Ein Song von DJ Ötzi trifft sehr gut, was sich viele Rheinfelder derzeit herbeisehnen: «Einen Stern, der deinen Namen trägt». Besagter Stern ist jedoch, anders als beim Schunkelsong des Tiroler Schlagerstars, nicht hoch am Himmelszelt zu Hause, sondern hier unten auf der Erde. Genauer: auf dem Rhein.

Im letzten August nahm die Basler Personenschifffahrt AG (BPG) den «Rhystärn», das neue Prunkstück der Flotte, in Betrieb. Bis an die Anlegestelle in Rheinfelden hat es der «Rhystärn» seither allerdings noch nie geschafft. Nicht, dass er das nicht wollte, ganz im Gegenteil, er fuhr im letzten Jahr drei Monate lang sechs Mal pro Woche bis vor die Tore des Zähringerstädtchens. Doch dann war jeweils Schluss, der tiefe Wasserstand liess ein Anlegen nicht zu.

Schnee von gestern, ist man versucht zu sagen. Schön wäre es. Denn der Schnee, in seiner flüssigen Form, fliesst auf dem Rhein immer noch zu spärlich, um Rheinfelden anfahren zu können. «Infolge des anhaltenden Niedrigwassers reicht die momentane Wassertiefe nicht aus, um die Haltestelle Rheinfelden bedienen zu können», schreibt die BPG, die am Karfeitag in die neue Saison gestartet ist, auf ihrer Homepage. Die anderen Haltestellen, darunter jene in Kaiseraugst, fährt der «Rhystärn» auf seiner grossen Schleusenfahrt dagegen an. «Das Niedrigwasser behindert einzig das Anlegen der Schiffe in Rheinfelden», sagt Peter Stalder, Geschäftsführer der BPG, auf Anfrage. «Momentan fehlen dafür rund 30 bis 40 Zentimeter.»

Genau diese Zentimeter will die Stadt gewinnen, indem sie den Rhein bei der Anlegestelle um rund 80 Zentimeter ausbaggern lässt. «Beim jetzigen Wasserstand könnte nach erfolgter Ausbaggerung Rheinfelden angefahren werden», bilanziert Stalder, der die Ausbaggerung als «nachhaltige Lösung» sieht.

Nur eben: Es bleibt bis im Juli beim Konjunktiv. Denn die Arbeiten am Rheingrund können erst dann ausgeführt werden. Geplant war das anders. Geplant war, den Rhein im April auszubaggern und damit auf den Saisonstart der BPG hin für den Fall bereit zu sein, dass der Rhein wenig Wasser führt.

Ein guter Plan, wie sich nun zeigt – allerdings hatte er einen Schönheitsfehler: Zwischen Dezember und Juni dürfen die Arbeiten an der Gewässersohle nicht ausgeführt werden. Dies, um die kieslaichenden Fischarten zu schonen. Das geht aus der fischereirechtlichen Bewilligung für die Ausbaggerung des Rheins hervor, welche die Stadt am 10. April zwar vom Kanton erhalten hat – aber eben mit der Auflage, die Arbeiten erst ab Juli durchzuführen.

Damit wurde die Stadt auf dem falschen Fuss erwischt. Denn eine Erneuerung der Anlagestelle war ohnehin seit längerem geplant. Diese Arbeiten sind derzeit noch im Gange und dafür – respektive für das Versenken der neuen Dalben, also der im Hafengrund eingerammten Pfähle zum Befestigen oder Abweisen von Schiffen – lag bereits seit Oktober 2017 eine fischereirechtliche Bewilligung vor. «Die Arbeiten wurden mit der Auflage bewilligt, dass die Arbeiten im Gewässer wegen der kiesablaichenden Barben in den Monaten Mai und Juni nicht erlaubt sind», sagt Erdin. Vor diesem Hintergrund habe man – nachdem die beauftragte Unternehmung in Verzug sei – «alles darangesetzt, dass die Arbeiten zeitgerecht bis Ende April abgeschlossen werden können».

Keinen Kompromiss gefunden

Die Stadt ging deshalb, wenig verwunderlich, davon aus, dass für die zusätzlichen, niedrigwasserbedingten Arbeiten – sie wurden erst im letzten Herbst beschlossen – die gleiche Schonfrist gilt. Im November reichte die Stadt das Gesuch ein, den Felssporn im Bereich der Anlegestelle abtragen zu dürfen. Im April bekam sie dafür von der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer die Bewilligung – allerdings mit der zeitlichen Auflage. Diese Auflage habe die Stadt überrascht, sagt Erdin. «Dies ist aus unserer Sicht ein gewisser Widerspruch zur Bewilligung vom Oktober 2017.» Zudem habe man im Gesuch explizit auf den Ausführungszeitpunkt hingewiesen und keinen Hinweis von der kantonalen Fachstelle erhalten, dass dies dann nicht möglich sei.

Die Stadt suchte daraufhin das Gespräch mit dem Kanton. Diese Gespräche haben inzwischen stattgefunden, wie Erdin bestätigt. Allerdings brachten sie nicht den gewünschten Kompromiss. «Nach den Gesprächen und weiteren Abklärungen werden die Rheinaustiefungsarbeiten nun um rund zwei Monate auf den Juli verschoben», so Erdin. «Die mögliche Ausgleichsmassnahme im Umfang von rund 70 000 Franken war für uns keine tragbare Lösung.»

Sanierung wird deutlich teurer

Die Kosten für die Ausbaggerung belaufen sich laut Erdin auf rund 45 000 Franken. Deutlich teurer werden dagegen die restlichen, seit langem geplanten Arbeiten an der Anlegestelle. Statt auf 710 000 Franken, wie im Kredit bewilligt, kommen sie auf rund 950 000 Franken zu stehen. Zu den happigen Mehrkosten kommt es, weil die Stahlwasserbauarbeiten insgesamt rund 180 000 Franken über den Kostenvoranschlag vergeben werden mussten. «Wir müssen annehmen, dass die Auftragsbücher der für diese Arbeiten spezialisierten Unternehmungen seit längerer Zeit voll sind», vermutet Erdin.

Diese Mehrkosten waren auch der Grund, weshalb die Stadt eine erste Submission Anfang 2018 abgebrochen, die Arbeiten um ein Jahr verschoben und neu ausgeschrieben hatte. «Trotz dieses zeitlichen Aufschubes konnten schliesslich keine wesentlich besseren Angebote erzielt werden», so Erdin.

Die Arbeiten sind noch im Gang. Den «Rhystärn» bringen sie jedoch nicht nach Rheinfelden. Ihm können bis im Juli, wenn der Felssporn abgetragen wird, nur Regen und die Schneeschmelze helfen. Bis dahin wartet man in Rheinfelden auf den «Stern, der deinen Namen trägt».