Die THC-arme Riesen-Cannabis-Pflanze gedeiht prächtig inmitten des Hanf-Labyrinths der Pure Holding AG in Zeiningen. Rund drei Meter misst sie derzeit auf alle Seiten. Im heissen August hat sie an Spitzentagen bis zu 100 Liter Wasser benötigt. Bis Mitte Oktober wird die Pflanze noch auf rund 3,5 Meter anwachsen.

Dann wird sie abgeerntet. Geschäftsführer Stevens Senn geht davon aus, dass der Blütenertrag über zwei Kilogramm betragen wird. Bei einer normalen Pflanze sind es rund 200 Gramm. Die Riesenpflanze ist Teil eines Forschungsprojektes zusammen mit der ETH Zürich, in dem es darum geht, herauszufinden, wie hoch der maximale Ertrag einer Outdoor-Pflanze ist. Dazu wurde rund 1000 Pflanzen in kleine Töpfe gesetzt.

Derzeit arbeiten für das Unternehmen, das sich auf die Produktion von THC-armen Cannabis spezialisiert hat, rund 40 Vollzeitbeschäftigte. Ab Mitte Oktober, dann, wenn die Pflanzen auf dem Hanferlebnis-Hof für die Ernte bereit sind, werden es über 100 sein. «Die Ernte ist personalaufwendig. Innert drei bis vier Wochen ernten wir zwischen sechs bis sieben Tonnen an Outdoor-CBD», sagt Senn.

Die Ernte fällt später aus

In diesem Jahr falle die Ernte ein paar Tage später aus als für gewöhnlich. Grund hierfür sei die grosse Hitze der letzten Monate gewesen. Durch diese habe sich das Substrat in den Pflanzentöpfen stark erwärmt. «Dadurch sind die Wurzeln ein wenig zu warm geworden», sagt Senn. Auf die Riesen-Cannabis-Pflanze habe der Hitze-Sommer jedoch kaum Auswirkungen gezeigt. «Die Pflanze wurde in einem 15'000-Liter-Topf aufgezogen. Deswegen erhitzt sich das Wurzelwerk nicht so schnell, wie in den kleineren Töpfen», erklärt Senn.

Die Hauptaufgabe des Unternehmens sei jedoch nicht die Jagd nach Grössenrekorden, sondern das Erbgut der Cannabispflanzen weiter zu entschlüsseln und auf Grundlage dieser Daten massgeschneidert zu züchten. «Ob Aromaprofile, Blütenfarben, Schädlings- und Pilzresistenzen oder die Wachstumsgeschwindigkeit – wir wollen nichts dem Zufall überlassen», sagt er.

Forschung vorantreiben

Aus diesem Grund will das Unternehmen zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft, der Pure Cannabis Research AG, im nächsten Jahr in Kooperation mit der ETH Zürich das erste Cannabis-Forschungszentrum in der Schweiz betreiben. «Wir sind auf der Suche nach einem geeigneten Standort und schauen uns derzeit in Frick im Industriegebiet in der Nähe zur Walter Hasler AG um», sagt Senn. Wenn das Forschungszentrum in Betrieb geht, werden dort zwei Gärtner und fünf Forscher angestellt sein.

Neben einem Labor, einem Gewächshaus mit Platz bis zu 20'000 Pflanzen besteht das Herzstück der Anlage aus sechs bis acht Zuchtkammern. «In diesen werden unterschiedliche Klimabedingungen, so wie sie an verschiedenen Standorten weltweit herrschen, simuliert», sagt Senn. Die verschiedenen klimatischen Parameter werden dabei mit einem Messsystem kontinuierlich überwacht.

Genetiker für Krebstherapie

Neben der Forschung in der Züchtung sollen auch Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie das Verhältnis der Zusammensetzung der Bestandteile einer Pflanze sein muss, damit diese in der medizinischen Anwendung eine gewisse Wirkung erzielt. «Bereits jetzt haben wir eine Zusammenarbeit mit einem Spital in Israel, für die wir an neuen Genetiken für die Krebstherapie arbeiten», sagt Senn.

Einer der Forscher, der im nächsten Jahr im «Cannabis Research Center» in leitender Funktion tätig sein wird, ist Yannik Schlup von der ETH Zürich. «Cannabis ist eine Naturheilpflanze, die wir durch unsere Forschungserkenntnisse Millionen von Menschen näher bringen können», ist er überzeugt.