Auf der Burg wohnen wird er zwar nicht, schreiben in der Stadt jedoch sehr wohl. Eine sechsköpfige Jury um die Kulturschaffenden Martin Willi und Petra Gabriel hat das Literatur-Stipendium «Burgschreiber zu Laufenburg» an Markus Manfred Jung vergeben. Der 64-Jährige wird ab März drei Monate lang kostenlos auf deutscher und Schweizer Seite wohnen und innert dieser Zeit zur Feder greifen. 

«Die Jury ist von seinen schriftstellerischen Qualitäten mehr als überzeugt», begründet Gabriel den Entscheid. Jung, der in in Hohenegg, Kleines Wiesental, lebt, schreibt Gedichte, Geschichten, Theaterstücke und Hörspiele in alemannischer Mundart und auf Hochdeutsch. 22 Bücher hat er bis dato veröffentlicht. Dazu zählt auch das Schauspiel «D Bluetschuld vo Laufeburg», in dem der Heimatdichter die Zeit des 30-jährigen Krieges aufgreift. «Jung hat einen Bezug zur Region, für die Menschen ist er ein Begriff», nennt Gabriel als weiteres Argument für die Wahl. Neben Jung haben sich 15 weitere Schriftsteller unter anderem aus Berlin, München, Mainz, Hamburg und der Schweiz beworben.

Das Stipendium steht unter dem Motto «Ankommen». Gerade vor diesem Hintergrund freut sich Jung, dass die Wahl auf ihn gefallen ist. So musste er, nachdem er nach 33 Jahren als Lehrer im Sommer seinen letzten Arbeitstag absolvierte, erst einmal wieder «bei sich selbst ankommen», wie er sagt. «Ich bin im August von zu Hause aus alleine nach Süden losgewandert – ohne Ziel.» Zwei Alpenkämme habe er überquert, Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen geführt und existenzielle Erfahrungen gemacht. «Ich habe nach dem Sprachbad in der Schweiz gesucht, denn hier in der Gegend, die meine Heimat ist, geht die Dialektbasis so langsam verloren, aus der ich immer geschöpft habe», sagt Jung.

«Ein Nehmen und ein Geben»

Nachdem Jung den Lago di Mergozzo im Piemont erreicht hatte, machte er kehrt und kam mit einem dicken Tagebuch voller Notizen zurück. Jung hat vor, diese Gesprächsnotizen zu einem Buch zu verarbeiten. «Die Unterhaltungen, die ich mit den Menschen geführt habe, werde ich auf Alemannisch niederschreiben, meine Reflexionen darüber auf Schriftdeutsch», sagt Jung.

Neben den Erlebnissen, die er auf der Wanderschaft gemacht hat, ist für Jung klar, dass er sich auch mit der «sympathischen Doppelstadt» literarisch auseinandersetzen wird. «Sicher, das Stipendium ist ein Nehmen und ein Geben», sagt er. Einen Druck, zu wenig Inspirationsquellen in der Stadt zu finden, verspürt Jung nicht. Inspiration böten Gespräche mit den Menschen oder auch die bewegte Stadthistorie. «Und Fasnacht ist ja auch noch, wenn ich da bin», so Jung.

Die im Gegensatz zu seinen jetzigen vier Wänden schlichten Wohnverhältnisse, mit denen sich der pensionierte Lehrer während des Stipendiums arrangieren muss, werden seiner lyrischen Musse keinen Abbruch tun – im Gegenteil: «Alles, was ich zum Schreiben brauche, ist ein Bett, ein Schreibtisch und etwas zu essen», sagt Jung, der sich darauf freut, weg von zu Hause die Zeit ausschliesslich seiner Passion, dem Schreiben, widmen zu können.