Die Gaswolke entzündet sich und fügt dem Baggerfahrer schwere Verbrennungen zu. Er windet sich am Boden liegend und ruft mit schmerzverzerrtem Gesicht um Hilfe. Ein Feuerwehrtrupp eilt herbei und birgt das Opfer aus der Gefahrenstelle – alles nur simuliert, doch die Feuerwehr-Gruppenführer sind bei der Bewältigung des Schadenszenarios hoch konzentriert, denn: Sie bilden sich zu Feuerwehroffizieren weiter.

Zu diesem Zweck führt die Aargauische Gebäudeversicherung eine Ausbildung in Frick, Gipf-Oberfrick und Oeschgen für 39 Teilnehmer aus dem ganzen Kanton durch. «Der Offizierskurs hat das Ziel, die zukünftigen Offiziere auf ihre Aufgaben vorzubereiten», sagt der Oberleutnant und Kurskommandant Adrian Gysi. Dabei geht es einerseits darum, dass die Kursteilnehmer lernen, eine Feuerwehr im Einsatz zu leiten und anderseits, eine Ausbildung selbst zu planen und durchzuführen.

25 Gebäude bereitgestellt

Um die Gefahren- und Schadensszenarien so real wie möglich nachzuahmen, organisierte Kurs-Adjutant und Oberleutnant Roger Weber die nötige Infrastruktur: «In 25 Gebäuden können die Feuerwehr-Klassen vom Keller bis zum Estrich alle Räume brandtechnisch begutachten», sagt Gysi und fügt hinzu, dass sich die Bewohner der zur Verfügung gestellten Ein- und Mehrfamilienhäuser äusserst gastfreundlich verhalten, da die Feuerwehrleute von morgens bis abends in den Wohnungen ein- und ausgehen können.

Gestern mussten die Offiziers-Anwärter auf dem Gelände der Tonwerke Keller AG in Frick ihre Fähigkeiten beweisen. An zehn Schadensstationen mussten die fünf Feuerwehrklassen Gefahren erkennen und dementsprechend handeln. So gab es beispielsweise einen Rohrbruch in der Nähe eines Trafowerkes oder die Ladung eines mit Chemikalien befüllten Transporters ging in Rauch auf. «Wir versuchen dem Adrenalinausstoss einer Ernstsituation nahe zu kommen, indem wir durch Zeitdruck Stress auf die Auszubildenden aufbauen», erklärt Gysi.

Geistige Beweglichkeit zählt

Nachdem die Feuerwehrklassen die einzelnen Schadensstationen bewältigt haben, wird der Einsatz mit dem jeweiligen Klassenlehrer besprochen. «Bei den Übungen geht es um geistige Beweglichkeit und darum, potenzielle Gefahren zu erkennen und anschliessend effizient zu bearbeiten», sagt Weber.

Zum Abschluss der Kurswoche schlüpfen die Feuerwehrleute in die Rolle des Einsatzleiters und müssen einzelne Schadenslagen eigenverantwortlich beurteilen und darauf hin einen Entscheid fällen. Nach insgesamt 60 absolvierten Einsatzstunden entscheidet die Gemeindebehörde oder die Betriebsleitung, ob ein Teilnehmer den Offizierskurs bestanden hat.