«Manche Kinder sehen auf einem Schulausflug in den Wald zum ersten Mal einen Pilz», sagt die Biologielehrerin Julia De Maddalena.

Weil «Kinder immer mehr den Bezug zur Natur und zu den Tieren verlieren», hat die 31-Jährige mit ihrer Kollegin Serena Müller (30) ein Angebot erstellt, das Abhilfe schaffen soll. Die Kinder sollen in einem spielerischen Rahmen mehr Nähe zur Natur gewinnen und den Umgang mit Tieren erlernen.

Das neue Angebot «Walderlebnis mit dem Pferd» auf dem Kaister Heuberg setzt auf Reitpädagogik in der Natur. Kinder ab vier Jahren können an den Nachmittagen auf dem Islandpferdehof teilnehmen. Auch einen Kindergeburtstag kann man durchführen.

Pferd putzen, Spiele und Zvieri

Zuerst wird Pferd Stjarni geputzt. Danach machen De Maddalena und Müller mit den Kindern Spiele rund um das Pferd und bringen nebenbei den Kindern etwas über das Verhalten des Tiers bei. Anschliessend geht es los in den Wald.

Jedes Kind, das sich traut, darf Stjarni selber einmal am Halfter führen. Im Wald gibt es ein gemeinsames Zvieri, ehe es nach rund drei gemeinsamen Stunden wieder zurück auf den Hof geht.

Die ersten reitpädagogischen Anlässe auf dem Heuberg haben schon vergangenen November stattgefunden. An drei Nachmittagen waren De Maddalena und Müller mit Kindern im Wald. «Die Rückmeldungen fielen sehr gut aus. Die Kinder wollen wiederkommen», sagt De Maddalena.

Auch das Feedback der Eltern sei durchaus positiv ausgefallen. «Sie freuten sich, dass die Kinder so gut mit uns mitgekommen sind und Spass hatten.»

Es ist Teil des Konzepts, dass die Eltern die Kinder zwar auf den Hof bringen und zu Beginn noch zuschauen können, doch später im Wald sollen sie nicht mehr dabei sein. «Da machen wir eigentlich auch keine Ausnahmen. Sonst wollen alle eine Ausnahme», sagt De Maddalena und lacht.

Da die kalten Monate langsam vorbei sind, wollen die Freundinnen mit ihrem Angebot nun richtig loslegen. Um darauf aufmerksam zu machen, haben sie eine Facebook-Seite erstellt, auf der sie regelmässig Fotos posten. Zudem haben sie in der Region Kaisten Flyer verteilt. Ziel ist es, alle zwei Wochen einen Nachmittag in der Natur durchführen zu können.

Cowboys und Feen im Wald

«Da die Anlässe bei jedem Wetter stattfinden, muss man sich manchmal gut anziehen», sagt De Maddalena. Die Pädagoginnen widmen jeden Anlass einem Thema. Gut möglich also, dass man von Zeit zu Zeit kleine Cowboys oder Feen im Kaister Wald antrifft.

Julia De Maddalena und Serena Müller sind selber seit 25 Jahren leidenschaftliche Reiterinnen. Die jungen Frauen, die im Sommer ihre Ausbildungen als Reitpädagoginnen abgeschlossen haben, wollen an den Anlässen den Kindern aber nicht das Reiten beibringen. Vielmehr geht es darum, dass Kinder den Umgang mit dem Pferd erlernen und Dinge über die Natur erfahren.

«Wir wollen uns Zeit nehmen. Wenn wir zum Beispiel etwas basteln und die Kinder dafür lang brauchen, bis sie fertig sind, dann ist das so», sagt De Maddalena. Die Kinder sollen Zeit bekommen für Dinge, die sie gern machen. «Diese Zeit hat man in der Schule und im Alltag nicht immer.»

Die Gruppen, die sich für einen Nachmittag im Wald treffen, sollen nicht zu gross sein. «Wir wollen auf die einzelnen Kinder eingehen können», sagt De Maddalena. «Wenn ein Kind Angst vor dem Pferd hat, wollen wir es unterstützen können.»