Über Jahrhunderte hinweg gehörten Herznach und Ueken zur gleichen Vogtei. Erst 1801 verlangte Ueken die Trennung. Grund sei offenbar die schlechte Finanzlage der Gemeinde gewesen, sagt der Ueker Historiker Linus Hüsser.

Das Oberamt in Rheinfelden habe die Trennung zwar genehmigt, doch die damalige politische Situation nach dem Ende der Habsburger Herrschaft verhinderte die Bildung einer selbstständigen Gemeinde. Vollzogen wurde die Trennung schliesslich nach einem erneuten Vorstoss der Ueker.

Der Aargauer Regierungsrat bewilligte das Begehren im September 1803. In der Folge wurden der Wald und die Schulden vertraglich aufgeteilt.

Früher eine gemeinsame Vogtei

Seit dem vergangenen Jahr prüfen die beiden Gemeinden nun aber wieder eine vertiefte Zusammenarbeit. Auch eine Fusion ist nicht ausgeschlossen. Ende September wurden die Resultate der von der AWB Comunova AG durchgeführten Analyse öffentlich präsentiert. Die Studie ist auch auf der Website der Gemeinden einsehbar.

Linus Hüsser, der auch Kirchenpflegepräsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde Herznach-Ueken ist, wirft zunächst einen historischen Blick auf die laufenden Abklärungen. «Es wäre nicht der erste Zusammenschluss von Gemeinden, die einst eine gemeinsame Vogtei gebildet haben», sagt er. Im Mettauertal bildeten die Fusionsgemeinden ausser Hottwil eine Vogtei und auch der Zusammenschluss von Kaisten und Ittenthal sei eine Wiedervereinigung.

Gemeindeübergreifende Vereine

Da es zwischen den Gemeinden bereits eine enge Zusammenarbeit auf Vereinsebene, aber auch bei der Wasserversorgung oder beim gemeinsamen Friedhof gebe, sehe er derzeit «kaum Opposition» gegen die weiteren Abklärungen, sagt Hüsser. Er schätzt die Haltung der Bürger momentan noch als abwartend ein.

Diese Ansicht teilt auch Feuerwehrkommandant Daniel Frangi. «Es ist noch nicht so ein grosses Thema», sagt er. «Feuerwehrtechnisch» spiele es ohnehin keine Rolle. Die beiden Gemeinden haben seit 1982 eine gemeinsame Feuerwehr. «Einzig die administrative Arbeit würde wohl noch etwas erleichtert», so Frangi. Unterschiede oder Differenzen seien in der Mannschaft keine spürbar. «Wir sind eine Einheit.»

Nur wenig Opposition gegen Fusion

Auch er verweist auf die vielen Vereine, die gemeindeübergreifend agieren. Er glaube deshalb nicht, dass es viel Opposition gegen eine vertiefte Zusammenarbeit oder eine Fusion gebe. Marcel Suter, Wirt im Herznacher «Löwen», sagt dagegen, dass das Thema im Restaurant diskutiert werde und es geteilte Meinungen gebe. Er selber habe sich bislang noch keine Meinung gebildet.

Auch Max Sterchi, der als Präsident des Vereins Pro Buech an vorderster Front gegen eine Aushubdeponie im Gebiet Buech gekämpft hatte, hat die Ergebnisse der Analyse noch nicht studiert. Deshalb könne er sich zum konkreten Projekt nicht äussern. Allgemein sei er aber der Meinung, man müsste den Vorschlag von Gertrud Häseli (Grossrätin, Grüne) vertieft prüfen, um im Aargau eine echte Strukturverbesserung zu erreichen. Häseli hatte jüngst vorgeschlagen, die Anzahl der Gemeinden im Aargau auf 50 und im Fricktal auf fünf zu reduzieren.

Droht ein Identifikationsverlust?

Nicht ganz so weit geht Linus Hüsser. Doch auch er fragt sich, ob es nicht sinnvoll sein könnte, mit Densbüren zumindest noch eine dritte Gemeinde mit ins Boot zu holen. «Aber Densbüren ist halt eher nach Aarau hin orientiert.»

Gegner einer Fusion ist Stefan Schraner, der zwar nicht in den beiden Gemeinden wohnt, aber in Herznach die Hohl AG führt. «Es wird nicht einfacher werden, Leute für politische Ämter zu gewinnen», kontert er eines der Argumente für eine Fusion. «Im Gegenteil: Die Leute verlieren die Identifikation mit dem Dorf.» Eine vertieftere Zusammenarbeit mache aber sicher Sinn. Dass die Gefahr des Identifikationsverlustes besteht, weiss auch Hüsser. Und selbst in der Analyse der AWB Comunova AG wird auf dieses Risiko hingewiesen.

Das nächste Wort haben nun die Bürger. Gemäss dem Herznacher Gemeindeschreiber Harry Wilhelm wird in der nächsten Woche die Bevölkerungsumfrage verschickt. Je nach Resultat dieser Umfrage legen die beiden Gemeinderäte dann das weitere Vorgehen fest.