Die Stadt Payerne im Kanton Waadt will gegen Littering durchgreifen. Zivile Beamte verteilen seit einigen Wochen Bussen an Sünder. 100 Franken kostet ein weggeworfener Zigarettenstummel. Auch, wer im Fricktal Abfall auf den Boden wirft, riskiert eine Busse. In den Polizeireglements ist «Littering» explizit untersagt. Bei Widerhandlung drohen den Abfallsündern Bussen in der Höhe von bis zu 100 Franken.

So zumindest die Theorie. In der Praxis zeigt sich jedoch: Bussen werden nur selten ausgestellt. Im letzten Jahr etwa büsste die Regionalpolizei Unteres Fricktal niemanden wegen Littering, die Beamten im Oberen Fricktal erwischten zwei Abfallsünder. 2016 stellten die Regionalpolizeien insgesamt 12 Bussen aus.

Büssen ist schwierig

Der Grund für die niedrigen Zahlen ist nicht etwa, dass kaum jemand seinen Abfall auf den Boden wirft. Aber die Beamten müssen die Abfallsünder in flagranti erwischen, damit sie eine Busse ausstellen können. Nur: Wer einen Beamten in Uniform sieht, wird kaum seinen Abfall vor dessen Augen auf die Strasse werfen.

Viele Gemeinden im Fricktal setzen daher auf weitere Massnahmen – und haben damit zumindest teilweise Erfolg. In Laufenburg beispielsweise war jahrelang das Schulhaus Burgmatt ein «Littering-Hotspot». Jugendliche, die dort am Wochenende feierten, liessen Glasflaschen, Dosen und anderen Güsel zurück. Seit aber eine Kamera alles filmt, sei «eine Verbesserung spürbar», sagt Stadtschreiber Marco Waser. «Die Überwachung scheint eine abschreckende Wirkung zu haben.» Vielleicht auch, weil bereits Abfallsünder gefilmt und später gebüsst wurden.

Grenzen der Überwachung

Dieser Effekt zeigt sich auch in Stein: Bei der Bahnhofsunterführung, früher fast dauernd ein Ziel von Vandalen und Abfallsündern, ist nun «Ruhe», wie Gemeindeschreiber Sascha Roth sagt. Die Gemeinde lässt den Ort mit sieben Kameras überwachen. Auch beim Schulhaus sind mehrere Kameras installiert, trotzdem kommt es noch zu Vorfällen mit Vandalen und Litterern. Nun soll das Areal besser beleuchtet werden, um den Tätern weniger dunkle Ecken zu gewähren. «Das wird die Situation verbessern», ist Roth überzeugt.

Aber er wie auch Marco Waser wissen: Der Überwachung sind Grenzen gesetzt, aus rechtlicher und technischer Sicht. In Laufenburg reklamieren Anwohner immer wieder, dass an der alten Hauptstrasse in Richtung Rheinsulz Abfall weggeworfen werde. «Eine Überwachung auf der ganzen Strecke ist aber schlicht nicht möglich», sagt Waser. Die Abfallsünder werden unter den Bewohnern des ehemaligen Restaurants Salmen vermutet. «Wir haben versucht, sie zu sensibilisieren», sagt Waser. Allerdings: Vor zwei Wochen ging wieder eine Reklamation ein.

Deshalb bleibt auch ein weiteres Rezept gegen Littering wichtig: schnelles Aufräumen. «Herumliegender Abfall wird regelmässig eingesammelt», sagt der Fricker Gemeindeschreiber Michael Widmer. In der Hoffnung, dass Litterer die sauberen Plätze nicht verdrecken.