebesitzer. «Leider musten wir vermehrt Hundekot auf dem Schulareal und in der Schulstrasse feststellen», heisst es in den Gemeinderatsnachrichten. Laut Gemeindeschreiberin Sabrina Stalder kommt es in Zuzgen etwa viermal pro Jahr vor, dass Rückmeldungen aus der Bevölkerung über liegen gelassenen Hundekot eingehen. «Wir machen die Hundehaltenden dann per Publikation auf eine korrekte Entsorgung aufmerksam», sagt Stalder.

Unangenehme Folgen

Auch in anderen von der AZ befragten Gemeinden tönt es ähnlich. «Zwei- bis dreimal» pro Jahr kommt es in Laufenburg laut Gemeindeschreiber Marco Waser zu Rückmeldungen, in Rheinfelden gehen laut Stadtschreiber Roger Erdin «gelegentlich, aber eher selten» Meldungen ein. In Stein bestehen «derzeit keine Probleme», sagt Gemeindeschreiber Sascha Roth. Gleiches gilt für Mettauertal, wie Sandra Umbricht, stellvertretende Gemeindeschreiberin, sagt.

«Das Personal des Bauamts wird auf seiner Robidog-Tour ab und zu angesprochen», sagt Michael Widmer, Gemeindeschreiber in Frick. Dabei gehe es oft um liegen gelassene Säcklein, welche die Hundehalter angeblich auf dem Rückweg mitnehmen wollten und dann «vergessen». «Richtig unangenehm wird es für unsere Mitarbeitenden des Werkhofes, wenn sie das Gras der Grünflächen mit dem Fadenmäher mähen und auf Hundekot stossen», sagt Marius Fricker, Gemeindeschreiber in Möhlin. «Diese sprichwörtliche ‹Sauerei› in Bezug auf Verschmutzung und Gestank an Kleidern und Ausrüstungsgegenständen lässt sich kaum in Worte kleiden.»

Dabei wäre es so einfach, die Hinterlassenschaften zu entsorgen: In allen Gemeinden stehen ausreichend Robidogs. In Frick beispielsweise sind es 42, in Laufenburg 38, in Mettauertal 34, in Möhlin 75 und in Rheinfelden gar 85. Dass das Problem in den letzten Jahren nicht kleiner geworden ist, liegt auch an der Zunahme an Hunden. In Laufenburg beispielsweise waren 2007 gut 70 Hunde gemeldet, jetzt sind es fast 240. In Frick stieg die Zahl der Hunde in den letzten 20 Jahren um 47 auf aktuell 249. In Rheinfelden lebten 1998 rund 450 Hunde, heute sind es gegen 600. In Möhlin stieg die Zahl innert fünf Jahren von 596 auf aktuell 648. Die Entwicklung ist allerdings im Fricktal nicht einheitlich. Es gibt auch Gemeinden, in denen die Zahl der Hunde zurückgegangen ist. So etwa in Zuzgen, wo vor zehn Jahren 95 Hunde gemeldet waren; aktuell sind es 73. Auch in Stein ist der Hundebestand «leicht rückläufig», sagt Roth.

Wo die Häufchen, die verflixten, liegen bleiben, hat kaum Systematik. Es gebe keine Hotspots, sagen die meisten befragten Gemeindeschreiber. In Rheinfelden bleiben die Häufchen sowohl in den Parkanlagen als auch in Quartieren oder am Rheinufer liegen. In Möhlin muss man häufiger im Sonnenpark, in der Allmend und auf dem ehemaligen Fussballplatz Rüttenen einem Häufchen ausweichen. In Frick ist laut Widmer die Verlängerung des Königswegs ausserhalb des Baugebiets ein Häufchen-Hotspot. Hier «trifft das Personal des Bauamtes oft auf unliebsame Hinterlassenschaften».

Machen können die Gemeinden gegen die Häufchen-Sünder wenig. Denn diese bleiben meist unentdeckt. Hundehalter, die auf frischer Tat erwischt werden, werden in Möhlin «höflich, aber bestimmt» auf die korrekte Hundekot-Entsorgung aufmerksam gemacht. In der Theorie können fehlbare Hundebesitzer zudem wegen «Verletzung der Aufnahme- und Entsorgungspflicht von Hundekot» mit 100 Franken gebüsst werden. Doch eben: Es bleibt häufig bei der Theorie. «Ordnungsbussen können nur dann ausgestellt werden, wenn ein Polizist oder eine Polizistin die Übertretung direkt selbst beobachtet und damit jemanden ‹in flagranti› erwischt», sagt Widmer.

Mehrheit hält sich an Vorschrift

In allen anderen Fällen können Verstösse zwar bei den Regionalpolizeien gemeldet werden. Die fehlbaren Personen werden dann von der Polizei mit der Anzeige konfrontiert und der Gemeinderat kann danach, gestützt auf die Anzeige der Polizei, einen Strafbefehl ausstellen. Nur eben: «Solche Fälle kommen sehr selten vor, vermutlich auch deshalb, weil Hundehalter den Kot oder die Säcklein nur dann liegen lassen, wenn sie sicher sind, dass sie dabei nicht beobachtet werden», sagt Widmer.

Grossmehrheitlich, das betonen alle befragten Gemeindeschreiber, halten sich die Hundebesitzer an die gesetzlichen Vorschriften – auch, was die Häufchen-Beseitigungspflicht betrifft. «Insgesamt verhalten sich die Hundehalterinnen und Hundehalter im Städtli aus unserer Wahrnehmung grossmehrheitlich korrekt und verantwortungsvoll», sagt Erdin. All diesen Hundehaltern, «darf dafür auch einmal gedankt werden», findet Widmer. Von den wenigen schwarzen Schafen wünscht sich Waser primär eines: «Ein wenig Anstand».