Der heisse, trockene Sommer hat den Igel kalt erwischt. Keine Würmer, keine Käfer, keine Schnecken – viele der stachligen Tiere hatten es in den letzten Monaten schwer, sich Gewicht für den Winter anzufressen. Dies weiss auch Anneliese Girlich, Leiterin der Igelstation in Rheinfelden. «In diesem Jahr ist es katastrophal. Viele der Tiere sind unterernährt. Wir haben alle Hände voll zu tun.»

Doch nicht nur das knappe Futterangebot ist ein Problem. «Weil es so lange warm war, sind noch bis spät in den September hinein Igel geboren worden», fügt sie hinzu. Erst kürzlich habe sie einen Jungigel mit einem Gewicht von 50 Gramm bei sich aufgenommen. «Ohne, dass wir ihn aufpäppeln, hätte er kaum eine Überlebenschance», sagt sie. Mindestens 500 bis 600 Gramm sollte ein diesjähriger Igel schon auf die Waage bringen, damit er sicher über den Winter käme.

Infektionsrisiko minimieren

Rund 22 Tiere werden derzeit auf der Igelstation von Girlich und acht Betreuerinnen aufgepäppelt. Wichtig dabei sei, dass die rund vier Quadratmeter grossen AussenGehege täglich gesäubert werden, um das Risiko für Erkrankungen zu minimieren. Laut Girlich seien Infektionen ein Problem, das sich gerade in Zeiten von Nahrungsknappheit beobachten liesse. «In solche Zeiten lockt eine Futterquelle, die von einer Privatperson bereitgestellt wird, nicht nur einen, sondern viele Igel an.» Damit bestünde jedoch auch die Gefahr, dass es durch den Kot der Tiere zu einer Infektion käme.

Igel-Kontrolle mit der Küchenrolle

Wie viele der Igel die kalte Jahreszeit überleben werden, ist stark vom Winterschlaf abhängig – dieser hat in den letzten von Dezember bis März stattgefunden. «Kommt es in dieser Zeit zu einem grossen Temperaturanstieg, wird der Winterschlaf des Igels gestört, was den Energieverbrauch erhöht», erklärt Girlich. Ob der Winterschlaf der Tiere, die in den Gehegen der Igelstation untergebracht sind, gestört ist, kontrolliert das Team um Girlich mit einer einfachen Methode: An die Öffnung des Schlaf-Häuschens wird ein Stück Küchenpapier befestigt. «Ist das Küchenpapier kaputt, wissen wir, dass der Winterschlaf unterbrochen wurde und wir Futter nachgeben müssen.

Beim Überqueren der Strasse kommt es ab und an vor, dass die Igel Rast auf der Fahrbahn einlegen. Dies, weil sie den warmen Asphalt mögen, der sich in der Sonne schnell aufheizt. «Wenn sich der Igel bewegt, trägt man ihn am besten über die Strasse», empfiehlt Girlich. Weiter als 20 bis 50 Meter in Laufrichtung solle man ihn jedoch nicht von der Strasse wegtragen, schiebt sie nach. «Igel sind ihrem Revier treu. Sie leben mehr oder weniger ihr ganzes Leben lang im gleichen Gebiet, das bis zu einem Quadratkilometer gross ist. Dort haben sie hervorragende Kenntnisse über Futterplätze und Versteckmöglichkeiten.»

Bewegt sich der Igel nicht mehr oder liegt er auf der Seite ohne erkennbare Verletzung, empfiehlt Girlich, schnellstmöglich die nächstliegende Igelstation zu informieren (für die Bezirke Rheinfelden und Laufenburg: Anneliese Girlich, 079 652 90 42). Ist der Igel hingegen verletzt, muss der Tierarzt kontaktiert werden.