Frick Abstimmung GEMEINDE

Eine Frage treibt die Fricker derzeit um: Welche Karte sticht am 18. Oktober? Nicht bei den Nationalratswahlen, nein, da hat keiner der sechs Kandidaten aus Frick eine reelle Chance. Die Karte, die gemeinte, ist jene der Einbürgerungspraxis.

Bislang sichert die Gemeindeversammlung den Einbürgerungswilligen das Gemeindebürgerrecht zu. Künftig soll dies der Gemeinderat tun. So will es Letzterer und so wollte es auch eine klare Mehrheit an der Gemeindeversammlung. Da dafür die Gemeindeordnung geändert werden muss, kommt es in zwei Wochen zur obligatorischen Referendumsabstimmung.

Die Positionen sind bezogen: Die SVP wehrt sich gegen die Praxisänderung, weil sie darin einen Demokratieabbau ortet. Die anderen Ortsparteien sind dafür, weil die Gemeindeversammlung de facto nur Ja sagen kann und die Abstimmungen somit zur Farce geworden sind.

Ja oder Nein, das ist hier also die Frage, die – zugegebenermassen – nicht derart existenziell ist wie jene von Hamlet, aber doch viele Fricker umtreibt. Eine Hilfe bei der Entscheidungsfindung wollen zwei Abstimmungsflyer bieten, die in dieser Woche in alle Haushaltungen flatterten. Die az hat die beiden Elaborate auf ihre grafische und inhaltliche Wirkung geprüft und verteilt Punkte. Ausser Konkurrenz läuft die Botschaft des Gemeinderates mit. Ein «Duell» in drei Schritten.

Die Optik: Klassisch-schlicht trifft auf modern-peppig. Das Ja-Komitee verzichtet, abgesehen von den drei Parteilogos, auf Visualisierungen und setzt, frei nach Friedrich Halm: «Ich will! Das Wort ist mächtig», auf Nur-Text. Ins Auge springt einem das Ja, das in seiner Ausdehnung mehr Befehl denn Einladung ist. Der Text ist eher kurz und klar gegliedert, was dem Schnellleser zweierlei insinuieren kann: Es ist alles klar. Oder: Die Ja-Sager haben keine Argumente.

Das Nein-Komitee appelliert in der Farbgebung und der Symbolik an die Schweizer Seele. Das Schweizerkreuz als Entertaste, der Schweizer Pass schemenhaft darunter, ein Stempel «Verwaltungsakt» dazwischen, ein Fettes Nein (natürlich weiss) auf rotem Grund und allerlei andere Buchstaben in allerlei Grössen und allerlei Formatierungen rundherum. Man hört es: Zu viel gewollt, das Auge irrt durch den Raum, auf der rastlosen Suche nach dem Punkt, dem ultimativen, der Halt verspricht. Die Rückseite, sie dröhnt einen mit Text voll, natürlich wieder in allerlei Grössen und – Sie wissen schon ...

Immerhin: Es hat eine Rückseite; selbige bleibt beim Pro-Komitee unbefleckt.

Immerhin II: Die Botschaft des Gemeinderates ist noch die viel grössere Bleiwüste, aber das darf so sein, so tönt es aus dem Gemeindehaus, denn die Botschaft will ja kein Flyer sein. Der langen Rede kurzer Sinn: Nach dem optischen Duell steht es 1:0 für das Nein-Komitee.

Die Argumente: Der Nein-Flyer zeigt dem Leser auf einen Blick: Wir haben deren vier. Auf dem Ja-Papier muss man Pünktlein zählen – und kommt auf deren sechs. Wobei: Nicht jedes Argument hat auch die Kraft, Argument zu sein. Dass die Gemeindeversammlung dem Anliegen zugestimmt hat (Pro-Flyer), ist ebenso wenig von Tragkraft, wie, dass bei einem Ja das Damoklesschwert über dem Gemeinderat wegfalle. Erstes ist zwar ein Fakt, taugt aber nicht zum Argument; Zweites ist eine Behauptung, die impliziert, dass der Gemeinderat nach einer Kompetenzdelegation frei nach Goethe denkt: Da steht ihr nun, ihre armen Tore, derweil wir einbürgern, wie nie zuvor(e). Nach der zweiten Runde steht es: 1:1.

Das Golden Goal: Den schärfsten Schuss feuert das Nein-Komitee ab mit: «Wir bauen eines unserer Volksrechte definitiv ab.» Der Konter der Ja-Seite: «Ein Demokratieabbau findet nicht statt.» Ein Patt. Und so bleibt es beim: 1:1.