Jetzt geht alles schnell: Nur zwei Tage, nachdem die AZ über den «lebensgefährlichen Strassenbelag», wie ein Einwohner von Obermumpf einen rund 300 Meter langen Abschnitt auf der frisch sanierten Kantonsstrasse zwischen Mumpf und seinem Dorf nannte, berichtet hatte, stehen die Teermaschinen am Strassenrand wieder breit.

Der Obermumpfer, ein radsportbegeisterter Zeitgenosse mit über 160 000 Velokilometern in den Beinen, traute seinen Augen nicht, als er am Mittwochabend von der Arbeit mit dem Auto nach Hause fuhr. «Kaum zu glauben, am Nachmittag wurde in Mumpf markiert und am Abend, als ich heimkam, standen die Maschinen schon bereit», schreibt er spätabends der AZ.

Im Dorf, wo sich etliche Einwohner über den «brandgefährlichen Strassenabschnitt» mokiert hatten, machte die «frohe Kunde» bereits am Mittwochnachmittag die Runde: Eine Obermumpferin bekam nämlich einen Anruf vom Kanton mit der erlösenden Antwort: Es wird bis an den Strassenrand geteert, bevor die Markierung angebracht wird.

«Schnell für Lösung entschieden»

Die Nachbesserung bestätigt Kreisingenieur Stefano Donatiello gegenüber der AZ. «Wir haben uns schnell für eine Lösung entschieden», sagt er. «Das Bankett wird bis zur betonierten Stützkonstruktion mit Belag gefüllt, sodass neben der Randmarkierung kein Absatz mehr besteht.»

Doch weshalb kam es überhaupt zu der steilen, bis zu zehn Zentimeter hohen Kante zwischen dem Fahrbahnbelag und dem sogenannten Strassenbankett? In der Regel wird das Bankett mit Mergel ausgeführt und ist rund drei Zentimeter tiefer als der Deckbelag. «Ursprünglich hatte die Strasse in der Projektierung ein anderes Gefälle, deshalb ist der Bankettriegel an gewissen Stellen rund zehn Zentimeter tiefer als der Strassenbelag», erklärte Donatiello Anfang Woche gegenüber der AZ die Diskrepanz zur Norm. Weil die Strasse in diesem Strassenabschnitt ein starkes Längsgefälle aufweise, würde der Mergel bei starken Regenereignissen aber ausgewaschen werden. «Deshalb haben wir uns entschieden, das Bankett mit Belag zu versehen.»

Die Folge: Ebendiese steile Kante, die der Obermumpfer Rennradfahrer als «brandgefährlich» brandmarkte. «Der Autofahrer sieht den Niveauunterschied nicht und drängt die Velofahrer zur Seite», befürchtete er. «Stürze sind so programmiert.» Er jedenfalls habe auf seinen Velotouren durch ganz Europa «noch nirgends eine so gefährliche Situation gesehen». Die Kante sei aber auch für Autofahrer gefährlich, ist der Hauswart, der die Strecke fast jeden Tag auf dem Arbeitsweg mit dem Auto fährt, überzeugt. «Wenn jemand mit den Rädern über die Kante hinauskommt, wird er Mühe haben, wieder hochzukommen.»

Dass die kantige Lösung eine schlechte Idee war, weiss man auch beim Kanton. «Uns ist in der Zwischenzeit auch bewusst, dass es mit diesem Absatz zu gefährlichen Situationen kommen kann», sagte Donatiello Anfang Woche zur AZ. Man habe «diesem Randdetail in der Projektierung zu wenig Beachtung geschenkt», räumte der Kreisingenieur ein. Dies auch deshalb, weil die offizielle Radroute zwischen Mumpf und Obermumpf rückwärtig auf einem neu erstellten Radweg verläuft. Dieser macht – und darin sind sich Kreisingenieur und Rennradfahrer einig – Sinn, denn: «Die Strecke ist für Radfahrende gefährlich.»

Sorge um die Steuergelder

In Obermumpf ist man froh, dass der Kanton die gefährliche Situation, die er selber geschaffen hat, so schnell wieder behebt und die Teermaschinen nur rund zwei Wochen nach der Fertigstellung der Strasse nochmals aufgefahren sind. Nur: «Wieso nicht gleich beim ersten Mal?», fragt der radelnde Hauswart und fügt irritiert hinzu: «Da kann ich nur den Kopf schütteln.» Besorgt schiebt er nach: «Wird so mit unseren Steuergeldern umgegangen?»

Dass durch die Nachbesserungen Mehrkosten entstehen, bestätigt Donatiello. Er beziffert diese auf rund 5000 Franken. Berappt werden sie vom Kanton – und damit indirekt von den Steuerzahlern.

Wie hoch die gesamten Baukosten für die Sanierung des Strassenabschnittes zwischen Mumpf und Obermumpf sind, lässt sich laut Donatiello noch nicht genau beziffern, «da noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen sind». Da sich das Projekt im Ausserortsbereich befindet, werden «sämtliche Kosten vollumfänglich vom Kanton getragen».