«Wir haben den Regierungsrat gebeten, abzuklären, wer für die Schäden zuständig ist, die im Stauraum des Kraftwerks Laufenburg an der rheinseitigen Altstadt im Bereich der Laufengasse entstanden sind», geht der Laufenburger Stadtammann auf das Schreiben ein, das in diesen Tagen an den Regierungsrat verschickt worden ist.

Dem Brief gingen verschiedene Gespräche voraus. Unter anderem ein runder Tisch mit Vertretern des Kantons, der Kraftwerkbetreiberin Energieholding AG sowie der Aargauischen Gebäudeversicherung. Auslöser war der Abbruch der Terrasse am Haus von Schriftsteller Christian Haller. Dessen Terrasse stürzte im Juni 2013 aus rund sieben Meter Höhe in den Rhein. Der Vorfall geschah kurz nach einer länger andauernden Hochwasserperiode.

Stadtbehörde und Statiker wurden damals umgehend von Christian Haller informiert. Auch die nötigen Sofortmassnahmen wie die Sicherung des Absturzgebietes wurden in die Wege geleitet. Mittlerweile wurde ein neuer Balkon angebaut. Alle bisherigen Kosten trägt vollumfänglich Christian Haller. Das hallersche Haus ist Teil einer Gebäudezeile. Sollte sich zeigen, dass der felsige Untergrund im Rhein in Bewegung ist, sind auch die angebauten Liegenschaften davon betroffen. Dazu führt Herbert Weiss aus: «Wir haben den Regierungsrat darauf hingewiesen, dass weitere Veränderungen dokumentiert sind, die auf künftige Schadensereignisse hinweisen. Ebenso, dass an sichtbaren Stellen Sanierungsarbeiten anstehen.»

Nach dem runden Tisch im Mai wurde von der Abteilung Landschaft und Gewässer ein Pflichtenheft zuhanden des Laufenburger Stadtrates erstellte. «Wir werden aufgefordert, die Liegenschaftsbesitzer dahingehend zu informieren, dass sie Fachfirmen beauftragen sollen, die anhand von Messungen mögliche Veränderungen an Fundamenten und Mauern über längere Zeit dokumentieren», so der Laufenburger Stadtammann. Diese Dokumentationen sind pro Liegenschaft mit Kosten in vierstelliger Höhe verbunden. «Und das müssen die Hausbesitzer aus eigener Tasche bezahlen», so Weiss. Die Eigentümer sind somit vom Kanton in Beweispflicht genommen.

Regress-Artikel gestrichen

Vor 100 Jahren wurde das quer im Fluss liegende Laufenburger Kraftwerk gebaut. Dafür mussten auf einer Länge von einem Kilometer rund 300 000 Kubikmeter Fels gesprengt werden. Die Aufschüttung im Rhein hatte zur Folge, dass der Wasserpegel um rund zehn Meter anstieg. Bei der Erteilung der ersten Konzession 1905 gab es Auflagen für möglicherweise durch die Sprengung auftretende Schäden. Mit der Erneuerung der Konzession in den 80er-Jahren wurde dieser Passus entfernt.

Alle zehn Jahre führen die Kraftwerkbetreiber Messungen entlang der Staustrecke durch, um Veränderungen festzustellen. Die aufgrund der Vorkommnisse am Laufenburger Rheinufer vorgezogene Prüfung dieses Jahr wurde als sogenannte Fächerlotmessung durchgeführt. Die Auswertungen hat der Stadtrat Laufenburg erhalten, kann aber ohne Beizug einer Fachperson keine wirklichen Erkenntnisse daraus gewinnen.

«Uns ist es ein Anliegen, die Liegenschaftsbesitzer zu unterstützen», sagt Herbert Weiss. So fand zu Beginn dieses Monats ein Gespräch mit den betroffenen Hauseigentümern statt. Dabei wurde auch das gemeinsame Schreiben an den Regierungsrat besprochen. Dieser wurde unter anderem darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht im Sinne der Stadt Laufenburg sein könne, eine ihrer besten Wohnlagen einem allmählichen Werteverfall auszusetzen. Einer, der zu hohen indirekten Kosten für die Gemeinde führt.

Der Laufenburger Stadtrat hofft nun bis Ende Jahr auf eine entgegenkommende Antwort des Regierungsrates. Wird keine Einigung gefunden, könne dies einen langen, teuren Rechtsstreit zur Folge haben, ist sich Herbert Weiss bewusst. Er hofft, dass in Laufenburg nicht ein Präjudiz geschaffen wird.